Die Verfeinerung der Liebe erfordert viel Zeit

In einem von Herzen kommenden Brief teilt der deutsche Dichter Reiner Maria Rilke seinem Freund Friedrich seine jüngste Schlussfolgerung über die Funktionsweise der Liebe mit: „Da habe ich immer und immer wieder erfahren, dass es kaum etwas Schwereres gibt, als sich lieb haben. Dass das Arbeit ist, Tagelohn, Friedrich, Tagelohn. Weiß Gott, es gibt kein anderes Wort dafür.“ Der Hirnforscher und Neurowissenschaftler Giovanni Frazzetto ergänzt: „Vertraulichkeit ist kein unabänderliches Talent, sondern eher eine Reise. Wie andere Fertigkeiten vervollkommnet sie sich durch Versuch und Irrtum. Intimität und Nähe bedeuten das Aufführen, Proben und Verfeinern verschiedener Arten der Verbindung.“ Jedes Mal, wenn man anfängt, eine Beziehung aufzubauen, hat man eine Chance, zu lernen, wie Intimität funktioniert. Das gilt sowohl kurz- als auch langfristig. Ob die Verbindung ein paar Monate, Jahrzehnte oder ein Leben lang hält, die Verfeinerung erfordert Zeit.

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In jeder Ehe gibt es Beziehungstänze

Jedes Paar entwickelt Beziehungstänze. Im Laufe der Jahre können sich Interaktionen, die einst frisch und sogar überraschend waren, durch Wiederholung abnutzen. Shirley P. Glass stellt fest: „Sogar die Kinder können mit einiger Genauigkeit voraussagen, was Mama und Papa sagen und tun werden.“ Der Vorteil feststehender Handlungsschema liegt in ihrer Vertrautheit. Der Nachteil ist, dass die Abläufe unflexibel und unnachgiebig werden können. In einer bereichernden Beziehung nehmen gegensätzlich Eigenschaften, die vielleicht Teil der anfänglichen Anziehung waren, in dem Maß ab, in dem die Partner sich ähnlicher werden. In einer sich verschlechternden Beziehung werden die Unterschiede zwischen den Partnern extremer. Zudem beschleunigen sich negative Kreisläufe. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.

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Vor allem Männer neigen zur Bindungsangst

Einige Wissenschaftler vertreten die These, dass es zwei große Umbrüche im heterosexuellen Beziehungsverhalten der letzten vier Millionen Jahre gegeben hat. Der erste passierte vor 10.000 bis 15.000 Jahren mit der landwirtschaftlichen Revolution. Als die Menschen weniger herumzuziehen begannen und sesshafter wurden, führte das zu Heiratsverbindungen im Stil kultureller Verträge. Der zweite große Umbruch ist mit dem Aufstieg des Internets verbunden. Junge Menschen in New York und anderen Metropolen stürzen sich über das Internet entfesselt in unverbindliche Beziehungen, entbunden von der Angst, mit einer direkten Absage abgewatscht zu werden. Wie zum Beispiel beim Anbaggern im Club oder sonst wo, auch noch in aller Öffentlichkeit. Maximilian Probst ergänzt: „Der Kommunikationsprozess ist ja auch so unendlich einfach, manche würden sagen: verflacht.“ Der Journalist Maximilian Probst schreibt seit 2011 vorwiegend für die Wochenzeitung die „Zeit“.

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Ein Vertrauensbruch wirkt lange nach

Posttraumatische Reaktionen können über Tage, Monate und sogar Jahre andauern. Obwohl nicht alle Traumata gleich sind, sind doch die traumatischen Symptome erkennbar gleich. Traumatisierte Partner, die sich von einem unvorstellbaren Betrug durch einen geliebten Menschen erholen, weisen das obsessive Bedürfnis auf, die Geschichte mit all ihren Details zu hören. Shirley P. Glass erklärt: „Ihre übermäßige Wachsamkeit bei der Beobachtung ihrer Umwelt und ihres Partners entsteht durch die realistische Angst davor, nochmals verwundet zu werden.“ Flashbacks werden durch minimale Reize ausgelöst, die wie ein Echo den Moment der persönlichen Vernichtung wiederholen. Bewältigungsstrategien müssen einerseits diese Symptome überprüfen und andererseits Methoden bieten, sie in Grenzen zu halten und damit umzugehen. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.

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Der Mensch ist ein Beziehungswesen

Wer verliebt ist, der spürt und sieht etwas im anderen. Da ist etwas, was ihn permanent anzieht und die Nähe des anderen suchen lässt. Werner Bartens erklärt: „Es muss nicht unbedingt die komplette Ähnlichkeit der Charaktere sein, man muss sich vom anderen auch nicht in allen Lebenslagen verstanden fühlen und die gleichen Interessen haben. Und trotzdem ist da dieser Wunsch, sich permanent zu sehen, sich zu berühren und dem anderen nahe zu sein.“ Die Bindung ist da, sie ist innig – und sie funktioniert oftmals auch ohne Worte. Immer wieder entstehen Liebesverhältnisse zwischen Menschen, die kaum die Sprache des anderen sprechen. Das funktioniert auch deshalb, weil sich Verliebte in kurzer Zeit körperlich stark angleichen. Werner Bartens ist Autor von Bestsellern wie „Das Ärztehasser-Buch“, „Körperglück“ und „Was Paare zusammenhält“.

