Gavin de Becker empfiehlt den Mut zur Angst

Gavin de Becker vertritt die These, dass der moderne Mensch verlernt hat, sich zum Zwecke seines Selbstschutzes seiner Instinkte zu bedienen. Dieser Schutz ist seiner Meinung nach wesentlich verlässlicher als wenn sie das Problem der Gewalt der Polizei oder dem Rechtssystem überlassen. Denn für gewöhnlich besitzen die Menschen alle Informationen, die nötig sind, um sie vor gefährlichen Menschen oder prekären Situationen zu warnen.

Jeder Mensch kann kriminell werden

Doch das moderne Leben erstickt diese Sensibilität – entweder sehen die Menschen die Signale überhaupt nicht, oder sie gestehen sich die Gefahr nicht ein. Gavin de Becker ist davon überzeugt, dass der Intuition zu vertrauen genau das Gegenteil von einem Leben in Angst ist. Seiner Meinung nach lähmt echte Angst nicht, sondern gibt dem Menschen die Kraft, Dinge zu tun, die er normalerweise nicht bewältigen könnte. Nach Gavin de Becker verbindet sich die echte Angst mit der Intuition zu einem positiven Gefühl, dass einzig dazu da ist, einen Menschen aus einer Notsituation zu retten.

Gavin de Becker lehnt die Vorstellung ab, dass es einen kriminellen Geist gibt, der bestimmte Menschen vom Rest der Menschheit absondert. Alle Menschen sind demnach fähig, kriminelle Gedanken zu hegen und sogar kriminelle Handlungen zu begehen. Wenn ein Mensch zu einer bestimmten Tat fähig ist, dann sind es unter gewissen Bedingungen alle. Gavin de Becker schreibt: „In jedem finden sich Gewaltressourcen; was uns unterscheidet, ist lediglich unsere Sicht des Gerechtfertigten.“

Vier Gründe machen aus Menschen Gewalttäter

Nach Gavin de Becker gibt es vier Gründe, die aus Menschen Gewalttäter machen. Erstens die Rechtfertigung, die darin besteht, dass eine Person zu dem Urteil kommt, sie sei absichtlich schlecht behandelt worden. Zweitens die Alternativen, das heißt, die Gewalt scheint der einzige Weg zu sein, Wiedergutmachung oder Gerechtigkeit zu erlangen. Drittens die Konsequenzen, bei denen der Täter beschließt, mit dem wahrscheinlichen Ausgang seiner Gewalttat leben zu können. Und viertens die Fähigkeit, in die der Betreffende vertraut, seinen Körper, Kugeln oder Bomben für seinen Zweck zu nutzen.

Von Hans Klumbies

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