Erwin W. Straus analysiert die Suggestion

Die erste bedeutende Publikation von Erwin W. Straus trägt den Titel „Wesen und Vorgang der Suggestion“ (1925). Bei der Suggestion kommt es laut Erwin W. Straus darauf an, dass der Suggestor vom Suggestionsobjekt anerkannt, bewundert oder gefürchtet wird. Sigmund Freud hat die Suggestion mit der Verliebtheit verglichen, die ja auch eine Gemeinschaft zu zweit herstellt. Wenn Erwin W. Straus über die Einflussnahme zwischen Ich und Du schreibt, dann meint er zwei Personen, die ganzheitlich aufeinander einwirken, und zwar so, das ihr Welterleben ineinander verschmilzt. Erwin W. Straus schreibt: „In dem Wir-Erleben wird die fremde Person bejaht, wird ihre Welt zur unseren.“

Der Weg zur Selbstfindung ist mühsam

Für Erwin W. Straus ist der soziale Mensch auch eine suggestible Persönlichkeit. Nur in dem Maße, wie er sein eigentliches Ich und Selbstsein erringt, kann er den Regeln und Normen sowie den Zwanghaftigkeiten eines Kollektivs widerstehen. Wer zu sich selbst steht, muss dabei nicht unbedingt Sitten und Gebräuche ablehnen. Der mühselige Weg der Selbstfindung in der Gesellschaft wird leicht durch Gleichschaltung und Nivellierung zugedeckt.

Der Mensch lebt laut Erwin W. Straus also zwischen den Polen des Selbstseins und der Fremdbestimmung, wobei im Erlebnis der Suggestion die letztere dominiert. Das erstere führt Regie in den Akten der Suche nach Wahrheit, der Reflexion und des eigenständigen Handels und Verhaltens. Nach Erwin W. Straus ist es das Ideal des Weisen, der den Menschen das Selbstseinkönnen inmitten der Meinungen und Urteile der Gesamtheit vorbildlich vor Augen führt.

Kurzbiographie: Erwin W. Straus

Erwin W. Straus wurde am 11. Oktober 1891 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Medizin und schrieb seine Dissertation über eine Suchtkrankheit. Bereits 1931 wurde er in Berlin wegen seiner Grundlagenforschungen im Bereich der Psychiatrie zum Psychiatrieprofessor ernannt. 1935 erschien sein berühmtes Buch „Vom Sinn der Sinne“ mit dem Untertitel „Beitrag zur Grundlegung der Psychologie“.

Von Hans Klumbies

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