Das Seelenleben wird vom Sexualtrieb und vom Todestrieb dominiert

Sigmund Freud hat sich sogar über die Supervenienzbasis, also die neuronale Grundlage seines Modells der Psyche, Gedanken gemacht. In mehreren Skizzen des Hirns verortet er die Wahrnehmung im Bereich der Augen, wo die vorbewussten, also leicht zugänglichen Informationen ins Ich gelangen, das ebenfalls im präfrontalen Kortex angesiedelt ist. Philipp Hübl erklärt: „Im Hintergrund liegt das Es, das nicht klar vom Ich abgetrennt ist. Das Über-Ich lokalisiert Freud im Bereich des linken Schläfenlappens.“ Sigmund Freud wusste aus Forschungsergebnissen, dass die Sprachfähigkeit hinter der linken Schläfe angesiedelt ist. Man kann also daher vermuten, dass Sigmund Freud zwischen Über-Ich und der Sprachfähigkeit eine Verbindung sah, denn Normen und Verbote müssen sprachlich formuliert sein. Philipp Hübl ist Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart.

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Autorität funktioniert auf freiwilliger Unterwerfung

Autorität funktioniert aufgrund einer verinnerlichten Norm, daher auch die freiwillige Unterwerfung. Betrachtet eine Gruppe dieselbe Instanz als Autorität, herrscht innerhalb dieser Gruppe großes Vertrauen. Wenn Autorität wegfällt, kommt Misstrauen auf, und es breitet sich rasant eine krankhafte Regulierungswut aus. Paul Verhaeghe ergänzt: „Macht funktioniert über externe Kontrolle und Zwang, doch der ruft sofort Widerstand und Rebellion hervor. Jede Konfrontation mit Macht legt den Grundstein für eine weitere Konfrontation, es entsteht eine Aufwärtsspirale.“ Kontrollmechanismen und Zwangsmaßregeln müssen immer weiter ausgeweitet werden, denn das Ziel ist die totale Beherrschbarkeit. Das Ergebnis ist jedoch genau das Gegenteil. Will man alles beherrschbar machen, funktioniert überhaupt nichts mehr. Von den Folgen des schwindenden Patriarchats spürt man am meisten die hemmungslose, ungebremste Überregulierung. Paul Verhaeghe lehrt als klinischer Psychologe und Psychoanalytiker an der Universität Gent.

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Aktives Zuhören steigert den eigenen Sympathiewert

Bevor man etwas ablehnt oder verneint, sollte man genau wissen, was der andere wirklich von einem möchte. Die Voraussetzung dafür ist, dass man ihm richtig zuhört. Viele Menschen hören nur das, was sie hören wollen. Wegen der begrenzten Kapazität des menschlichen Gehirns ist die Wahrnehmung immer selektiv. Wenn man ein halbherziges Nein formuliert, hört der andere gerne ein Ja heraus, weil er dieses Ja hören möchte. Tanja Baum rät: „Der erste Schritt zum aktiven Zuhören ist daher, zu seinen eigenen Erwartungen und Sichtweisen bewusst auf Distanz zu gehen und sich ganz auf die Ansichten des Gesprächspartners einzulassen.“ Oft kommt es zu Missverständnissen, weil man die Worte des anderen völlig falsch aufgefasst hat. Tanja Baum, systemische Organisationsberaterin und Coach, gründete 1999 in Köln die Agentur für Freundlichkeit mit den Arbeitsschwerpunkten Beratung, Coaching, Training und Meditation.

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Ohne Subjektivität gibt es kein normales Bewusstsein

Die Subjektivität ist ein entscheidender Helfer des Bewusstseins. Ein Mensch kann nur deshalb alles beschreiben, was in seinem Geist abläuft, und umgangssprachlich sagen, es sei ihm bewusst, weil die Bilder, die seinen Geist bevölkern, automatisch zu seinen Bildern werden. Es entstehen dabei Bilder, denen er sich widmen und die er mit mehr oder weniger Anstrengung und Klarheit betrachten kann. Antonio Damasio ergänzt: „Ohne dass ich einen Finger rühren oder um Hilfe bitten müsste, weiß ich, dass die Bilder mir gehören, dem Besitzer meines Geistes und des Körpers, in dem mein Geist erzeugt wird.“ Wenn die Subjektivität verschwindet – wenn der rechtmäßige Eigentümer/das Subjekt nicht mehr automatisch Anspruch auf die Bilder im Geist erhebt –, funktioniert das Bewusstsein nicht mehr normal. Antonio Damasio ist Professor für Neurowissenschaften, Neurologie und Psychologie an der University of Southern California und Direktor des dortigen Brain and Creative Institute.

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Verletzlichkeit ist die Voraussetzung für Intimität

Scham ist universell. Und dennoch redet niemand gerne über sie. Aber je mehr ein Mensch sie fürchtet, desto stärker hindert sie ihn daran, mit sich selbst und anderen in Verbindung zu treten. Scham drückt sich in Gefühlen aus wie „Ich bin nicht gut genug“ oder „Wenn das schiefgeht, bin ich blamiert bis auf die Knochen“. Andreas Salcher ergänzt: „Scham hat mit unserer Verletzlichkeit zu tun. Die Bereitschaft, uns verletzbar zu machen, ist die Voraussetzung, um Intimität zulassen zu können.“ Nur ein verletzbarer Mensch kann ein empfindsamer und liebender Mensch sein. Menschen, die ein starkes Gefühl der Liebe und Zugehörigkeit haben, glauben, dass sie die Liebe und Zugehörigkeit wert sind. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Julia Shaw ist Expertin für moralische Blindheit

