Narzisstische Menschen bombardieren ihren Auserwählten in der Anfangsphase ihrer Beziehung mit Liebe. Turid Müller erläutert: „Denn sie haben uns idealisiert. Uns nah zu sein wertet sie auf. Doch so, wie sie jetzt ihr übertriebenes positives Bild von sich auf uns projizieren, werden wir in den folgenden Phasen auch zur Leinwand, was sie an sich nicht sehen wollen. Und das ist dann weniger angenehm … aber davon ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nichts.“ Der Mensch, in den wir uns verliebt haben, scheint hingebungsvoll zuzuhören und will alles über uns verfahren. Es fühlt sich gut an – kann aber auch etwas überfordernd und einen Tick darüber sein. Die Aufmerksamkeit, die uns geschenkt wird, ist enorm. Turid Müller ist Diplom-Psychologin und ausgebildete Schauspielerin.
Narzissten
Diskussionen können ein Kampf sein
Auch verbal läuft das Spiel um den Status nicht immer gesittet ab. Diskussionen können ein Kampf sein. Mitja Back ergänzt: „Häufig ist gar nicht klar, was Wissen und was Meinung ist. Was die objektiv bessere Idee oder die zielführendere Lösung ist. Im Dschungel der Argumente orientieren wir und deswegen häufig an der Selbstsicherheit und Dominanz, mit der Menschen ihre Lösungsvorschläge vorbringen.“ Viele Menschen kennen Diskussionen in Gruppen, die sich immer mehr zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen zwei Egos zuspitzen. Die anderen Beteiligten verstummen und schauen etwas ungläubig zu. In diesen intellektuellen Schlachten geht es nicht mehr um das eigentliche Thema, sondern darum, die Diskussion zu „gewinnen“. Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.
Narzissten ziehen hohe Empathiewerte an
Wenn narzisstische Menschen merken, dass sie weniger Aufmerksamkeit bekommen, können sie ungehalten werden. Turid Müller fügt hinzu: „Dann greifen sie eventuell zu immer extremeren Mitteln, um dir eine starke Reaktion zu entlocken. Wenn du befürchten musst, dass der Mensch an deiner Seite durch Rückzug so verärgert wird, dass du in Gefahr gerätst, dann brauchts du vielleicht wasserdichte Vorwände oder eine dezente Rückzugs-Strategie, die keinen Verdacht erregt.“ Es ist auch möglich, dass man merkt, dass man sofort da raus muss. Dann holt man sich fachkundige Hilfe und bringt sich in Sicherheit. Hohe Empathie ist eine Eigenschaft, die viele Zielpersonen eines Narzissten auszeichnen. Dabei nützt es nichts, sich vorzuwerfen, das man sich so mies von einem Narzissten behandeln lässt. Turid Müller ist Diplom-Psychologin und ausgebildete Schauspielerin.
Narzissten sehnen sich nach Bewunderung
Narzissten zieht es auf die Bühnen des Lebens. Sie träumen von sozialem Status: Bekanntheit, Einfluss und Bewunderung. Mitja Back ergänzt: „Hierzu müssen sie andere Menschen erreichen. Menschen, die über das Ich reden, ihm folgen und es bewundern. Sie brauchen Spielfelder, auf denen sie ihr Ich ausleben können und auf denen sie von anderen gesehen werden.“ Sozialer Status ist allerdings eine begrenzte Ressource. Es können nicht alle gleichermaßen bekannt sein, weil man in seinem Alltag nicht unbegrenzt Zeit hat, Menschen kennenzulernen. Es können in den seltensten Fällen alle gleichzeitig das Sagen haben, weil man nicht in alle möglichen Richtungen gleichzeitig geleitet werden kann. Und es können nicht alle gleichzeitig bewundert werden, weil so der Glanz der Besonderheit wegfiele. Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.
Narzissten sind süchtig nach Bewunderung
Grandiosität und Anspruch stehen im Zentrum des narzisstischen Ichs. Mitja Back nennt Beispiele: „Es macht Spaß, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein“, „Ich möchte bewundert werden“ und „Ich strebe danach, von vielen Menschen erkannt zu werden.“ Das narzisstische Ich will also bewundert werden, bekannt sein, oben stehen. Es ist der tiefsitzende Wunsch nach sozialem Status, der Narzissten antreibt. Für sie gibt es nichts Belohnenderes als die soziale Droge der Bewunderung, aber auch nichts Bestrafenderes als sich diese vor der Nase wegschnappen zu lassen. Der Stadtplaner, Architekt und Autor Georg Franck bringt es auf den Punkt: „Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen.“ Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.