Narzissten sind süchtig nach Bewunderung

Grandiosität und Anspruch stehen im Zentrum des narzisstischen Ichs. Mitja Back nennt Beispiele: „Es macht Spaß, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein“, „Ich möchte bewundert werden“ und „Ich strebe danach, von vielen Menschen erkannt zu werden.“ Das narzisstische Ich will also bewundert werden, bekannt sein, oben stehen. Es ist der tiefsitzende Wunsch nach sozialem Status, der Narzissten antreibt. Für sie gibt es nichts Belohnenderes als die soziale Droge der Bewunderung, aber auch nichts Bestrafenderes als sich diese vor der Nase wegschnappen zu lassen. Der Stadtplaner, Architekt und Autor Georg Franck bringt es auf den Punkt: „Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen.“ Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.

Das narzisstische Ich will immer neue Anerkennung

Das gilt für viele Menschen, aber Narzissten sind besonders süchtig danach. Es ist die Bewunderung der anderen, welche die gottgleiche Selbstsicht von Narzissten befriedigt. Dazu zählt Mitja Back beispielsweise das euphorische Schreien der Massen, das Gefeiert-Werden für die eigene Leistung, die anerkennenden Blicke im Familien- oder Freundeskreis und die vielen Twitter- und Instagram-Follower. In wissenschaftlichen Studien zeigt sich immer wieder, dass nicht nur Promis, sondern auch Allerwelts-Narzissten stark nach sozialer Bewunderung streben.

Narzisstische Persönlichkeiten sind also nicht einfach nur selbstverliebt. Sie wollen immer neue Anerkennung. Mitja Back erklärt: „Ovids Geschichte von Narcissus hinkt also etwas: In Wirklichkeit hätte sich der schöne Jüngling nicht einfach selbst genügt. Die Bewunderung durch Echo und die anderen Nymphen hätte ihn nicht kaltgelassen – er hätte sie genossen.“ Denn im Spiegel sehen Narzissten nicht nur sich selbst, sondern immer auch das Glänzen in den Augen der anderen.

Auch bei der Statusdroge muss die Dosis ständig erhöht werden

Das unterscheidet sie auch von Menschen, die nur einen hohen Selbstwert haben, also zufrieden mit sich sind und sich sozial aufgehoben fühlen. Das ist für Narzissten nicht genug. Sie wollen etwas Besonderes und besser als andere sein. Mitja Back ergänzt: „Das Maximum aus dem Leben herausholen. Auf einem sozialen Podest stehen. Und einmal oben angekommen, muss es weitergehen.“ Wie bei jeder Droge muss auch bei der Statusdroge die Dosis erhöht werden: „Ich werde nicht glücklich sein, bis ich so bekannt bin wie Gott“, sagte Madonna.

Entsprechend dreht sich auch im Alltag eines Narzissten alles um das Erreichen von sozialem Status. Solche Menschen suchen nach Situationen, in denen sie bewundert werden können. Sie wollen auf die Bühnen des Lebens. Narzissten beobachten in sozialen Situationen außerdem sehr aufmerksam, wie gut sie und andere ankommen. Mitja Back weiß: „Und sie denken dann darüber nach, wie sie ihren eigenen Status im Vergleich zu anderen erhöhen können.“ Quelle: „Ich! Die Kraft des Narzissmus“ von Mitja Back

Von Hans Klumbies

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