Viele Menschen leiden unter Angststörungen

Wenn Angst sich zu einer Krankheit entwickelt, spricht man in der Psychologie von einer Angststörung. Mit dieser Art von Erkrankung haben sehr viele Menschen mindestens einmal im Laufe ihres Lebens zu tun. Georg Pieper ergänzt: „Angststörungen zählen zu den am häufigsten auftretenden psychischen Erkrankungen.“ Rund jeder Sechste ist im Laufe eines Jahres von krankhafter Angst betroffen, ergab eine Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2013, darunter mehr Frauen als Männer. Wie man inzwischen weiß, sind Angststörungen jedoch gut behandelbar. Von Flugangst haben die meisten Menschen vermutlich schon etwas gehört. Dabei handelt es sich um eine sogenannte spezifische Phobie. Diese Phobien sind die am meisten verbreitete Angsterkrankung. Etwa jeder zehnte Mensch in Deutschland ist mindestens einmal im Leben davon betroffen. Dr. Georg Pieper arbeitet als Traumapsychologe und ist Experte für Krisenintervention.

Agoraphobie schränkt die Bewegungsfreiheit stark ein

Georg Pieper nennt weitere Beispiele: „Bei einer spezifischen Phobie hat man krankhafte Angst vor ganz bestimmten Objekten oder vor Situationen wie Donner, Spinnen, Spritzen, Dunkelheit oder Höhe.“ Die Zahl der möglichen Angstauslöser ist riesig, und viele der Ängste haben die Betroffenen, wie die Furcht vor bestimmten Tieren oder vor Höhe, von ihren „Urahnen“ geerbt. Vier Prozent der Deutschen haben mit einer Agoraphobie zu kämpfen. Sie haben Angst, das eigene Haus zu verlassen, Geschäfte oder Kinos zu betreten, sich an öffentlichen Plätzen aufzuhalten oder alleine in Zügen, Bussen oder Flugzeugen zu reisen.

Für sie sind alle Situationen angstauslösend, aus denen sie nur mit viel Aufwand oder gar nicht herauskommen und in denen man nur äußerst schwierig Hilfe von außen bekäme, sollte etwas passieren, wie zum Beispiel ein eher unwahrscheinlicher Herzinfarkt. Diese Phobie schränkt die Bewegungsfreiheit der Betroffenen stark ein – manche verlassen das Haus gar nicht mehr. Kritische, prüfende Blicke anderer Menschen oder peinliche Situationen sind niemandem angenehm. Für Menschen mit einer sozialen Phobie sind sie schlicht unerträglich.

Soziale Angststörungen werden in Zukunft zunehmen

Knapp drei Prozent der Deutschen haben krankhafte Angst davor, zum Beispiel bei einer Geburtstagsfeier oder einer Hochzeit eine Rede zu halten, bei einer Veranstaltung mit fremden Menschen zu sprechen oder in der Kantine mit den Kollegen gemeinsam zu essen. Georg Pieper denkt, dass die Psychologen in Zukunft zunehmend mit dieser Angststörung zu tun haben werden. Den Grund dafür sieht er im Handynutzungsverhalten. Die meisten Menschen schauen nur noch auf ihr Smartphone, anstatt auf ihr Gegenüber.

Das hält sie davon ab, sich auch einmal zu überwinden und jemanden anzusprechen oder ihm richtig in die Augen zu sehen. Vor allem Jugendliche lernen nicht mehr, die für dieses Alter typische soziale Unsicherheit zu überwinden. Wer rund um die Uhr von krankhaften Sorgen gequält wird, leidet an einer generalisierten Angststörung. Diese psychische Erkrankung attestieren die Forscher vom Robert-Koch-Institut 2,2 Prozent der Deutschen. Dabei beschränkt sich die Angst nicht auf eine bestimmte Situation. Es handelt sich dabei eher um eine grundsätzlich sorgenvolle Haltung. Quelle: „Die neuen Ängste“ von Georg Pieper

Von Hans Klumbies

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