Die Dummheit ist allgegenwärtig und kennt keine Grenzen

Jean-François Marmion hat in dem Band „Die Psychologie der Dummheit“ einige der namhaftesten Psychologen, Philosophen und Schriftstellern versammelt, um die Dummheit, einen grundlegenden Wesenszug des Menschen, zu analysieren. Zu den Autoren zählen unter anderen Antonio Damasio, Howard Gardner und Daniel Kahneman. In seinem Vorwort warnt Jean-François Marmion seine Leser, dass die Dummheit allgegenwärtig ist und weder Grenzen noch Schranken kennt. Sie übergießt alles und jeden mit ihrem Schmutz. Wenn der Herausgeber von der unerträglichen Schwerfälligkeit des Seins spricht, denkt er an Dummheiten, die man jeden Tag sieht, hört oder liest. Außerdem weiß Jean-François Marmion: „Zugleich begeht, denkt, erbrütet und verzapft ein jeder selbst auch immer wieder Dummheiten.“ Jeder hat schon irgendwann irgendwelchen Unsinn angestellt. Der entscheidende Punkt dabei ist, dass man sich bewusst macht, falsch gehandelt zu haben und das bedauert. Jean-François Marmion ist Psychologe und Chefredakteur der Zeitschrift „Le Cercle Psy“.

Die Weltsicht eines Dummkopfes ist relativ simpel

Der Psychologe Serge Ciccotti weist in seinem Beitrag darauf hin, dass die Dummheit im Großen und Ganzen wissenschaftlich ganz gut erforscht ist. Viele Menschen scheinen sich nur allzu gerne von der reinen Vernunft und von dem, was man realistisch erwarten darf, abzuwenden. Der Dümmste von allen ist jedoch immer derjenige, der die massivsten Abweichungen vom Durchschnitt aller Ergebnisse aufweist. Die Weltsicht eines Dummkopfes ist in der Regel relativ simpel.

Aaron James, Professor für Philosophie an der Universität von Kalifornien in Irvine, hat eine Theorie der Arschlöcher aufgestellt. Dabei handelt es sich um Männer – seltener um Frauen –, die sich im sozialen Leben bestimmte Vorrechte herausnehmen, weil sie gegen Vorwürfe immun sind. Dabei haben sie keinerlei Rechtfertigung für ihr Verhalten außer der, dass sie sich für reicher, schöner oder klüger halten als andere. Donald Trump ist für Aaron James ein Ober-Arschloch, ein Über-Arschloch. Darunter versteht er jemanden, der Respekt und Bewunderung einheimst, weil er die Kunst des Arschlochseins trotz enormer Konkurrenz perfektioniert hat.

„Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens“

Der Neuropsychologe Sebastian Dieguez zitiert Harry Frankfurt, demzufolge das Desinteresse an der Wahrheit ein wesentliches Merkmal der Dummheit ist. Im Gegensatz zum Lügner, der die Fakten immer noch im Auge haben muss, um sie zu verdrehen oder unter den Tisch zu kehren, sind sie einem Dummkopf schlicht egal. Er schwadroniert drauf los und posaunt aus, was ihm gerade durch den Kopf geht, wann immer es ihm gerade passt und ohne sich darum zu kümmern, ob wahr oder falsch ist, was er behauptet.

Für Stacey Callahan, Professorin für klinische Psychologie und Psychopathologie, ist Dummheit unvermeidlich, weil wir nun einmal alle Menschen sind: „Unsere Dummheiten sind unser eigenes Werk – ebenso wie unsere Reaktionen darauf.“ Für das Wort „Dummheit“ gibt es unzählige Synonyme: Dämlichkeit, Idiotie, Schwachsinn, Begriffsstutzigkeit, Einfalt … Das verbindende Element dabei ist der Irrtum. Ein treffliches Fazit lässt sich mit den Worten Friedrich Schillers ziehen: „Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.“

Die Psychologie der Dummheit
Jean-François Marmion (Hg.)
Verlag: Riva
Gebundene Ausgabe: 333 Seiten, Auflage: 2020
ISBN: 978-3-7423-1067-5, 24,99 Euro

Von Hans Klumbies

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