Geld verändert die Beziehung eines Menschen zur Moral. Julia Shaw erläutert: „Die bloße Existenz von Geld fungiert zusammen mit komplexen Geschäfts- und Vertriebswegen als Puffer zwischen uns und dem Ursprung unserer Produkte. Das kann dazu führen, dass wir uns zutiefst auf unethische Weise verhalten.“ Julia Shaw kann es beweisen. Sie nennt drei Dinge und der Leser muss entscheiden, ob er sie für böse hält. 1. Prostitution. 2. Kinderarbeit. 3. Tierquälerei. Und wie sieht es mit folgendem aus? 1. Pornografie. 2. Ramschware. 3. Massentierhaltung. In vielen Ländern, in denen die Prostitution illegal ist, ist die Pornografie es nicht. Julia Shaw vertritt die Meinung, dass dies ausgesprochen heuchlerisch ist. Julia Shaw forscht am University College London im Bereich der Rechtspsychologie, Erinnerung und Künstlicher Intelligenz.

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Die Bedeutung des Wortes „Charakter“ ändert sich

Die Leistungsgesellschaft setzt gewaltige Energien frei und klassifiziert Menschen nach ihrem Leistungsvermögen. Aber sie wirkt sich auch in subtiler Weise auf den Charakter, die Kultur und die Werte aus. David Brooks erläutert: „Ein stark konkurrenzorientiertes System auf Leistungsbasis ermuntert Menschen dazu, intensiv über sich selbst und die Kultivierung ihrer Fähigkeiten nachzudenken.“ Arbeit wird zum definierenden Merkmal eines Lebens. Insbesondere wenn man nach und nach aufgrund einer bestimmten Arbeit Einladungen zu exklusiven gesellschaftlichen Ereignissen erhält. Auf eine kaum merkliche, sanfte, aber alles durchdringende Weise flößt dieses System Menschen ein gewisses Nutzenkalkül ein. Das Leistungsdenken fördert auf subtile Weise ein instrumentelles Ethos, bei dem jedes gesellschaftliche Ereignis und jede Bekanntschaft zu einer Gelegenheit wird, seinen Status und seine beruflichen Aufstiegschancen zu verbessern. David Brooks arbeitet als Kommentator und Kolumnist bei der New York Times. Sein Buch „Das soziale Tier“ (2012) wurde ein internationaler Bestseller.

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Hans-Peter Nolting stellt Elemente einer guten Gesprächsführung vor

Zu einem konstruktiven Konfliktgespräch gehört, dass man einige Verhaltensweise beherzigt und einige andere vermeidet. Hans-Peter Nolting rät: „Zu vermeiden ist vor allem ein Hin und Her von gegenseitigen Schuldzuweisungen und eigenen Rechtfertigungen.“ Zwar ist es emotional verständlich, dass man nicht die eigenen Wünsche und Verhaltensweisen als Problem empfindet, sondern die des anderen, doch meist sieht der Kontrahent dies spiegelbildlich genauso. Daher verbessert sich die Ausgangsbasis für eine Verständigung erheblich, wenn man sich von der Sichtweise „Du bist das Problem“ löst und sie weitgehend durch die Ansicht „Wir haben ein Problem“ ersetzt. Was das konkrete Verhalten im Gespräch anbelangt so ist es hilfreich, vor allem zwei Leitlinien zu beherzigen. Dr. Hans-Peter Nolting beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Themenkreis Aggression und Gewalt, viele Jahre davon als Dozent für Psychologie an der Universität Göttingen.

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Irren ist menschlich

„Der gesunde Menschenverstand ist die am besten verteilte Sache auf der Welt“, heißt es bei René Descartes. Doch wie steht es mit der Dummheit? Alle Menschen stellen eben schnell einmal Unsinn an, der aber nicht gleich das Ende der Welt bedeutet. Jean-François Marmion weiß: „Irren ist nun einmal menschlich, und einen Fehler ehrlich zuzugeben ist schon die halbe Vergebung.“ Diese alltäglichen Torheiten wandeln eher auf leisen Sohlen einher. Aber unglücklicherweise hat man es oft mit dem lautstarken Getrampel erster Orndung zu tun. Dabei handelt es sich um selbstherrliche, ihre eigene Dummheit herausschreienden Dummköpfe. Diese Sorte Dummkopf ist ganz und gar nicht belanglos. Diese Menschen machen eine intelligente Person nur noch fassungslos. Jean-François Marmion ist Psychologe und Chefredakteur der Zeitschrift „Le Cercle Psy“.

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Howard Gardner fordert eine Schule des tiefen Verstehens

Der Harvard-Psychologe Daniel Goleman definiert die „Emotionale Intelligenz“ wie folgt: die eigenen Emotionen kennen, Emotionen beeinflussen, Emotionen in die Tat umsetzen, Empathie und Umgang mit Beziehungen. Andreas Salcher weiß: „Wer Erfolg im Leben haben will, muss dieses emotionale Alphabet beherrschen.“ Daniel Goleman macht klar, dass formale Ausbildung und ein entsprechender Intelligenzquotient notwendig sind, um einen bestimmten Job zu bekommen. Dann aber ist die Emotionale Intelligenz die wichtigste Voraussetzung dafür, um diesen Job auch erfolgreich erfüllen zu können. Je höher ein Mensch in einer Organisation aufsteigt, desto wichtiger wird der Faktor Emotionale Intelligenz. Deshalb haben mittlerweile sechs von sieben Bewertungskriterien, nach denen Firmen neue Mitarbeiter aussuchen, im weitesten Sinn mit Emotionaler Intelligenz zu tun. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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