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Hass ist extrem schwer zu steuern

Für Aristoteles ist Hass mehr eine ethische Empfindung als eine schmerzhafte Erfahrung. Er könne, wenn er sich gegen Verbrecher richte, durchaus ein angenehmes Gefühl moralischer Überlegenheit vermitteln. Letztlich hält Aristoteles – so eine weitere resignative Erkenntnis –, den Hass für unheilbar. Reinhard Haller erklärt: „Hier kommt einmal mehr der zwischenmenschliche Aspekt des Hasses zum Ausdruck.“ Mehrheitlich halten die Philosophen den Hass für eine Leidenschaft, also eine intensive, das gesamte Verhalten bestimmende und vom Verstand nur schwer zu steuernde emotionale Reaktion. Damit stellen sie eine tiefe Verwurzelung im Gemütsleben, seinen triebhaften…

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Viele Menschen verdrängen gerne Krisen

Seit jeher ist die Menschheit überzeugt, dass alles immer schlimmer wird. Jakob Hein ergänzt: „Und auch jetzt gerade erscheint es uns so schlimm und ausweglos wie nie zuvor. Die Krisen schieben sich förmlich übereinander, bedingen und verstärken einander. Wenn wir eine von ihnen gerade nicht beobachten, scheint sie sich in diesem Schatten heimlich zu verstärken.“ Deshalb wollen viele Deutsche überhaupt keine Nachrichten mehr sehen oder hören. Mit Krisen, die zwar real existieren, mit denen aber die betroffenen Menschen keinen anderen Umgang finden als den hilflosen Versuch, sie zu verdrängen, kenne…

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Geschwister kleben regelrecht zusammen

Geschwister kann man sich nicht aussuchen. Man wird einfach hineingeboren in diese Beziehungen und bleibt für immer große Schwester oder kleiner Bruder. „In der Regel ist die Geschwisterbeziehung die längste, die wir im Leben haben“, sagt Psychologin und Psychotherapeutin Carola Hoffmann. „Sie ist länger als alle Freundes- und Liebesbeziehungen und länger als die Beziehung zu den Eltern.“ „Geschwister sind wie Gummibärchen“, titeln die Autorinnen Ursi Breidenbach und Heike Abidi. „Das Geschwister regelrecht zusammenkleben, habe ich mit meinen Schwestern erlebt und erlebe es jetzt auch bei meinen Söhnen“, so Ursi Breidenbach.…

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Kinder sind sehr feinfühlig

Kinder sind wesentlich aufmerksamer und feinfühliger, als die meisten Erwachsenen es für möglich halten. Sie können sehr genau spüren, was Mama und Papa von ihnen wünschen, erhoffen und erwarten, wie sie also „sein sollen“. Gerald Hüther weiß: „Und wenn das mit ihren eigenen Bedürfnissen nicht gut in Einklang zu bringen ist kommt es im Gehirn, vor allem im Frontalhirn, wo die eigenen Erwartungen mit den konkreten Wahrnehmungen abgeglichen werden, zu einer gewissen Unruhe.“ „Arousal“ nennen die Neurobiologen diesen Zustand, in dem viele Nervenzellen gleichzeitig zu feuern beginnen und die bisher…

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Der Konflikt hat viele Gesichter

Konflikt entsteht dadurch, dass die Welt nicht so ist, wie sie sein sollte. Reinhard K. Sprenger stellt fest: „Was ist, ist offenbar ungenügend, verfehlt, ein Schadensgebiet. Auch die Menschen: irgendwie defizitär. Sie sind ja bunt und friedlich – wenn man nichts von ihnen will!“ Sobald man etwas von ihnen will, wir ihr Anderssein zum Problem. Dann prallt das Wollen des einen auf das Sosein des anderen – und wird zu dessen Sollen. Die Botschaft: „So wie du bist, bist du nicht in Ordnung.“ Die Gestaltgeste des Konflikts ist also das…

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Die Vergangenheit dient dem Selbstbild

