Die Masse gibt das „mehr“ vor

Seit dem Wirtschaftsaufschwung in den 1950er-Jahren geht es der deutschen Bevölkerung immer besser. Aktuell verfügen die Deutschen über einen noch nie dagewesenen Wohlstand. Für die durchschnittlichen Eltern ist heute immer „mehr“ möglich. Rüdiger Maas nennt Beispiele: „Mehr Materielles, mehr Liebe, mehr Fürsorge, mehr Elternsein, mehr Förderung, mehr Wohlstand, mehr Liberalität, mehr Mitsprache, mehr Behütung, mehr Gesundheit.“ Neu für die Elterngeneration ist, dass das, was mehr sein soll, durch die Masse vorgegeben wird. Doch ist dieses Mehr der Masse zu erreichen? Ist das nicht ein Kampf gegen Windmühlen? Ja, das ist es – wie das „Easterlin-Paradox“ oder auch Zufriedenheits-Einkommen-Paradox lehrt. Bis zu einer bestimmten Einkommenshöhe steigt die Zufriedenheit mit zunehmendem Einkommen an. Ab einem gewissen Punkt allerdings lässt sich durch mehr Einkommen die Zufriedenheit nicht weiter steigern. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.

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Viele Eltern bedrohen und mobben Lehrer

Viele Lehrer Klagen über Eltern, die sogar Drohungen oder Mobbing einsetzen, wenn ihnen die Benotung ihrer Kinder nicht passt. Freia Peters stellt fest: „Ob im Lehrerzimmer, auf Zeugniskonferenzen oder im Gespräch mit Freunden: Wenn Lehrer erzählen, dauert es nicht lange, bis das Gespräch auf eines der zunehmenden Übel ihres Berufes kommt: anstrengende Eltern, die sich überall einmischen.“ Diese betrachten die Schule ihrer Kinder als pädagogischen Servicebetrieb, der zu liefern habe, allem voran gute Noten. Der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, prägte vor 15 Jahren den Begriff der Helikopter-Eltern, die ständig um ihren Nachwuchs kreisen. Mittlerweile hat sich die Definition verfeinert: Kampfhubschrauber gibt es, die beim kleinsten Hindernis ihre Gefechtsrohre ausfahren. Und Rasenmäher-Eltern, die alle Unebenheiten im Lebensweg ihrer Kinder beseitigen, um sie vermeintlich zum Erfolg zu führen.

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Pubertät ist für Eltern anstrengend

Die Pubertät beginnt früher als viele denken, schon mit zehn Jahren flackert sie immer mal auf. Cornelia Karin Hendrich fügt hinzu: „Es folgen in den nächsten Jahren endlose Diskussionen über dieses und jenes, wütendes Ausrasten aus dem Nichts und ständige Kritik an den Eltern.“ Pubertät ist für Eltern anstrengend. Sie werden „from Hero to zero“, sagt der Diplompädagoge Matthias Jung. Typische sind für einen Teenager Stimmungsschwankungen. Scheinbar aus dem Nichts schreien sie die Eltern an und beleidigen sie. Und die Kinder wissen oft genau, welche Knöpfe sie drücken müssen, um zu verletzen. Aber es gibt Möglichkeiten, mit der Pubertät umzugehen, ohne das Kind am liebsten abgeben zu wollen. Der Diplompädagoge Matthias Jung hat mehrere Bücher zum Thema Pubertät geschrieben.

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Geschwister kleben regelrecht zusammen

Geschwister kann man sich nicht aussuchen. Man wird einfach hineingeboren in diese Beziehungen und bleibt für immer große Schwester oder kleiner Bruder. „In der Regel ist die Geschwisterbeziehung die längste, die wir im Leben haben“, sagt Psychologin und Psychotherapeutin Carola Hoffmann. „Sie ist länger als alle Freundes- und Liebesbeziehungen und länger als die Beziehung zu den Eltern.“ „Geschwister sind wie Gummibärchen“, titeln die Autorinnen Ursi Breidenbach und Heike Abidi. „Das Geschwister regelrecht zusammenkleben, habe ich mit meinen Schwestern erlebt und erlebe es jetzt auch bei meinen Söhnen“, so Ursi Breidenbach. „Aber man hat sie auch manchmal über“, sagt sie und zieht damit eine weitere Gummibärchen-Parallele. „Gerade in der Pubertät, wo man sich nicht nur von den Eltern, sondern sich auch von den Geschwistern ablösen muss.“

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Niemand gibt Entfremdung in der Familie zu

Entfremdung in Familien ist ein Tabu. Niemand gibt gern zu, sein Kind nicht zu verstehen und nicht mit ihm klarkommt – und das Kind nicht mit ihm. „Das rührt an unsere Angst vor Isolation und Ablehnung“, sagt Psychiater Oliver Dierssen. Viele Menschen reden immer von einer bedingungslosen Liebe zwischen Eltern und Kindern. Entspricht das der Beobachtung von Oliver Dierssen? „Alle Menschen haben das Bedürfnis nach bedingungsloser Liebe, auch die meisten Familien, die bei uns Rat suchen. Das sind Eltern, die oft mit sehr großer Verzweiflung um die Beziehung zu ihren Kindern kämpfen“, betont Oliver Dierssen. Diese Beziehungen sind belastet, mit immer wiederkehrenden Konflikten und Entfremdung – das Gegenteil von bedingungsloser Liebe. Der Kinder- und Jugendpsychiater Oliver Dierssen betreibt eine Praxis in Gehrden, einer Kleinstadt bei Hannover.

