Erwin W. Straus lehnt die psychoanalytische Theorie der Perversionen und Neurosen ab, weil diese zu sehr die infantile Triebhaftigkeit in diesen Krankheitsbildern betont. Darin erkannte er den Hauptfehler in Sigmund Freuds Lehre von den sexuellen Partialtrieben. Laut Sigmund Freud gibt es schon im Kind perverse Triebregungen. Das Kind wird willkürlich zu einem kleinen Perversen, der Perverse im Erwachsenenalter zu einem großen Kind. In der schlichten Beschreibung der perversen Phänomene zeigt sich für Erwin W. Straus, dass Perversionen und Neurosen unter den Begriff der Deformierung fallen.
Psychologie Guide
Erich Fromm benennt drei Formen der Destruktivität
Erich Fromm kritisiert den Behaviorismus, der in der Aggression lediglich ein erlerntes Verhalten sieht. Gewiss spielt das Lernen bei der Feindseligkeit des Menschen eine bedeutende Rolle, aber man darf laut Erich Fromm die biologische Ausstattung des Menschen n. Es genügt ihm die Aggression zu den Möglichkeiten des Menschen zu zählen und die Bedingungen herauszufinden, unter denen sie Exzesse oder Katastrophen auslöst. Erich Fromm unterscheidet drei Arten der Aggressivität. Die erste ist die defensive Aggression, die er nicht als böse bezeichnet, da sie in der Abwehr von Angriffen besteht und eine Form von Selbstbehauptung ist.
Harry Stack Sullivan entwirft eine Sozialpsychologie
Harry Stack Sullivan vertritt den Standpunkt, dass der Mensch ein durch und durch soziales Wesen ist. Jede Person wächst und gedeiht in der Atmosphäre vielfältiger Sozialkontakte. Wer oder was ein Mensch ist, lässt sich seiner Meinung nach nur umschreiben durch die verschiedenen Rollen, die ein Individuum innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen spielt. Der ganze psychischer Bestand eines Menschen wird durch Sozialisation und Akkumulation innerhalb der Beziehungen erworben.
Daniel Goleman beschreibt den Untergang einer Ehe
Die quälenden Einstellungen einer Dauerkrise in einer Ehe, die häufig emotionale Entgleisungen auslösen, erschweren es den Ehepartnern, die dadurch hervorgerufene Kränkung und Wut wieder zu vergessen und führen im Endeffekt zur Ehescheidung. „Für eine Ehe fängt das Problem dort an, wo der eine oder andere sich fast ständig überflutet fühlt. Der eine Partner fühlt sich dann von dem anderen unterdrückt, ist ständig auf der Hut vor einem emotionalen Angriff oder einer Ungerechtigkeit, wird überwach für jedes Anzeichen eines Angriffs, einer Beleidigung oder eines Beschwerdegrundes und wird auf das geringste Anzeichen hin mit Sicherheit überreagieren“, erklärt Daniel Goleman.
Die Psychotherapiemethode des Harry Stack Sullivan
Harry Stack Sullivan hat in der Theorie und Praxis der Psychotherapie wertvolle Neuerungen eingeführt, die weit über das orthodoxe psychoanalytische Verfahren hinausreichen. So lehnte er es beispielsweise ab, mit seinen Patienten in endlosen Sitzungen Träume zu deuten, Erlebisse aus der Kindheit zu rekonstruieren und „Sexualromane zu dichten“. Sein therapeutisches Hauptanliegen war, zusammen mit dem Patienten dessen Verhaltensmuster zu erforschen, die ihm im Umgang mit sich selbst und mit seinen Beziehungspersonen besondere Schwierigkeiten bereiten. Dabei wollte er nicht die Rolle des kühlen und unbeteiligten Beobachters spielen. Er vertrat die Meinung, dass die wichtigsten Daten für die Einschätzung eines anderen Menschen nur durch teilhabende Beobachtung gewonnen werden können.
