Philipp Hübl stellt Metaphern der Liebe vor

Liebe ist als Gefühl mysteriös, unsichtbar und daher schwer zu fassen. Neben der Metapher „Liebe ist Krieg“ gibt es auch die andere „Liebe ist Kraft“. Verliebte spüren ein Knistern in der Luft, eine Elektrizität der Anziehung, vielleicht sogar eine Magie. Dann gibt es noch eine dritte Metapher: „Liebe ist eine Reise“: man kommt zusammen und geht dann miteinander. Philipp Hübl ergänzt: „Manche Paare bestreiten schwere Strecken gemeinsam, bis sich die Wege trennen.“ Besonders Hochzeitssprüche sprudeln aus diesem nie versiegenden Quell der Bildhaftigkeit: erste Schritte Seite an Seite, dann lange gemeinsame Reise, natürlich am besten ohne Abstecher. Bei der Kriegs-Metapher der Liebe geht es um das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit, was Biologen Balz nennen. Philipp Hübl ist Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart.

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Es gibt unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben

Manche Menschen sind flexibler als andere. Diese sind sich in höherem Maße der Tatsache bewusst, dass eine kleine Veränderung der eigenen Denkmuster auch noch im Erwachsenenalter die Perspektive erweitern kann. Das bereichert das Leben und macht es letztlich vielleicht sogar leichter. Judith Glück fügt hinzu: „Sie sind öfter bereit, etwas Neues auszuprobieren, und haben dadurch aus gelernt, dass es sehr unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben gibt.“ Diese Bereitschaft ist bis zu einem gewissen Grad angeboren. Menschen kommen bereits unterschiedlich ängstlich, mit einem mehr oder weniger ausgeprägten Bedürfnis nach Struktur und Sicherheit zur Welt. Ein gewisses Maß an Flexibilität kann aber auch noch im Laufe des Lebens erlernt werden. Manchmal wird man aber auch von Erfahrungen geradezu gezwungen, seine Perspektive zu verändern. Judith Glück ist seit 2007 Professorin für Entwicklungspsychologie an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

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Gefühle müssen glaubwürdig sein

Durch Liebe und Bewunderung kann man anderen Menschen bekunden, dass man ihnen zur Seite steht und für sie da ist. So kann man deren Verhalten einem selbst gegenüber positiv beeinflussen. Eyal Winter erklärt: „Gefühle müssen glaubwürdig sein. Zumindest in einem gewissen Maß, wenn sie uns dabei helfen sollen, glaubhafte Bindungen einzugehen.“ Manche Menschen können Emotionen überzeugend „schauspielern“. Doch statistisch kommt dies in der Allgemeinbevölkerung eher selten vor. Wenn alle Menschen ihre Emotionen vollkommen vortäuschen könnten, bestünde überhaupt nie ein Grund, ernsthaft auf die Gefühlsreaktionen anderer einzugehen. Es gäbe dann keinen evolutionären Vorteil für authentische emotionale Reaktionen. Nicht jede emotionale Reaktion, die ein Mensch zeigt, hat eine rationale Basis. Eyal Winter ist Professor für Ökonomie und Leiter des Zentrums für Rationalität an der Hebräischen Universität von Jerusalem.

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Blockierte Emotionen sind etwas ganz Normales

Sigmund Freud entdeckte, dass ein Gefühl aufkommen und dann verdrängt werden kann. Menschen äußern in einem solchen Fall ihre Emotion nicht, sie spüren sie nie und könnten es als blockiertes Gefühl bezeichnen. Verhindert, schwelend und unvollendet gleicht die Emotion einer Zündschnur, die im Geist immer weiter glimmt. Es ist eine nicht aufgelöste Dissonanz. David Gelernter erklärt: „Ein blockiertes oder verhindertes Gefühl findet immer einen Weg, sich Ausdruck zu verschaffen.“ Eine Emotion muss ablaufen wie eine körperliche Aktion. Die meisten Gefühle werden in dem Augenblick, in dem sie aufkommen oder unmittelbar danach vollendet. Ein wesentlicher Teil jedoch – wesentlich nicht wegen seiner Größe, sondern wegen seiner Bedeutung – wird nicht sofort vollendet. Manche Gefühle finden ihre Vollendung nie. David Gelernter ist Professor für Computerwissenschaften an der Yale University.

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Das größte Gefühl ist die Liebe

Dass Liebe etwas mit Gefühlen zu tun hat, wird so schnell niemand bestreiten. Vermutlich würden die allermeisten Menschen die Liebe schlechthin als Gefühl charakterisieren, als das Gefühl aller Gefühle. Peter Trawny fügt hinzu: „Daher ist Liebe nicht nur Gefühl, sondern das größte und schönste und intensivste aller Gefühle.“ Nun ist unbezweifelbar, dass schon die ersten kulturhistorischen Dokumente großer Liebesgeschichten vor allem das Unausweichliche dieses Gefühls beschreiben. Dabei wird vor allem seine zwingende Kraft und Gewalt hervorgehoben. Der Liebesgott Eros sei ein Tyrann. Das jedenfalls behauptet der Tragiker Euripides in einem seiner Stücke. Wer von Eros berührt wird, ist unrettbar verloren. Er muss seinem Gefühl folgen. Peter Trawny gründete 2012 das Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, das er seitdem leitet.