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Der Wettbewerb beginnt im Kindergarten

Es sind nur teilweise die Eltern, die extrem hohe Anforderungen an ihren Nachwuchs stellen. In ihrem neuen Buch „Angepasst, strebsam, unglücklich – die Folgen der Hochleistungsgesellschaft für unsere Kinder“ kritisiert die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm das Bildungssystem. Ihrer Meinung nach wird heutzutage zu viel von den Kindern verlangt: „Die Akademisierung des Bildungssystems führt dazu, dass zunehmend höhere Abschlüsse vorausgesetzt werden. Eltern spürten das und verlangen ihren Kindern deshalb mehr ab.“ Die Kleinen merken wiederum, wenn die Eltern nicht zufrieden mit ihnen sind. Dafür sprechen auch die Zahlen: Viele Kinder haben psychische Probleme und leiden unter dem Leistungsdruck. Das beginnt schon früh, selbst im Kindergarten. Bereits in der Frühförderung herrscht ein Wettbewerb unter Eltern, welches Kind am besten ist. Margrit Stamm ist Professorin für pädagogische Psychologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Freiburg (Schweiz).

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Eltern können nicht perfekt sein

Eltern können, auch wenn sie ihr Kind über alles lieben, nicht perfekt sein. Joachim Bauer erklärt: „Alle Eltern kommen, ebenso wie andere Betreuende, irgendwann an ihre Grenzen, müssen dem Kind auch selbst Grenzen setzen und machen gelegentlich „Fehler“. Nicht nur Eltern können nicht perfekt sein, auch die Welt, in die unsere Kinder hineingeboren werden, ist eine mit vielen Mängeln, die sich immer noch auf die Situation von Kindern auswirken und ihnen zahlreiche Frustrationen oder Verletzungen zumuten.“ Einem Kind wohlüberlegt – nicht aus Lust an der eigenen Macht – Grenzen zu setzen, ist kein Trauma, auch wenn dies beim Kind zu Ärger, zu einer Rebellion oder zum Weinen führen sollte. Wichtig ist, dem Kind das eigene Vorgehen zu erklären. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

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Der Hype um das eigene Kind ist gewaltig

Ein gebetsmühlenartiger Satz werdender Großeltern lautet: „Eine Geburt ist das Natürlichste der Welt.“ Viele werdende Mütter verlieren in ihrer Orientierungslosigkeit jedoch das Vertrauen in ihre Eltern und orientieren sich noch stärker an dem, was sie im Internet recherchieren. Manche Eltern entscheiden sich schließlich für eine private Klinik, in der das Kind das Licht der Welt erblicken soll. Rüdiger Maas erklärt: „Es muss einfach alles perfekt sein, schließlich soll die Geburt das schönste Ereignis in ihrem Leben werden. Schöner als der erste Kuss, die Abiturfeier oder der 1000. Follower auf Instagram.“ Die Atmosphäre und die Ausstattung der privaten Klinik sind einfach freundlicher. In seiner Studie berichte Rüdiger Maas einige Paare, dass sie die Geburtsstätte danach auswählen, ob sie Instagram tauglich ist. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.

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Die digitale Welt reicht bis ins Kinderzimmer

Die digitale Welt reicht bei einem großen Teil des Nachwuchses längst bis ins Kinderzimmer hinein: Tablet, Kinder-Social-Media-Kanäle. Rüdiger Maas stellt fest: „Für heutige Kleinkinder scheint vieles möglich, wovon früher Generationen geträumt haben. Als Eltern beschleich uns immer wieder das schlechte Gewissen: Was bedeutet die technische Welt für unsere Kinder wirklich?“ Eltern wollen ihre Kinder in der Regel so gut wie möglich erziehen. Das ist kein digitales Phänomen, nur ein menschliches. Anders ist jedoch der Wohlstand: Die Kinder wachsen in Deutschland in einem noh nie da gewesenen Reichtum auf. Es gab bis heute keine vergleichbare Generation, die durchschnittlich über ein solches Maß an Gütern und Möglichkeiten verfügte. Grund zur Freude? Leider nein. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.

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Eltern müssen den Kindern die Welt zeigen

Im öffentlichen Schulsystem wird in der Regel sehr nachlässig mit den Talenten der Kinder umgegangen. Deshalb versuchen viele Eltern, selbst Verantwortung zu übernehmen. Andreas Salcher betont: „Das kann durchaus etwas Positives und sogar Notwendiges sein.“ Nun, hoffentlich mit der nötigen Vorsicht gegenüber zu viel Ehrgeiz der Frühförderung den eigenen Kindern gegenüber gewappnet, möchte Andreas Salcher auch die Gegenposition von Alice Mille darstellen. „Um uns in der Welt schrittweise einzuquartieren, sind wir darauf angewiesen, dass man sie uns zeigt,“ schreibt Donata Elschenbroich in ihrem Bestseller „Weltwissen der Siebenjährigen“. Die Autorin stellt die Frage: Was sollen Eltern ihren Kindern in den ersten Lebensjahren vermitteln, womit sollen sie in Berührung kommen? Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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