Wolfgang Schmidbauer nimmt den Konsum unter die Lupe

Wolfgang Schmidbauer schreibt: „Der Glaube, man könnte über seine Verhältnisse leben und keinen Preis dafür bezahlen, ist die zentrale Illusion der Konsumwelten.“ Zur natürlichen Gier, zu Hunger und Liebe ist laut Wolfgang Schmidbauer in der Neuzeit die gefährliche Innovation der Angstgier hinzugekommen, die sich auf den Verlust der mit der Hilfe von Maschinen erreichten Niveau an Bequemlichkeit bezieht. Gegenwärtig arbeitet Wolfgang Schmidbauer neben der schriftstellerischen Tätigkeit auch als Lehranalytiker und Paartherapeut in München.

Gefühle der Bedrohung erzeugen Aggressionen

So bauen gesellschaftliche Gruppen laut Wolfgang Schmidbauer Fantasien der Benachteiligung aus. Sie fühlen sich bedroht, übervorteilt und in die Opferrolle gedrängt, wodurch sie ihr gutes Recht ableiten, sich durch den Einsatz von Gewalt zu wehren. Wolfgang Schmidbauer erklärt: „Die Schwelle, gewalttätig zu werden, wird dabei  durch eine dem Bewusstsein zugängliche Absicht, zu rauben und zu plündern, überschritten.“ Es ist sozusagen das Gefühl, bedroht und im Hintertreffen zu sein, das Aggressionen erzeugt.

Nur in der Werbung ist Genuss ohne Folgen möglich

Ein zentraler Mechanismus des Konsums spielt für Wolfgang Schmidbauer eine wesentliche Rolle, um die Schwelle für kollektive Regressionen zu senken. Die Menschen werden manipuliert, wodurch sich ihre Wahrnehmungen spalten. Die Werbung suggeriert, dass es Genuss ohne Folgen gibt, das perfekte Gute für jeden Menschen. Die Entscheidungen scheinen einfach zu sein. Wolfgang Schmidbauer erläutert: „Wir müssen zwischen dem Guten wählen, das uns zusteht, und das Böse bekämpfen, welches uns hindern will, es zu haben.“

Zur Dogmatik der Werbung gehört, dass die Menschen die Möglichkeit, aber auch die Aufgabe haben, eine reine, ungetrübte, uneingeschränkte Befriedigung zu finden. Diese Dogmatik wird laut Wolfgang Schmidbauer durch eine riesige Medienmacht im Dienst der Produktion von Konsumgütern verstärkt. Sie stellt praktisch den einzigen gesellschaftlichen Bereich dar, in dem noch ungebrochen von Fortschritten die Rede sein kann.

Von Hans Klumbies

 

 

 

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