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Es herrscht eine tiefe Unsicherheit über das Gefühlsleben

Viele Menschen haben die Aufgabe, ihr Sexual- oder Liebesleben zu retten, zu gestalten und anzuleiten, den Psychologen übergeben. Die Vertreter dieser Zunft konnten ihre Klienten zwar mit durchaus bemerkenswertem Erfolg davon überzeugen, dass ihre sprachlichen und emotionalen Techniken ihnen womöglich ein besseres Leben ermöglichen. Doch Eva Illouz hat ihre Zweifel: „Für das aber, was unser Liebesleben kollektiv plagt, haben sie wenig bis gar kein Verständnis gezeigt.“ Was trotz aller psychologischer Beratung, Workshops und Selbsthilfebüchern vorherrscht, ist eine tiefe, bohrende Ungewissheit über das Gefühlsleben. Viele Menschen haben Probleme damit, ihre eigenen und die Gefühle anderer zu verstehen. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem sowie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne.

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Ohne Subjektivität gibt es kein normales Bewusstsein

Die Subjektivität ist ein entscheidender Helfer des Bewusstseins. Ein Mensch kann nur deshalb alles beschreiben, was in seinem Geist abläuft, und umgangssprachlich sagen, es sei ihm bewusst, weil die Bilder, die seinen Geist bevölkern, automatisch zu seinen Bildern werden. Es entstehen dabei Bilder, denen er sich widmen und die er mit mehr oder weniger Anstrengung und Klarheit betrachten kann. Antonio Damasio ergänzt: „Ohne dass ich einen Finger rühren oder um Hilfe bitten müsste, weiß ich, dass die Bilder mir gehören, dem Besitzer meines Geistes und des Körpers, in dem mein Geist erzeugt wird.“ Wenn die Subjektivität verschwindet – wenn der rechtmäßige Eigentümer/das Subjekt nicht mehr automatisch Anspruch auf die Bilder im Geist erhebt –, funktioniert das Bewusstsein nicht mehr normal. Antonio Damasio ist Professor für Neurowissenschaften, Neurologie und Psychologie an der University of Southern California und Direktor des dortigen Brain and Creative Institute.

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Selbstwirksamkeit stärkt die innere Freiheit

Das Schreiben ist nur ein Beispiel für das Prinzip der Selbstwirksamkeit, das gerade unter schwierigen Bedingungen so wichtig ist. Damit hat ein Mensch in einer Zwangssituation wenigstens einen Bereich gefunden, den er unter Kontrolle hat und in dem er sich selbst als wirksam erlebt. Ulrich Schnabel erläutert: „Denn die Erfahrung der Selbstwirksamkeit stärkt nicht nur die eigene Würde und die innere Freiheit, sondern geht auch mit einem Gefühl der Freude einher.“ Solche positiven Empfindungen sind die größten Gegenspieler von negativen Gefühlen wie Angst, Sorge und Verzweiflung. Deshalb spürt, wer sich als selbstwirksam erlebt, in diesem Moment keine Angst, sondern Zuversicht. Natürlich gibt es tausenderlei Möglichkeiten, dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit zu erfahren. Ulrich Schnabel ist seit über 25 Jahren Wissenschaftsredakteur bei der ZEIT.

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Alle Emotionen sind auf ein Objekt gerichtet

Martha Nussbaum vertritt die Auffassung, dass sämtliche Emotionen mit einem Denken oder Wahrnehmen verbunden sind, das intentional auf ein Objekt gerichtet ist – als Gegenstand, welchen die Person, die die Emotion wahrnimmt oder sich vorstellt. Zugleich sind sie mit einer wertenden Beurteilung dieses Objekts verbunden, die der jeweilige Akteur aus seiner eigenen Perspektive wahrnimmt. Dabei gibt er dem Objekt in Bezug auf seine Ziele und Zwecke eine Bedeutung. Martha Nussbaum nennt ein Beispiel: „Darum trauern wir nicht wegen jedem Todesfall auf der Welt, sondern nur wegen dem Tod der Menschen, die uns in unserem Leben wichtig erscheinen.“ Diese Beurteilung muss nicht mit fertigen Überzeugungen verbunden sein, auch wenn dies häufig der Fall ist. Martha Nussbaum ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Sie ist eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart.

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Es gibt einen Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl

Der amerikanische Forscher Paul Bloom, der an der Universität Yale forscht, hält eine Unterscheidung zwischen Empathie und Mitgefühl für fundamental. Zugleich meldet er in einer Welle der Begeisterung für Empathie seine Zweifel an. Ina Schmidt nennt ein Beispiel: „In einer Arzt-Patienten-Beziehung ist sie zwar in Teilen unerlässlich, aber sie braucht ebenso eine klare Grenze, gerade damit der Arzt auch auf der sachlichen Ebene handlungsfähig bleibt.“ Gibt es also ein Zuviel an Empathie? „Empathie blendet“, sagt Paul Bloom und weist darauf hin, dass sie auch eine zu starke gefühlsmäßige Reaktion hervorrufen kann, wie zum Beispiel den Wunsch nach Rache, wenn das Hineinversetzen in Opfer von Verbrechen zu viel Raum als Leitlinie für das eigene Handeln bekommt. Ina Schmidt gründete 2005 die „denkraeume“, eine Initiative, in der sie in Vorträgen, Workshops und Seminaren philosophische Themen und Begriffe für die heutige Lebenswelt verständlich macht.

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