Das größte Gefühl ist die Liebe

Dass Liebe etwas mit Gefühlen zu tun hat, wird so schnell niemand bestreiten. Vermutlich würden die allermeisten Menschen die Liebe schlechthin als Gefühl charakterisieren, als das Gefühl aller Gefühle. Peter Trawny fügt hinzu: „Daher ist Liebe nicht nur Gefühl, sondern das größte und schönste und intensivste aller Gefühle.“ Nun ist unbezweifelbar, dass schon die ersten kulturhistorischen Dokumente großer Liebesgeschichten vor allem das Unausweichliche dieses Gefühls beschreiben. Dabei wird vor allem seine zwingende Kraft und Gewalt hervorgehoben. Der Liebesgott Eros sei ein Tyrann. Das jedenfalls behauptet der Tragiker Euripides in einem seiner Stücke. Wer von Eros berührt wird, ist unrettbar verloren. Er muss seinem Gefühl folgen. Peter Trawny gründete 2012 das Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, das er seitdem leitet.

Mit der Liebe beginnt ein neues Leben

Das deutsche Wort „Gefühl“ stellt recht deutlich dar, um was es geht. Es gibt die fünf Sinne Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken, mit denen ein Mensch wahrnimmt, was in der Welt vorkommt. Das Präfix „Ge“ steht im Deutschen für die Versammlung einer Vielheit. Die Gesamtheit der Wahrnehmungen ist das Gefühl. Natürlich kann man auch von einem einzigen Tastgefühl sprechen. Wer aber die Liebe als Gefühl fasst, meint einen prekären, in sich bewegten und darum vielfachen Zustand.

Das Gefühl der Liebe überkommt einen Menschen in vielen Hinsichten. Nichts bleibt von ihm unberührt. Mit der Liebe beginnt ein neues Leben. Peter Trawny erläutert: „Für die Naturwissenschaft ist diese Gefühlsverstärkung ein Wink mit dem Zaunpfahl der Evolutionsgeschichte. Die Fortpflanzung nämlich braucht diesen Magnetismus.“ So fühle man sich von der oder dem am meisten angezogen, mit dem man sich am besten paaren kann. Biologen interpretieren vor allem die sekundären Geschlechtsmerkmale als Reise, die zur Anbahnung des Aktes der Fortpflanzung notwendig sind.

Dopamin euphorisiert und macht glücklich

Zuweilen werden die sich Paarenden von diesen Reizen sogar überrumpelt. Das Leben scheint ein übermächtiges Interesse daran zu haben, sich fortzusetzen. Inzwischen kann die Wissenschaft das sehr genau beschreiben. Im Großen und Ganzen sind beim Gefühl der Liebe vier Hormone beteiligt: Dopamin, Serotonin, Adrenalin und Oxytocin. Das Organ, das unter dem Konzert dieser Hormone am meisten leidet, das eigentliche Fühlorgan, ist nicht das Herz, sondern das Gehirn.

Die Produktion des Hormons Dopamin zum Beispiel steigert sich, wenn ein Mensch belohnt wird. Es euphorisiert, macht einen glücklich. Es geht einem ohne Wenn und Aber gut. Es ist also kein Wunder, dass es Liebessüchtige gibt, Menschen, die den Erfolg der Eroberung brauchen wie Alkohol. Andererseits führt ein hoher Gehalt an Dopamin im Gehirn einen geringeres an Serotonin mit sich. Das ist schlecht, denn Serotonin ist das eigentliche Glückshormon, wobei allerdings Glück hier eher in einem ausgeglichenen Fühlstatus bestehen soll. Quelle: „Philosophie der Liebe“ von Peter Trawny

Von Hans Klumbies

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