Die Ehe und die Liebe scheinen ganz eng zusammenzugehören. Um ein Phänomen wie die Liebe wirklich zu erfassen, bedarf es laut Viktor Frankl mehr als einer psychoanalytischen Deutung – die Liebe muss einer phänomenologischen Analyse unterzogen werden. In ihrem Rahmen erweist sich die Liebe als ein anthropologisches Phänomen ersten Ranges. Die Liebe ist für Viktor Frankl einer der Aspekte dessen, was er als die Selbsttranszendenz der menschlichen Existenz bezeichnet.
Tod
Die Wollust ist ein überwältigendes Gefühl
Wenn das sexuelle Verlangen und die Wollust über einen Menschen hereinstürzen, siegen sie über die Vernunft und stürzen die Betroffenen ins Reich der Sinne. Zu den Emotionen, die in der Wollust enthalten sind, zählt Simon Blackburn unter anderen den Ekel und die Scham. Im Idealfall kann die Wollust einem Menschen die höchste Ekstase bescheren, die er erreichen kann. Der Verlust des Denkens geht einher mit der Entschädigung durch größte Lust. Die Begierde ist die Schattenseite der Liebe, die meist im Verborgenen zuhause ist.
Es gibt verschiedene Phänomene der Angst
Für Sören Kierkegaard war die Angst ein Symptom der inneren Zerrissenheit des Menschen. Allerdings wies der Schriftsteller darauf hin, dass nur ein Wesen, das frei ist, sich ängstigen kann. Martin Heidegger betonte die Vereinzelung des Menschen, der Angst hat: nur wer die starre Regel und Routine seines Kollektivs verlässt, erlebt sein eigentliches Selbstsein und seine Todesverfallenheit, woraufhin er, frei im Raum stehend, sich auf sein ureigenstes schuldig sein können einlassen kann. Die Schuld ist für Martin Heidegger ein Urphänomen des Daseins.
Rollo May untersucht die Sexualität und die Liebe
In seinem bedeutenden Werk „Love and Will“ (1969), das 1970 unter dem Titel „Der verdrängte Eros“ in Deutschland erschien, nimmt Rollo May im ersten Teil des Buchs das Verhältnis des modernen Menschen zur Sexualität und zur Liebe ganz genau unter die Lupe. Rollo May hob hervor, dass die Menschen am Rande oder schon inmitten eines sexuellen Chaos leben. Obwohl der Sexualtrieb befreit wurde, sind die Menschen durch ihre Freiheit nicht glücklicher geworden. Denn parallel zur Befreiung gab es eine Entwertung der Sexualität, die vielfach nur noch als Triebgeschehen und sexuelle Abreaktion angesehen wird.
Rollo May: "Humane Macht ist die Fähigkeit zur Liebe"
Rollo May unterscheidet fünf Schichten oder Phasen der Macht, die potentiell im Leben jedes Menschen vorhanden sind. An erster Stelle steht die Macht zu sein, das heißt in der Welt zu leben und zu existieren. Eine weitere Phase ist die Selbstbestätigung, bei der jeder Mensch sich als anerkannt und als für andere bedeutsam empfindet. Das Streben nach Sein, Selbstbestätigung und Selbstbehauptung kann in Selbst- und Fremddestruktion umschlagen, wenn der Mensch keinen Modus der Mitmenschlichkeit findet, in dem er seine Selbstachtung aufrechterhalten kann.
Jean Piaget erforscht die geheimnisvolle Welt der Kinder
Jean Piaget wollte herausfinden, warum ein Kind redet und mit wem und warum es so viele Fragen stellt. Sein Buch „Sprechen und Denken des Kindes“ schrieb er hauptsächlich für Lehrer. Jean Piaget glaubte, dass Kinder grundsätzlich anders denken als Erwachsene. Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Kindern und Erwachsenen entstehen seiner Ansicht nach deshalb, weil sie sich in der Art unterscheiden, sich selbst in ihrer Welt zu sehen. Jean Piaget führte seine Studien am Rousseau-Institut in Genf durch, wo er Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren beobachtete. Er erkannte, dass Kinder einen beträchtlichen Teil der Zeit nicht gezielt mit jemanden sprechen.
Die Triebe des Menschen sind weder schlecht noch böse
In seinem Buch „Wahrheit und Wirklichkeit. Entwurf einer Philosophie des Seelischen“ von 1929, entwirft Otto Rank eine philosophische Variante der Neo-Psychoanalyse. Im Zentrum seiner Überlegungen stehen der Wille und das Bewusstsein, wobei das Ich und nicht das Es im Vordergrund steht. Als Idealbild fungiert der Künstler, der sein Ich zum Ausdruck bringt, ohne die Zwänge der Gesellschaft zu missachten oder zu verleugnen. Der Mensch kommt zwar als triebhaftes Wesen zur Welt, wobei die Triebe für Otto Rank weder schlecht noch böse sind. Sie gehören zur Grundausstattung des Menschen, die sozialisiert und kultiviert werden müssen.
Karen Horney: "Eine Neurose verbirgt das wahre Ich"
Die Psychoanalytikerin Karen Horney stellte sich in einigen wesentlichen Punkten gegen die Lehre Sigmund Freuds. So lehnte sie die Theorie des „Penisneids“ strikt ab und sprach der Bedeutung der sexuellen Motivation generell weniger Bedeutung als Sigmund Freud zu. Außerdem wies sie nach, dass Frauen vor allem dann für Neurosen anfällig werden, wenn sie unrealistische gesellschaftliche Forderungen nicht erfüllen. Karen Horney verfolgte einen sehr demokratischen Ansatz, indem sie den Analyseprozess auch für Laien so verständlich machen wollte, dass eine Selbstanalyse der Menschen möglich werden sollte.
Sexualität bedeutet Intimität und Zuneigung
Bei der künstlichen Befruchtung erfolgt die Fortpflanzung komplett ohne Sexualität. Einige Zeitgenossen betrachten die Sexualität als reine Pflichtübung. Sie sprechen von der Pflicht der Frau, ihrem Gatten Kinder zu schenken und von der Pflicht des Mannes, Kinder zu zeugen. Laut Eric Berne sind diese Männer der Ansicht, dass sich die Frau seinen Wünschen unterwerfen muss und dafür im Gegenzug der Frau all das zu geben, auf was sie in ihrer Mädchenzeit verzichten musste. Aktuell geht es bei der Pflicht in der Sexualität auch darum, sich gegenseitig zum Orgasmus zu verhelfen.
Liebe ist der einzige Weg in das Licht des Glücks
Für Peter Lauster ist Liebe lebensnotwendig, denn fehlende Liebe macht krank und führt zum Tod. Ein kleines Kind, das ohne Liebe aufwächst, erkrankt am Hospitalismus, das heißt, es bekommt schwerste psychosomatische Schäden. Im schlimmsten Fall tritt der Tod ein. Ein erwachsener Mensch kann dagegen auf die Liebe seiner Mitmenschen verzichten, sofern er als Kleinkind keine psychosomatischen Schäden davongetragen hat. Der Erwachsene kann liebende Zuneigung entbehren, wenn er ein unabhängiger Mensch geworden ist, der sich selbst und seine Umwelt liebt. Für eine seelisch gesunde Person ist es nicht so wichtig, Gegenliebe zu erhalten. Viel entscheidender ist für sie, dass sie selbst lieben kann.