Die Vergangenheit wird am häufigsten zur Selbstdarstellung gebraucht. Valentin Groebner erklärt: „Wer sich auf diese Weise mit der Vergangenheit beschäftigt, möchte, dass sie von ihm selbst handelt, ganz persönlich. Das Bild, das in diesem Spiegel erscheint, ist faszinierend: Es verspricht, dass man sich durch eine neu installierte Ich-Geschichte aus der Vergangenheit selbst verändern könnte und irgendwie verbessern.“ Nahgeschichte ist unübersichtlich. Geschichte als Wissenschaft und die Beschäftigung mit dem Alltäglichen und Flüchtigen – real, aber schnell vergänglich – kriegt man nicht sauber getrennt. Aber genau diese Vermischungen interessieren Valentin Groebner. Andere…

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Keine Kritik ist auch keine Lösung

Viele Kinder erfahren heutzutage selten oder kaum Kritik. Deshalb kann deutliche Kritik für sie später völlig unverständlich sein, weil sie sich an eigenes Fehlverhalten überhaupt nicht als solches erinnern. Rüdiger Maas fügt hinzu: „Es wurde gelöscht, was nicht positiv war. Schuld sind die anderen, ich selbst mache meistens alles richtig.“ Man nennt die Selbstbezüglichkeit in der Psychologie auch Ich-Syntonie. Sie bezeichnet den Zustand, wenn eine Person ihre Gedanken, Impulse oder Gemütserregungen zu ihrer Person erlebt. Würden diese als fremd oder störend wahrgenommen, spricht man von Ich-Dystonie. Bei einer Ich-Dystonie tritt…

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Ein Intelligenztest misst die Intelligenz

Anschauen allein reicht in der Regel nicht aus, um ein seriöses Urteil über die Intelligenz eines Menschen abgeben zu können. Was nicht heißt, dass man nicht gelegentlich versucht ist, genau das zu tun. Jakob Pietschnig weiß: „Für die Erfassung von Intelligenz braucht es mehr als ein einzelnes Ereignis. Ideal wäre eine Auswahl von vielen verschiedenen relevanten Verhaltensweisen von ein und derselben Person, um ihren Grad an Intelligenz feststellen zu können.“ Das ist natürlich aufwendig und in den meisten Fällen praktisch unmöglich. Man kann einzelnen Personen nicht monatelang folgen. Weitaus realistischer…

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Auch Gefühle können sich täuschen

Manchmal prüfen Menschen ein konkretes Schuldgefühl und erkennen es als unbegründet. Es könnte nun sofort verschwinden – das tut es aber nicht immer. Helga Kernstock-Redl weiß: „Sobald Sie beginnen, ein offensichtlich unberechtigtes Gefühl zu erforschen, ist Überraschung fast garantiert.“ Auch ein unberechtigtes Gefühl, das betont Helga Kernstock-Redl nochmals, hat im Prinzip eine gute Absicht und verständliche Ursachen. Es ist jedoch ein weit verbreiteter Irrtum, dass Gefühle sich nicht täuschen und man daher immer unreflektiert „auf den Bauch“ oder „sein Herz hören“ soll, kann oder darf. Doch trotzdem wollen sie vermutlich…

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Traumata sind sehr weit verbreitet

Ein Trauma ist ein Ereignis, das die eigene Fähigkeit, es zu bewältigen, übersteigt und bei dem man niemanden hat, der einen beschützt. Kinder sind ständig überfordert, aber dann heben ihre Eltern sie hoch, trösten sie kümmern sich. Bessel van der Kolk warnt: „Wenn man jedoch allein ist und ein tiefes Gefühl des Schreckens und der Hilflosigkeit erlebt, besteht die Gefahr, dass man darin stecken bleibt.“ Wenn so ein Trauma das zentrale Nervensystem überwältigt, dann wird es zur endlosen Episode. Dann reagiert der Betroffene körperlich und mit seinem hormonalen Stresssystem weiter…

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