Rollo May stellt seine Menschenkunde vor und übt Kulturkritik

Rollo May führt folgende vier Befunde für eine umfassende Wissenschaft vom Menschen an. Der Mensch ist erstens die Sprache über andere Lebewesen herausgehoben und lebt in einer Welt selbst geschaffener Symbole und Zusammenhängen von Bedeutungen. Zweitens hat der Mensch die Fähigkeit zur Zeitbindung. Das heißt, er kann die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft stets zu einer übergreifenden Einheit zusammenfassen. Sein zeitlicher Horizont kann sich über die Ewigkeit erstrecken.

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Menschen verarbeiten Krankheiten auf unterschiedlichste Weise

Als erste Verarbeitungsform von Krankheiten nennt Erwin Ringel, ein österreichischer Arzt und Vertreter der Individualpsychologie,  die Regression. Er weist darauf hin, dass fast bei jedem Menschen die erste Reaktion auf eine Krankheit darin besteht, dass der Kranke in gewissem Sinne wieder zum kleinen Kind wird und sich verwöhnen lassen will. Viele Krankheiten sind nichts anderes als der Versuch, einer unerträglichen Konfliktsituation auszuweichen. Nach Erwin Ringel zerbrechen auch viele Menschen an ihrer Krankheit.  Viele alten Menschen sterben laut Erwin Ringel, zum Beispiel wenn sie von ihren Angehörigen in ein Altenheim abgeschoben werden, ohne dass man sagen könnte, woran sie gestorben sind. Vielleicht an gebrochenem Herzen. Sie verlieren jede Hoffnung, sie haben keine Zukunft.

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Die Menschen dürfen den Kunstwelten nicht zuviel Macht geben

Für die Wissenschaftsgläubigen ist die Welt das, was die Wissenschaft beschreibt. Für Menschen, die der Psychologie hörig ergeben sind, stellt sich ein gelungenes Leben so dar, wie es die psychologischen Ratgeber empfehlen. Personen, die nur den Medien vertrauen, halten für das eigentlich Wichtige nur noch das, was in der „Tagesschau“ berichtet wird. Die Akteure der Finanzwelt sehen den wahren Wert im Geldwert. Kein Mensch kann sich diesen Verlockungen völlig entziehen, denn jeder lebt unvermeidlich mit und in diesen Welten. Sie drängen machtvoll in das eigene kleine Leben. Der Psychiater, Psychotherapeut und Theologe Manfred Lütz schreibt: „Psychologisch erscheinen diese Welten wichtiger, wahrer und realer als unser zufälliges, persönliches, kurzes Leben von unserer Geburt bis zu unserm Tod.“ Doch seiner Meinung nach trügt dieser Eindruck.

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Karen Horneys Kritik am Ödipusdrama Sigmund Freuds

Karen Horney glaubt zwar, dass sexuelle Empfindungen zwischen Kind und Eltern vorkommen, aber nicht in dem Maße, wie Sigmund Freud sie beschreibt. Sofern das doch der Fall ist, handelt es sich um seelische Fehlentwicklungen. In der Regel provozieren die Eltern selbst die sexuelle Note im Gefühlsleben des Kindes durch übertriebene Zärtlichkeit und eigene verdrängte Wünsche nach Sexualität. Oft kommt es auch zur Rivalität zwischen den Eltern bezüglich der Liebe des Kindes. Das Kind spürt den elterlichen Konflikt und fühlt sich in der Regel zum stärker verwöhnenden Elternteil hingezogen. Die klassische Psychoanalyse macht ausgeprägte ödipale Verstrickungen für spätere Neurosen verantwortlich.

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Andreas Salcher fordert: „Übernehmt Verantwortung“

Nichts fürchtet der Mensch laut Andreas Salcher mehr als von den anderen ausgestoßen zu werden. Wenn eine Person vom vorgegebenen, sicheren Pfad auch nur ein bisschen abweicht, muss sie schon mit Kritik und Ablehnung durch seine Mitmenschen rechnen. Andreas Salcher konkretisiert: „Sogar Mutter Teresa wurde mit vielen Vorwürfen gegen ihre human.

