Der Dummkopf ist nur mit sich selbst zufrieden

Wie singt doch der französische Chansonnier George Brassens: „Der Plural bekommt dem Menschen nicht gut. Sobald ihrer mehr als vier sind, sind sie eine Bande von Dummköpfen. Gepriesen sei, wer keine sakrosankten Ideale hat und sich damit begnügt, seinen Nachbarn nicht allzu sehr auf die Nerven zu gehen!“ Leider lassen sich die Nachbarn diese Gelegenheit nicht immer nehmen. Doch damit, einem das Leben zu vermiesen, ist der penetrante Dummkopf noch nicht zufrieden. Jean-François Marmion erklärt: „Wirklich zufrieden ist er stets nur mit sich selbst, und zwar unerschütterlich, immun gegen jede Art zögerlicher Unsicherheit. Und absolut sicher, im Recht zu sein.“ Der Dummkopf nimmt seine Überzeugungen für in Stein gemeißelte Wahrheiten, während alles Wissen doch letztlich auf Sand gebaut ist. Jean-François Marmion ist Psychologe und Chefredakteur der Zeitschrift „Le Cercle Psy“.

Einen Dummkopf kann man niemand zur Vernunft bringen

Der Dummkopf weiß alles besser als jeder andere. Wer ihm widerspricht, ist seiner Verachtung und seinen Beleidigungen sicher. Die bittere Wahrheit ist: Jede Form legitimer geistiger Selbstverteidigung wird zu Fallgrube. Jean-François Marmion weiß: „Versuchen Sie den Dummkopf zur Vernunft zu bringen, dann sind sie verloren. Denn falls Sie es für Ihre Menschenpflicht halten, ihn zu bessern, meinen auch Sie zu wissen, wie er denken und sich verhalten müsste. Nämlich genauso wie sie. Und schon sind Sie selbst zum Dummkopf geworden.

Was noch schlimmer ist: Je mehr jemand versucht, einen Dummkopf zur Einsicht zu bewegen, desto mehr bestärkt er ihn in seiner Meinung. Nur allzu gern wird er sich in der Rolle des Verfolgten sehen, der unbequeme Dinge sagt und folglich Recht hat. Wer die Dummheit bekämpft, bestärkt sie nur. Je heftiger man gegen die Dunkelheit angeht, desto mehr frisst sie einen auf. Die Dummheit kann also nicht an Macht verlieren, sie nimmt sogar exponentiell zu.

Dummköpfe schlagen aufeinander ein

Ein Hauptmerkmal der heutigen Zeit ist, dass die Dummheit noch nie so augenfällig, hemmungslos, kollektiv und kategorisch war. Auch wenn man einräumt, dass sie ihren allgemeinen Höhepunkt noch nicht erreicht hat. Dies ist Grund genug, sich notgedrungen der Philosophie zuzuwenden, da es immer schwieriger wird, die Eitelkeit von allem und den Narzissmus von jedem, die Hohlheit von äußerem Anschein und pauschalem Urteil zu leugnen.

Während große Geister einander begegnen, schlagen Dummköpfe aufeinander ein. Deshalb sollte man sich bemühen, bei der Rolle des Zuschauers zu bleiben, statt die des Akteurs einzunehmen. Denn es ist ziemlich vermessen, zu denken, könne einem selbst weniger anhaben als den grölenden, verbitterten, trübsinnigen und aufgeregten Zeitgenossen. Sollte das aber unerwarteterweise zutreffen, welch ein Triumpf. Dennoch ist hier Bescheidenheit am Platz. Jean-François Marmion nennt den Grund: „Man würde es Ihnen nicht verzeihen, sich über das Getümmel zu erheben. […] Heulen Sie mit den Wölfen, blöken Sie mit den Schafen, aber wagen Sie nicht zu viele Alleingänge, sonst schlagen Ihnen Stürme der Entrüstung entgegen.“ Quelle: „Warnung an den Leser“ von Jean-François Marmion in Die Psychologie der Dummheit

Von Hans Klumbies

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