Erwin W. Straus beschreibt die sexuelle Perversion

Erwin W. Straus lehnt die psychoanalytische Theorie der Perversionen und Neurosen ab, weil diese zu sehr die infantile Triebhaftigkeit in diesen Krankheitsbildern betont. Darin erkannte er den Hauptfehler in Sigmund Freuds Lehre von den sexuellen Partialtrieben. Laut Sigmund Freud gibt es schon im Kind perverse Triebregungen. Das Kind wird willkürlich zu einem kleinen Perversen, der Perverse im Erwachsenenalter zu einem großen Kind. In der schlichten Beschreibung der perversen Phänomene zeigt sich für Erwin W. Straus, dass Perversionen und Neurosen unter den Begriff der Deformierung fallen.

Die Perversion und die Neurose stören die Gemeinschaftsbildung

Beim normalen Seelenleben kann man davon ausgehen, dass es aufgabenorientiert ist und auf Selbstverwirklichung und die Erhaltung der Werte im Rahmen der Kultur ausgerichtet ist. Hier liegt laut Erwin W. Straus das unverkennbare Defizit bei allen seelischen Krankheitserscheinungen. Die Perversion und die Neurose stören die Gemeinschaftsbildung und das Fortleben der Gebilde des objektiven Geistes. Dagegen strebt beim Sadismus der sexual- und seelenkranke Mensch eine Entwürdigung seines Gegenübers an, indem er ihn seiner Persönlichkeit beraubt.

Der Perverse ist arm an Gefühlen und fürchtet sich vor dem Leben

Kinder zeigen sich nackt, ohne sich dabei etwas Negatives zu denken. Der Exhibitionist dagegen genießt den Angriff auf die erschreckende Frau, wenn er sie durch seinen obszönen Anblick vertreibt. Dabei wird der Wert der Schamhaftigkeit missachtet, wie sich überhaupt jede Perversion laut Erwin W. Straus gegen die Werte der Gesellschaft richten. So degradiert beispielsweise der Sadist seinen Liebespartner zu einem Objekt, mit dem er alles machen kann. Dabei entstehen bei ihm Allmachtsgefühle, die er nicht ausleben könnte, wenn er seinen Sexualpartner als gleichberechtigte Persönlichkeit anerkennen würde.

Es ist für Erwin W. Straus ein Unfug, solche Haltungen und Verhaltensweisen aus kindlichen Trieben ableiten zu wollen. Er dagegen hält sie für Erkrankungen des Werterlebens, der Gefühlswelt und der menschlichen Interaktion. Aus Armut an Gefühlen und der Angst vor dem Leben weicht der Perverse von der Norm zurück und beschränkt sich auf ein normwidriges Reagieren, indem er sich selbst und seinen Partner kleinmacht. Der Perverse fürchtet die Liebe und das Geliebtwerden und ist in einem Destruktionsmodus gefangen, in dem er Sicherheit verspürt.

Von Hans Klumbies

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