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Es herrscht eine tiefe Unsicherheit über das Gefühlsleben

Viele Menschen haben die Aufgabe, ihr Sexual- oder Liebesleben zu retten, zu gestalten und anzuleiten, den Psychologen übergeben. Die Vertreter dieser Zunft konnten ihre Klienten zwar mit durchaus bemerkenswertem Erfolg davon überzeugen, dass ihre sprachlichen und emotionalen Techniken ihnen womöglich ein besseres Leben ermöglichen. Doch Eva Illouz hat ihre Zweifel: „Für das aber, was unser Liebesleben kollektiv plagt, haben sie wenig bis gar kein Verständnis gezeigt.“ Was trotz aller psychologischer Beratung, Workshops und Selbsthilfebüchern vorherrscht, ist eine tiefe, bohrende Ungewissheit über das Gefühlsleben. Viele Menschen haben Probleme damit, ihre eigenen und die Gefühle anderer zu verstehen. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem sowie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne.

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Der Mensch ist ein Beziehungswesen

Wer verliebt ist, der spürt und sieht etwas im anderen. Da ist etwas, was ihn permanent anzieht und die Nähe des anderen suchen lässt. Werner Bartens erklärt: „Es muss nicht unbedingt die komplette Ähnlichkeit der Charaktere sein, man muss sich vom anderen auch nicht in allen Lebenslagen verstanden fühlen und die gleichen Interessen haben. Und trotzdem ist da dieser Wunsch, sich permanent zu sehen, sich zu berühren und dem anderen nahe zu sein.“ Die Bindung ist da, sie ist innig – und sie funktioniert oftmals auch ohne Worte. Immer wieder entstehen Liebesverhältnisse zwischen Menschen, die kaum die Sprache des anderen sprechen. Das funktioniert auch deshalb, weil sich Verliebte in kurzer Zeit körperlich stark angleichen. Werner Bartens ist Autor von Bestsellern wie „Das Ärztehasser-Buch“, „Körperglück“ und „Was Paare zusammenhält“.

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Die Präsentation des wirklichen Ichs macht sehr verletzlich

Die meisten Menschen haben sich schon immer für die Welt um sich herum herausgeputzt, ihre besten Seiten herausgekehrt und ihre Fehler, so gut es ging, versteckt oder getarnt. Und so machen sie es auch heute noch in hohem Maß. John Bargh erläutert: „Jeder, der schon einmal auf Facebook, Instagram oder einem anderen sozialen Medium war, weiß, dass die Leute viel Zeit und Sorgfalt darauf verwenden, Upgrade-Versionen ihrer selbst zu präsentieren, das Bild eines Lebens zu zeichnen, das perfekter erscheint, als es tatsächlich ist.“ Manchmal sind diese „Personen“ rein fiktiv, wie etwa beim sogenannten Catfishing. Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University, wo er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory leitet.

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Beziehungen können als die Hölle erlebt werden

Die positiven gesundheitlichen Auswirkungen der Sozialkontakte eines Menschen decken nicht das gesamte Spektrum des täglichen Miteinanders ab – und dies gilt insbesondere für Paarbeziehungen. Manfred Spitzer erläutert: „Wissenschaftliche Studien zeigen immer wieder, dass Alleinsein der „Killer Nr. 1“ ist und dass verheiratete Menschen länger leben als unverheiratete, aber ganz so einfach, wie es scheint, ist die Sache nicht.“ Der positive Effekt einer langfristigen Paarbeziehung oder Ehe muss beispielsweise nicht in der guten Partnerschaft begründet liegen, es könnte sich auch um einen Selektionseffekt handeln: Gesündere Menschen heiraten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als Kranke, und allein deswegen können verheiratete Menschen gesünder sein. Es könnte zudem auch sein, dass verheiratete Menschen über mehr Ressourcen verfügen, denn im Vergleich zum Singledasein hat die Ehe ökonomische, psychosoziale und gesellschaftliche Vorteile. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen.

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Der Mensch erlebt Vertrautheit durch Bindung

Als „animale sociale“, als soziales Tier, ist dem Menschen von Geburt an das Bedürfnis nach Beziehung eingeschrieben. Christian Schüle erklärt: „Die sogenannte „attachment“-Theorie der Entwicklungspsychologie macht in der Bindung des Kindes an die Mutter die basale Identitätserfahrung eines Menschen aus – Sicherheit und Kontinuität des Ur-Vertrauens in den guten Gang der Dinge.“ Gemäß der Bindungstheorie des Psychoanalytikers und Arztes John Bowlby wird in der frühkindlichen Sozialisation mit dem Selbstbild ein spezifischer Bindungsstil generiert, der auch das spezifische Glaubensmuster prägt. Kinder übernehmen die Bewertungsmuster der Eltern. Jeder Mensch strebt nach einem positiven Selbstbild. Kein System funktioniert ohne Vertrauen. Das System ist eine Art objektive Wahrheit, und keine Wahrheit funktioniert ohne Glauben an ihre Tatsächlichkeit. Seit dem Sommersemester 2015 lehrt er Kulturwissenschaft an der Universität der Künste in Berlin.

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