Dauerstress macht psychisch krank

„Viele von uns versetzt das Zusammenkommen der Krisen in Dauerstress“, sagt Professorin Judith Mangelsdorf. Sie ist Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie. „Es kommt zu einer langfristigen Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, die dafür sorgt, dass wir schlechter schlafen, dünnhäutiger werden. Außerdem leistet Dauerstress vielen psychischen Erkrankungen Vorschub.“ Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der seelischen Erkrankungen seit Anfang 2020 zugenommen hat. Die Weltgesundheitsorganisation verzeichnete einen Anstieg von Angsterkrankungen und Depressionen um 25 Prozent im ersten Jahr der Pandemie. Eine Überblicksstudie im Fachmagazin „Lancet“ zeigte, dass in Mitteleuropa etwa ein Drittel der Studienteilnehmer an einer psychischen Krankheit litt. „Das heißt aber auch, dass zwei Drittel gesund geblieben sind – und auch von den Neuerkrankten erholten sich einige rasch wieder“, betont Michèle Wessa, Professorin für Klinische Psychologie und Neuropsychologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

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Der Botenstoff Dopamin sorgt für Motivation

Viele Menschen wollen etwas bewirken, aktiv und eigenständig selbst etwas schaffen. Hans-Otto Thomashoff erklärt: „Auch dieses Grundbedürfnis verdanken wir der Arbeitsweise unseres Gehirns, und zwar seinen Motivations- und Belohnungssystem. Dieses neurobiologische System setzt spezielle Botenstoffe frei, die und dazu antreiben, eigenständig ein Ziel zu erreichen.“ Wohlgemerkt eigenständig, also aus eigener Kraft. Dazu zündet es in zwei Stufen. Am Anfang steht zur Motivation der Botenstoff Dopamin, der die Neugier und Aufmerksamkeit eines Menschen weckt und ihn anstachelt, ein angestrebtes Ziel zu erreichen. Dabei ist es völlig unerheblich, um was für ein Ziel es sich handelt – ein leckeres Stück Kuchen, ein neues Handy, ein Marathonlauf, ein Wahlsieg, Sex, Alkohol, Kokain. Hans-Otto Thomashoff ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse in eigener Praxis in Wien.

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Selbstwirksamkeit stärkt die innere Freiheit

Das Schreiben ist nur ein Beispiel für das Prinzip der Selbstwirksamkeit, das gerade unter schwierigen Bedingungen so wichtig ist. Damit hat ein Mensch in einer Zwangssituation wenigstens einen Bereich gefunden, den er unter Kontrolle hat und in dem er sich selbst als wirksam erlebt. Ulrich Schnabel erläutert: „Denn die Erfahrung der Selbstwirksamkeit stärkt nicht nur die eigene Würde und die innere Freiheit, sondern geht auch mit einem Gefühl der Freude einher.“ Solche positiven Empfindungen sind die größten Gegenspieler von negativen Gefühlen wie Angst, Sorge und Verzweiflung. Deshalb spürt, wer sich als selbstwirksam erlebt, in diesem Moment keine Angst, sondern Zuversicht. Natürlich gibt es tausenderlei Möglichkeiten, dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit zu erfahren. Ulrich Schnabel ist seit über 25 Jahren Wissenschaftsredakteur bei der ZEIT.

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