Der Fanatiker findet in der Massenbewegung sein Heil

Eric Hoffer erklärt in seinem Buch „Der Fanatiker“ warum Massenbewegungen so mächtig werden können. Als einen der Gründe nennt der Autor den Enthusiasmus, den sie ausstrahlen. Mächtige politische Bewegungen zeichnen sich seiner Meinung nach immer durch eine religiöse Inbrunst aus. Die Französische Revolution beispielsweise eigentlich auch eine neue Religion, die die Dogmen und Rituale der Kirche durch ähnliche ersetzte, die nun vom Staat kamen. Dasselbe gilt für den Bolschewismus und den Nationalsozialismus. Eine entstehende Massenbewegung gewinnt und hält ihre Anhängerschaft nicht nur mit Ritualen und Versprechungen, sondern indem sie den Menschen eine Zuflucht bietet vor den Ängsten und der Bedeutungslosigkeit einer individuellen Existenz.

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Mörderische Abgründe gibt es in allen Menschen

Wie krank ist Anders Behring Breivik, der in Norwegen mutmaßlich 76 Menschen ermordet hat? Im Fall Breivik sprechen die akribische Planung und die Kühle der Durchführung gegen eine schwere psychische Erkrankung. Nahlah Saimeh, Ärztliche Direktorin des Zentrums für Forensische Psychiatrie in Lippstadt, ist davon überzeugt, dass eine Diagnose einer Psychopathie bei terroristischen Attentätern in der Regel falsch ist. Sie erklärt: „Häufig steht ein massives narzisstisches Selbstwertproblem dahinter, aber keine Persönlichkeitsstörung im krankheitswertigen Sinne. Massenmörder und Amokläufer sind häufig von einer großen inneren Leere geprägt.“

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Das langsame Sterben der Sängerin Amy Winehouse

Amy Winehouse litt an Drogen- und Alkoholsucht und wurde zudem von Depressionen gequält. Typisch für Borderline-Erkrankte ist laut Borwin Bandelow auch ein Gefühl der Leere und des Unwohlseins. Er erklärt: „Die Patienten versuchen mit einem Verhalten dagegen anzugehen, das wir „Sensation-seeking Behaviour“ nennen: Man macht riskante Dinge, fährt zum Beispiel sehr schnell Auto oder Motorrad.“ Die Betroffen wollen damit ihre innere Leere bekämpfen. Borderline-Patienten konsumieren häufig alle Drogen durcheinander, einschließlich Alkohol und Nikotin.

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Alexander Mitscherlich untersucht die Arten der Trauer

In ihrem Buch „Die Unfähigkeit zu trauern“ (1967) beschreiben Alexander und Margarete Mitscherlich kollektivpsychologische Probleme, die sie nach den Regeln der Psychoanalyse zu klären versuchen. In der neurotischen Trauer und in der psychotischen Melancholie scheint das zentrale Geschehen ein Verlust des Ichs zu sein, den der Patient durch seine Wahnvorstellungen und Verhaltensweisen zu bearbeiten sucht. Dadurch kommt es zu keiner kulturell wertvollen Trauerarbeit, sondern es bilden sich Tendenzen zur Selbstzerstörung heraus, in denen auch Feindseligkeit gegen die Umwelt mitschwingt. Alexander Mitscherlich übertrug diese Erkenntnisse auf die Kollektivpsyche. In Adolf Hitler hatte seiner Meinung nach die deutsche Nation ein geliebtes Führungsobjekt besessen und danach verloren.

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Melanie Klein entwickelt die Psychoanalyse des Kindes

Laut Melanie Klein ist die erste Objektbeziehung des Kindes die Mutterbrust, die den Mittelpunkt sämtlicher Emotionen des Babys bildet. Die Säuglinge idealisieren die Brust als Quelle von Liebe und Nahrung und fühlen sich von ihr bestraft, wenn ihr Verlangen danach nicht direkt befriedigt wird. Diese zwiespältigen Gefühle lösen zum ersten Mal im Leben Angst aus. Diesen Zwiespalt bezeichnet Klein als paranoid-schizoide Position.

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