Beleidigungen können tödliche Konflikte auslösen

Demütigungen und Beleidigungen sind oft die Auslöser für Gewalt und Mord, Krieg und Genozid. Menschen mit einem ausgeprägten Ehrgefühl reagieren besonders stark auf eine entwürdigende Situation. Dov Cohen geht davon aus, dass in den Südstaaten der USA eine Kultur der Ehre vorherrsche. Der Wissenschaftler sagt: „In Texas und den anderen Südstaaten setzt eine öffentliche Beleidigung die Reputation eines Mannes besonders stark herab. Dieser muss dann versuchen, seinen Ruf mit Gewalt wiederherzustellen.“

Die Verletzung der Ehre einer Nation kann zum Krieg führen

Der Drang zur Vergeltung gewinnt dann die Oberhand, wenn eine Demütigung besonders große Scham hervorruft und der Gesichtsverlust in einer sozialen Gruppe groß ist. Besonders ausgeprägt ist die Gefahr, wenn das Gefühl der Ehre auf eine ganze Nation übertragen wird. Dann entfalten Demütigungen und Beleidigungen ihr ganzes tödliches Potential. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war die Ehre der Nation vor allem in Deutschland in aller Munde. Etwa vor dem Ausbruch des deutsch-französischen Krieges von 1870/71. Die Nationen glaubten eine Ohrfeige vom Gegner erhalten zu haben und zogen deswegen in den Krieg.

Bücher können zur Kriegsbegeisterung beitragen

Der Schriftsteller Oswald Spengler schrieb 1918 in seinem Buch „Der Untergang des Abendlandes“ folgende Worte: „Eine Beleidigung hinnehmen, eine Niederlage vergessen, vor dem Feinde winseln – dass ist alles Zeichen wertlos und überflüssig gewordenen Lebens.“ Die Nationalsozialisten verbreiteten solches Gedankengut, um die Deutschen für den Zweiten Weltkrieg zu begeistern.

Von Hans Klumbies

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