Der Kinderarzt Ronald E. Dahl hat sich sein ganzes akademisches Leben lang mit der Adoleszenz und der Pubertät beschäftigt. Von ihm stammt folgender Satz: „Das jugendliche Gehirn ist wie ein Auto, in dem die Jungen Gas geben, bevor sie steuern oder bremsen können.“ Als Beispiel für diesen Zustand im Alltag nennt Professor Ronald E. Dahl die erste Liebe. Der Kinderarzt Ronald E. Dahl ist Professor für Gesundheitswesen und Menschliche Entwicklung an der Universität Berkeley, Kalifornien. Seine Forschungsschwerpunkte sind Adoleszenz und pubertäre Reife.
Allgemein
Angsterkrankungen sollten frühzeitig behandelt werden
Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Störungen. Die gute Nachricht ist: im Regelfall lassen sie sich gut behandeln. Zu den häufigsten Phobien zählt die Angst vor Spinnen. Die betrifft rund zehn Prozent der Deutschen. Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass solche Phobien nicht nur eine ängstliche Veranlagung, sondern auch ganz konkrete Phobien vererbt werden können. Professor Rainer Rupprecht, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Regensburg am Bezirksklinikum Regensburg, bestätigt diese Forschungsergebnisse: „Umwelteinflüsse können das Erbgut beeinflussen und die Aktivität von Genen verändern. Bei der Entstehung von Angsterkrankungen spielen aber auch die Lebensumstände und traumatische Erlebnisse eine Rolle.“
Michael Winterhoff warnt vor einer Gesellschaft von Egoisten
Der renommierte deutsche Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff warnt vor einer Gesellschaft, die von Narzissten und lustorientierten Egoisten dominiert wird. Zu Beginn ist eine Symbiose zwischen Eltern und ihren Babys durchaus gut und richtig. Man darf die Kinder allerdings nicht zu sehr verhätscheln. Denn verwöhnte Kinder sind vollkommen auf sich selbst bezogen, es fehlt ihnen an Mitgefühl für andere Menschen und die Einsicht in die Notwendigkeit von Regeln.
Ewige Grübler können sehr leicht in eine Depression rutschen
Grübeln gilt bei vielen Menschen als abwertend und selbstkritisch. Grübler fragen oft nach dem Warum, während Menschen, die eine Aufgabe lösen wollen, sich eher über das Wie Gedanken machen. Fast jeder Mensch hat schon einmal in seinem Leben brütende Gedanken gehabt, der eine ist öfter davon betroffen, der andere seltener. Dr. Silke Huffziger, wissenschaftliche Angestellte am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, erläutert: „Bei Menschen, die generell mehr grübeln, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, in eine Depression zu rutschen. Und Menschen, die bereits eine Depression erlebt haben, bleiben häufiger in dieser Art des Denkens und sind dadurch eher gefährdet, eine Rückfall zu erleiden.“
Die Elite motiviert sich selbst und strebt nach Verantwortung
Wenn heute von Leistungen am Arbeitsplatz und bei der Mitarbeiterführung die Rede ist, betont man einerseits wie wichtig motivierte Mitarbeiter sind, die Freude an der Arbeit haben, von sich aus stets neue Aufgaben suchen und Lösungen erarbeiten. Auf der anderen Seite ist es oftmals sogar verpönt, zuviel Freude an der Arbeit zu zeigen und sich intrinsisch motiviert zu geben. Denn in einem solchen Fall kommt sofort der Verdacht auf, dass der betreffende Mitarbeiter ja gar nicht richtig arbeitet. Mathias Binswanger fügt hinzu: „Vielleicht verfolgt dieser ja nur noch seine eigenen Interessen oder hat einen Weg gefunden, die subtil ausgeklügelten internen Wettbewerbe irgendwie zu umgehen.“ Deshalb wird ein solcher Kollege mit Misstrauen und Argwohn betrachtet. Mathias Binswanger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Solothurn.
