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Thomas Szasz hält die Psychoanalyse für einen Mythos

Thomas Szasz betrachtete die Tätigkeit der Psychotherapeuten als verwandt zur Freundschaft, Ehe, religiöser Sitte, Werbung oder Unterricht und als verbale Form der Behandlung, die sich gravierend von jedem somatischen Eingriff eines Arztes unterschied. Der Psychotherapeut hat die Aufgabe, dem Patienten mit Worten bestimmte Werte und Überzeugungen zu vermitteln und negative Gewohnheiten zum Guten hin zu verändern. Da das ursprünglich das Betätigungsfeld der Philosophen und Theologen war, stellt Thomas Szasz die Frage, ob die Psychotherapie nicht in der Nähe der Rhetorik, Philosophie oder gar Demagogie anzusiedeln sei.

Die Psychotherapie ist eine Form der Beichte

Die moderne Psychotherapie hat laut Thomas Szasz die Beichte, den Ablasshandel, die Lossprechung der Sünden, verweltlicht. Thomas Szasz wies darauf hin, dass der Mensch seine Sünden nicht durch Beichten oder Geld bezahlen, sondern durch Selbstdisziplin, ehrliche Arbeit und gute Werke und Liebe abtragen kann. Thomas Szasz vertrat die These, dass Sigmund Freud mit der Psychoanalyse ein neues Religionssystem geschaffen hatte, aus dem sich folgerichtig unter anderem Alfred Adler und C.G. Jung abspalteten. Den Streit der verschiedenen Richtungen der Tiefenpsychologie fasste er als Glaubensstreit auf.

Der Patient behandelt sich im Endeffekt selbst

Er ging sogar soweit zu behaupten, die Psychoanalyse sei nichts weiter als eine Kartellgründung, die ein Monopol der seelenärztlichen Behandlung anstrebe. Außerdem kritisierte er Sigmund Freud als einen Menschen, der mit seiner Psychoanalyse Macht über die Seelen aller Menschen gewinnen wolle, den die Psychoanalyse erklärte, dass die ganze Menschheit ihr Patient sei. Thomas Szasz ist der Ansicht, dass die Psychotherapie nichts anderes tut, als nur reden.

Wenn es beim Patienten irgendwelche Veränderungen gibt, werden sie letztlich von diesem selbst herbeigeführt. Demnach könne man nicht behaupten, dass der Psychotherapeut behandelt oder ein Therapeut ist. Nach Thomas Szasz wäre es genauer den Patienten selbst als Behandelnden oder Therapeut zu betrachten, da sich dieser ja im Endeffekt selbst behandelt.

Kurzbiographie: Thomas Szasz

Der Ungar-Amerikaner Thomas Szasz wurde am 15. April 1920 geboren. Im Alter von 21 Jahren verließ er seine Heimat und wanderte in die USA aus. Dort studierte er zuerst Medizin in Cincinnati. Anschließend erhielt er eine internistische und psychiatrische Spezialausbildung in Boston und Chicago. Von 1951 bis 1956 war Szasz Lehranalytiker am Chicago-Institut. 1956 wurde er Professor für Psychiatrie an der State University of New York.

Zu einem der prominentesten Kritiker der offiziellen Psychoanalyse und Psychiatrie wurde Thomas Szasz 1961 durch sein Buch „Geisteskrankheit – ein moderner Mythos“. Zu seinen wichtigsten Publikationen zählen außerdem: „Die Fabrikation des Wahnsinns“ (1974), „Das Ritual der Drogen“ (1978), „Der Mythos der Psychotherapie“ (1979), „Schizophrenie – das heilige Symbol der Psychiatrie“ (1979) und „Theologie der Medizin“ (1980).

Von Hans Klumbies

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One Thought to “Thomas Szasz hält die Psychoanalyse für einen Mythos”

  1. Danke für die gute und verständliche Kurzzusammenfassung der Ansichten von Thomas Szasz zum „Mythos der Psychotherapie“.

    In der Liste wichtiger Publikationen fehlen m. E. Titel zur Frage der Selbsttötung bzw. „Suizid-Prävention“ durch Anwendung psychiatrischer Zwangsmaßnahmen. Hier sei „Fatal Freedom: The Ethics and Politics of Suicide“ und das gerade erschienene „Suicide Prohibition: The Shame of Medicine“ sehr empfohlen. (Beide Werke gibt es leider nicht auf Deutsch.)

    Eine kleine Sammlung übersetzter Essays von Thomas Szasz und eine ständig aktualisierte Publikationsliste findet sich unter http://www.szasz-texte.de.

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