Frieda Fromm-Reichmann erforscht die Einsamkeit
In ihrer Schrift „Über die Einsamkeit“ schreibt Frieda Fromm-Reichmann, die Einsamkeit sei sowohl ein Bestandteil des Normalleben als auch der Psychopathologie. Aber für sie steht fest, dass viele psychische Störungen und Geisteskrankheiten mit der Vereinsamung einer Persönlichkeit zusammenhängen. Die Einsamkeit gehört ihrer Meinung nach zu den traumatischsten Situationen, die ein Mensch überhaupt in seinem Leben erleben kann. Es gibt allerdings verschiedene Formen der Einsamkeit. Künstler oder andere kreative Persönlichkeiten suchen beispielsweise oft das Alleinsein, um sich besser auf ihre Werke konzentrieren zu können. Sie sind zwar allein, aber inschaft und der Gesellschaft innerlich verbunden bleiben.
Die Theorie der Depression von Erwin W. Straus
Die Phänomenologie und die Existenzphilosophie haben die Tendenz, in der subjektiven Erfahrung der Zeit des Daseins die innerste Lebenserwartung eines Menschen zu sehen. Der tätige Mensch, der sicher im Leben steht, bemerkt den Zeitstrom in seinem Inneren kaum. Er ist ganz auf seine Ziele und Beziehungen ausgerichtet. Die Zeit wird für den Menschen erst zum Problem, wenn er Langeweile verspürt, auf etwas wartet, sich ängstigt oder keine Beschäftigung hat. Dann kann der Zeitfluss ins Stocken geraten. Dann verändern sich die Innen- und die Außenwelt des Menschen. Er muss sich dann mit seinem eigenen Selbst auseinandersetzen.
Alexander Mitscherlich untersucht die Arten der Trauer
In ihrem Buch „Die Unfähigkeit zu trauern“ (1967) beschreiben Alexander und Margarete Mitscherlich kollektivpsychologische Probleme, die sie nach den Regeln der Psychoanalyse zu klären versuchen. In der neurotischen Trauer und in der psychotischen Melancholie scheint das zentrale Geschehen ein Verlust des Ichs zu sein, den der Patient durch seine Wahnvorstellungen und Verhaltensweisen zu bearbeiten sucht. Dadurch kommt es zu keiner kulturell wertvollen Trauerarbeit, sondern es bilden sich Tendenzen zur Selbstzerstörung heraus, in denen auch Feindseligkeit gegen die Umwelt mitschwingt. Alexander Mitscherlich übertrug diese Erkenntnisse auf die Kollektivpsyche. In Adolf Hitler hatte seiner Meinung nach die deutsche Nation ein geliebtes Führungsobjekt besessen und danach verloren.
Erwin W. Straus analysiert die Suggestion
Die erste bedeutende Publikation von Erwin W. Straus trägt den Titel „Wesen und Vorgang der Suggestion“ (1925). Bei der Suggestion kommt es laut Erwin W. Straus darauf an, dass der Suggestor vom Suggestionsobjekt anerkannt, bewundert oder gefürchtet wird. Sigmund Freud hat die Suggestion mit der Verliebtheit verglichen, die ja auch eine Gemeinschaft zu zweit herstellt. Wenn Erwin W. Straus über die Einflussnahme zwischen Ich und Du schreibt, dann meint er zwei Personen, die ganzheitlich aufeinander einwirken, und zwar so, das ihr Welterleben ineinander verschmilzt. Erwin W. Straus schreibt: „In dem Wir-Erleben wird die fremde Person bejaht, wird ihre Welt zur unseren.“
Das Verhältnis zwischen dem Selbst und den Anderen
Für Ronald D. Laing ist die Interaktion zwischen zwei Menschen, also einem Ich und einem Du, immer lückenhaft. Jeder Mensch kann nur vermuten, was sein Gegenüber meint. In der Regel sind die Folgen dabei überschaubar. Schlimm wird es nur, wenn eine Person soviel Autorität und Macht hat, der anderen Person zuzuschreiben, was diese bewusst oder unbewusst empfinden soll. Von hier aus ist der Weg zu einer seelischen Vergewaltigung nicht weit.