Mingles vermeinden Gefühlsdramen und Alltagsfrust
Mingles haben Verabredungen, Sex und führen vertrauliche Gespräche, aber befinden sich in keinem offiziellen Beziehungsstatus. Das Wort „Mingle“ setzt sich aus den Begriffen „mixed“ und „Single“ zusammen. Im Gegensatz zu früher haben sie die Partnerschaften radikal gewandelt. Die Zeiten, als ein Kuss oder der erste Sex den Anfang einer lebenslangen Beziehung markierten, sind längst vorbei. Heute lernen sich Menschen kennen, treffen sich, haben tiefschürfende Gespräche, Spaß und möglicherweise Sex, aber das bedeutet nicht zwingend, dass man mit dem temporären Partner gleich eine feste Beziehung eingehen möchte, die traditionellen Vorstellungen folgt. Personen, die in einem solchen Schwebezustand zwischen Singleleben und Pärchentraum leben, nennt man Mingles. Diese Mixed Singles genießen die Vorteile einer festen Partnerschaft ohne weiterreichende Verpflichtungen einzugehen.
Tics können durch kontrolliertes Gegensteuern gemildert werden
Die wie aus dem Nichts auftretenden Geräusche können von bellenden Lauten bis hin zu Wasserfällen von Schimpfwörtern reichen. Dauert dieser Zustand länger als ein Jahr an, sprechen Ärzte vom sogenannten Tourette-Syndrom. Die Betroffenen selbst erleben die unwillkürlichen Ausbrüche von Bewegungen und Geräuschen als völlig grundlos und ohne Sinn. Kirsten Müller-Vahl erläutert: „Sie sind ein pathologisches Phänomen, das keinerlei Funktion erfüllt.“
Der Geist dient dem Kampf um Überleben und Fortpflanzung
Menschen und andere Lebewesen existieren in Umgebungen, die sich von Zeit zu Zeit auf mehr oder weritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig sowie Honorarprofessor an den Universitäten München und Leipzig.
Die Neurosenlehre des Victor-Emil von Gebsattel
Victor-Emil von Gebsattel akzeptierte zwar die tiefenpsychologischen Neurosentheorien eines Sigmund Freuds oder Alfred Adlers als grundlegende Einsichten über die psychischen Erkrankungen eines Menschen, bemängelte an ihnen aber die unangemessene Berücksichtigung von Themen wie Verantwortung, Freiheit, Schuld, Gewissen, Sinnfindung, Vernunft, Personalität und Existenz. Victor-Emil von Gebsattel schrieb: „Wenn man von Trieben, Ängsten, Komplexen, Minderwertigkeitsgefühlen, Hemmungen usw. spricht, so muss man das Geistige der menschlichen Persönlichkeit mitreflektieren, um nicht in den Niederungen der Animalität und des Reflexhaften steckenzubleiben.“ Wie schon Søren Aabye Kierkegaard feststellte, ist der Mensch als Existenz oder Person, ein Verhältnis, welches sich zu sich selbst verhält.
Selbsterkenntnis ist mit der Forderung nach Ehrlichkeit verbunden
Die Menschen, die heute im 21. Jahrhundert leben sind den alten Griechen in einigen Dingen sehr ähnlich, in vielem aber grundlegend verschieden. Andreas Salcher rät: „Um uns in der heutigen Zeit selbst erkennen zu können, müssen wir unsere Lebenskonzepte im Lichte der Weisheiten der vorhergegangenen Jahrhunderte neu überdenken.“ Ganz wichtig ist dabei, die Liebe zu sich selbst zu entwickeln, statt diese verzweifelt durch Anerkennung von außen kompensieren zu wollen. Philosophie und Psychologie haben die Menschen gelehrt, dass sie sich nicht völlig von außen betrachten können. Das eigene Selbst verändert sich natürlich schon dadurch, dass man sich damit auseinandersetzt. Dr. Andreas Salcher ist Mitbegründer der Sir-Karl-Popper-Schule und initiierte die Waldzell Meetings im Stift Melk. Er ist einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs. Sein aktuelles Buch heißt: „Erkenne dich selbst und erschrick nicht.“