Wenn Kinder die Liebe der Eltern, aus welchen Gründen auch immer, entbehren müssen, kann dies zu traumatischen Erfahrungen führen, da es die Gewissheit der Geborgenheit in der Welt aufs Tiefste erschüttert. Die Beziehung des Selbst zur eigenen Person, zu anderen und zur Welt steht von Grund auf in Frage. Wilhelm Schmid erläutert: „Die fehlende Liebe zum Kind kann zur Folge haben, dass es psychisch und somatisch daran erkrankt. Die fehlende körperliche Nähe und der mangelnde Austausch von Gefühlen und Gedanken beengen die Seele mit Ängsten und beinträchtigen den Körper schwer.“ Der britische Kinderarzt John Bowlby vertritt die These, dass frühe Erfahrungen von Einsamkeit oder Verlust eine lebenslange Empfindlichkeit der neurobiologischen Systeme eines Menschen zur Folge haben kann. Wilhelm Schmid lebt als freier Autor in Berlin und lehrt Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt.
Gewalt
Der Hochmut und die Hysterie sind Verwandte des Narzissmus
Narzissten wirken oft hochmütig, fast immer sind sie es auch. Ihre erheblich anmaßende und eingebildete Haltung liegt ihrer Selbstüberschätzung zugrunde. Der Hochmut gehört laut Reinhard Haller zur engen Verwandtschaft des Narzissmus. Mit Mut hat Hochmut allerdings rein gar nichts zu tun. Im Begriff der Hybris vereinen sich das Gierige und das Lüsterne, aber in erster Linie die mutwillige Gewalt und die Frechheit. Der Arzt, Psychotherapeut und Bestsellerautor Reinhard Haller arbeitet als Chefarzt in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik mit dem Schwerpunkt Abhängigkeitserkrankungen.
Rollo May stellt seine Menschenkunde vor und übt Kulturkritik
Rollo May führt folgende vier Befunde für eine umfassende Wissenschaft vom Menschen an. Der Mensch ist erstens die Sprache über andere Lebewesen herausgehoben und lebt in einer Welt selbst geschaffener Symbole und Zusammenhängen von Bedeutungen. Zweitens hat der Mensch die Fähigkeit zur Zeitbindung. Das heißt, er kann die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft stets zu einer übergreifenden Einheit zusammenfassen. Sein zeitlicher Horizont kann sich über die Ewigkeit erstrecken.
In Griechenland breitet sich die kollektive Verzweiflung aus
Der Traumatherapeut Georg Pieper fuhr im Oktober ohne Illusionen nach Athen. Aber was er dort sah, übertraf seine schlimmsten Befürchtungen. Möglicherweise explodiert die griechische Gesellschaft unter dem Druck der Finanz- und Wirtschaftskrise. Die Politik eilt von Krisengipfel zu Krisengipfel, wo die Rettung Griechenland und des Euro wieder ein Stückchen vorangebracht werden soll. Der Traumatherapeut stellt fest, dass in Griechenland hochschwangere Frauen nicht behandelt werden, Ärzte die Krankenhaustoiletten reinigen müssen, sich Infektionskrankheiten auszubreiten drohen und dass die Selbstmordrate sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt hat.
In der Neuzeit ist die Angstgier entstanden
Wolfgang Schmidbauer schreibt: „Der Glaube, man könnte über seine Verhältnisse leben und keinen Preis dafür bezahlen, ist die zentrale Illusion der Konsumwelten.“ Zur natürlichen Gier, zu Hunger und Liebe ist laut Wolfgang Schmidbauer in der Neuzeit die gefährliche Innovation der Angstgier hinzugekommen, die sich auf den Verlust der mit der Hilfe von Maschinen erreichten Niveau … Weiterlesen …
Kindliche Aggression führt leicht zu Jugendkriminalität
Gereizte, isolierte Kinder sind Opfer und können zahlreiche Fälle aufzählen, wo sie zu Unrecht bestraft wurden. Eines zeichnet diese Kinder noch aus. Daniel Goleman erklärt: „Haben sie sich erst in den Zorn hineingesteigert, fällt ihnen als Reaktion nur eines ein – um sich zu schlagen.“ Diese Aggressiven neigen zu vorschnellen Urteilen, wodurch ihre Wahrnehmung stark verzerrt wird.
Gavin de Becker empfiehlt den Mut zur Angst
Gavin de Becker vertritt die These, dass der moderne Mensch verlernt hat, sich zum Zwecke seines Selbstschutzes seiner Instinkte zu bedienen. Dieser Schutz ist seiner Meinung nach wesentlich verlässlicher als wenn sie das Problem der Gewalt der Polizei oder dem Rechtssystem überlassen. Denn für gewöhnlich besitzen die Menschen alle Informationen, die nötig sind, um sie vor gefährlichen Menschen oder prekären Situationen zu warnen.
Beleidigungen können tödliche Konflikte auslösen
Demütigungen und Beleidigungen sind oft die Auslöser für Gewalt und Mord, Krieg und Genozid. Menschen mit einem ausgeprägten Ehrgefühl reagieren besonders stark auf eine entwürdigende Situation. Dov Cohen geht davon aus, dass in den Südstaaten der USA eine Kultur der Ehre vorherrsche. Der Wissenschaftler sagt: „In Texas und den anderen Südstaaten setzt eine öffentliche Beleidigung die Reputation eines Mannes besonders stark herab. Dieser muss dann versuchen, seinen Ruf mit Gewalt wiederherzustellen.“
Rollo May untersucht die Sexualität und die Liebe
In seinem bedeutenden Werk „Love and Will“ (1969), das 1970 unter dem Titel „Der verdrängte Eros“ in Deutschland erschien, nimmt Rollo May im ersten Teil des Buchs das Verhältnis des modernen Menschen zur Sexualität und zur Liebe ganz genau unter die Lupe. Rollo May hob hervor, dass die Menschen am Rande oder schon inmitten eines sexuellen Chaos leben. Obwohl der Sexualtrieb befreit wurde, sind die Menschen durch ihre Freiheit nicht glücklicher geworden. Denn parallel zur Befreiung gab es eine Entwertung der Sexualität, die vielfach nur noch als Triebgeschehen und sexuelle Abreaktion angesehen wird.
Rollo May: "Humane Macht ist die Fähigkeit zur Liebe"
Rollo May unterscheidet fünf Schichten oder Phasen der Macht, die potentiell im Leben jedes Menschen vorhanden sind. An erster Stelle steht die Macht zu sein, das heißt in der Welt zu leben und zu existieren. Eine weitere Phase ist die Selbstbestätigung, bei der jeder Mensch sich als anerkannt und als für andere bedeutsam empfindet. Das Streben nach Sein, Selbstbestätigung und Selbstbehauptung kann in Selbst- und Fremddestruktion umschlagen, wenn der Mensch keinen Modus der Mitmenschlichkeit findet, in dem er seine Selbstachtung aufrechterhalten kann.