Tics können durch kontrolliertes Gegensteuern gemildert werden

Die wie aus dem Nichts auftretenden Geräusche können von bellenden Lauten bis hin zu Wasserfällen von Schimpfwörtern reichen. Dauert dieser Zustand länger als ein Jahr an, sprechen Ärzte vom sogenannten Tourette-Syndrom. Die Betroffenen selbst erleben die unwillkürlichen Ausbrüche von Bewegungen und Geräuschen als völlig grundlos und ohne Sinn. Kirsten Müller-Vahl erläutert: „Sie sind ein pathologisches Phänomen, das keinerlei Funktion erfüllt.“

Tics sind nicht vollständig heilbar

Vor allem Erwachsene fühlen sich durch die unkontrollierbaren Tic-Attacken häufig stark belastet, weil sie durch ihr ungewolltes unverständliches Verhalten in der Öffentlichkeit und im Berufsleben als bizarre Personen auffallen. Beschämend ist für sie vor allem das Tuscheln hinter vorgehaltener Hand über ihr Leiden. Kirsten Müller-Vahl fügt hinzu: „Die Betroffenen wünschen sich einen offeneren Umgang mit ihren Eigentümlichkeiten.“ Weil die Ursachen der Tics aber bis heute nicht vollständig geklärt sind, ist bis jetzt nur eine symptomatische Behandlung möglich, jedoch keine völlige Heilung.

Mit viel Erfolg lassen sich Tics mit dem Habit-Reversal-Training behandeln

Die besten Erfolge erzielt momentan eine bestimmte Form der Verhaltenstherapie, die Habit-Reversal-Training genannt wird. Kirsten Müller-Vahl erklärt: „Die Therapie sieht im Kern vor, dass der Tic durch eine weniger störende Alternativbewegung ersetzt wird. Als Beispiel nennt sie heftige Zuckungen mit dem Kopf nach hinten. In diesem Fall kann der Betroffene das Rucken durch eine kontrollierte Kopfbewegung nach vorne abmildern. Ein weiterer Baustein des Trainings nutzt das Gefühl, das viele Menschen empfinden, bevor der Tic einsetzt.

Die Patienten lernen, bei der ersten Vorahnung bewusst gegenzusteuern und die Impulse der Bewegung so zu unterdrücken. Doch diese erfolgversprechende Behandlung bieten nur wenige niedergelassen Psychotherapeuten an. Kirsten Müller-Vahl kritisiert: „Hier klafft in Deutschland eine riesige Versorgungslücke.“ Große Fortschritte gibt es allerdings inzwischen in der Ursachenforschung. So gibt es Hinweise, dass bei einer Tic-Störung wichtige Verbindungen zwischen verschiedenen Arealen des Gehirns beeinträchtigt sind. Quelle: Apotheken Umschau

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

 

 

 

 

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