Jeder Mensch braucht Bewunderung

Beziehungen, die gut funktionieren, haben überdurchschnittlich häufig etwas Erstaunliches gemeinsam: Die Männer werden von den Frauen bewundert und die Frauen fühlen sich von den Männern gesehen. Männer brauchen oft viel Bewunderung, vor allem in partnerschaftlichen Beziehungen. Michael Lehofer ergänzt: „Natürlich brauchen auch Frauen Bewunderung. Bewunderung ist die reinste narzisstische Zufuhr, und es gibt einen gesunden Narzissmus, ohne den keine gedeihliche Entwicklung möglich ist.“ Daher benötigt jedes Kind Bewunderung, ehrliche Bewunderung. Es braucht sie, um zu einem positiven Selbstbild zu kommen, um letztlich Ja zu sich sagen zu können. Bewunderung wirkt in zwischenmenschlichen Beziehungen unterschiedlich. So kann beispielsweise der Mächtige mittels Bewunderung den anderen auf Augenhöhe bringen. Univ.-Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael Lehofer ist ärztlicher Direktor und Leiter der einer Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Landeskrankenhaus Graz II.

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Jeder Mensch hat sein eigenes Weltbild

Um mit anderen Menschen eine Beziehung aufbauen und effektiv mit ihnen kommunizieren zu können, muss man deren Weltbild, deren Sicht auf die Dinge und auf das Leben, anerkennen. Das heißt nicht, dass man es teilen muss. Thomas W. Albrecht ergänzt: „Egal, wie stark es von deinem eigenen Weltbild abweicht und wie verschroben es für dich klingen mag: Es sind zunächst unterschiedliche Weltbilder, die aus unterschiedlichen Erfahrungen gespeist werden. Jeder hat aus seiner Sicht recht.“ Das daraus resultierende Verhalten wird jedoch unterschiedlich sein. Jeder Mensch hat sein spezifisches Weltbild. Damit verbunden sind individuelle Sehnsüchte, Hoffnungen, Bedürfnisse, Erwartungen, Werte, Überzeugungen, Erfahrungen und deren Interpretation, Gefühle und sinnesspezifische Wahrnehmungen. Keiner dieser Faktoren ist von außen zu beobachten. Thomas W. Albrecht ist Experte für Kommunikation und Rhetorik.

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Man braucht nicht den Partner zum Glück

Statt beim Sport Dampf abzulassen oder mal übers Wochenende zu verreisen, saßen während der Lockdowns Paare sich auf der Pelle und sahen dabei zu, wie die auferlegte Freiheitsberaubung der Beziehung den Rest gab. Violetta Simon weiß: „Dass sich nach so langer Zeit des Erduldens das Ego zurückmeldet, ist eine Erkenntnis, die nicht zwingend eine Pandemie braucht. Mitunter genügen auch zehn, 20 Jahre Ehe, um sich zu fragen: Soll das alles gewesen sein?“ „In solchen Phasen ist es wichtig, sich auf die eigenen Bedürfnisse und Interessen zu konzentrieren“, sagt Judith Gastner, wissenschaftliche Leiterin der digitalen Coaching-Plattform „PaarBalance“. So werde die persönliche Kontur klarer: Wer bin ich, was macht mich aus? „Oft hilft es schon, sich einen Rückzugsort zu schaffen, wie zum Beispiel ein eigenes Arbeitszimmer.“

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Das Leben ist eine ständige Bewegung

Der Pragmatiker weiß: Es geht im Leben weniger um die gerade Linie, sondern um Berichtigungen, um fortwährende Kurskorrekturen. Reinhard K. Sprenger weiß: „Ein Plan mag noch so gut sein, die Entscheidung noch so durchdacht, die Startbedingungen noch so günstig: Wir müssen fortwährend anpassen, ausgleichen, und neuen Umständen stellen. Das ist mehr als nur Elastizität – das bedeutet auch Dauerreparatur.“ Man muss sich lösen von dem Trugbild, man könnte den Weg geradeaus gehen, Pläne seien ohne Korrekturen zu verwirklichen. Denn das Leben ist kein Zustand, sondern eine Bewegung. Und die richtet sich nicht nach lebensfeindlichen Festlegungen. Wie jede Ehe und jede Freundschaft, wie jedes Aktienportfolio und auch der Job: Es ist das Korrigieren, die ständige Anpassung an veränderte Umstände, die das Leben gelingen lässt. Reinhard K. Sprenger zählt zu den profiliertesten Managementberatern und wichtigsten Vordenkern der Wirtschaft in Deutschland.

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In der Liebe herrscht oft ziemliches Chaos

Für Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim was das „ganz normale Chaos der Liebe“ eine Quelle positiver Sozialität. Das heißt, eine Quelle der Improvisation und der produktiven Relationalität. Eva Illouz dagegen sieht das Chaos als eine Quelle negativer Sozialität, eine Neuordnung und Bildung der Handhabung von Beziehungen durch Ungewissheit. Vor dem Hintergrund dieser Diagnose muss man auch das persönliche Verständnis von Kultur überdenken. Eva Illouz stellt fest: „In der traditionellen Anthropologie und Soziologie formt die Kultur soziale Bindungen durch Rollen, Normen, Rituale und soziale Drehbücher. Mithin durch positive Gebote der Zugehörigkeit, Identifikation, regulären Durchführung oder sogar der Improvisation. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Außerdem ist sie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne.

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Negative Bindungen sind meist regellos

„Negative Bindungen“ sind negativ in den folgenden zwei Bedeutungen. Sie verweisen auf ein abwesendes Objekt, das man aufgrund der Unbestimmtheit der Situation nicht zu fassen bekommt. Oder sie bringen zum Vorschein, dass mit einer bestehenden Beziehung etwas nicht stimmt, dass sie nicht so funktioniert, wie sie funktionieren sollte. Eva Illouz erklärt: „Negative Beziehungen haben verschwommene, unklare, unbestimmte oder umstrittene Zwecke. Es gibt keine vorgeschriebenen Regeln für Verbindlichkeit und Unverbindlichkeit. Und sie können straflos oder fast straflos kaputtgemacht werden.“ Negative Bindungen der ersten Form lösen sich schnell auf, nicht weil sie vertraglich als vorübergehend definiert wären, sondern aufgrund ihrer relativen Normlosigkeit, ihres Mangels an vorgeschriebenen Regeln und an einem gemeinsamen Bedeutungsrahmen. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Außerdem ist sie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne.

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Vertrauen besitzt eine eigene Dynamik

Vertrauen ist kein Entweder-oder, es hat seine eigene Dynamik, die man am besten erfasst, wenn ihm Dauer gewährt wird, wenn es sich entwickeln und verändern kann. Martin Hartmann erklärt: „Der Blick auf das Vertrauen in Beziehungen hilft dabei, diese zeitliche Dimension des Vertrauens angemessen zu beschreiben.“ Die Literatur ist nicht ohne Grund der Ort, an dem die Dynamik des Vertrauens geradezu endlos thematisiert wird. Erzählungen eignen sich viel besser als Statistiken, um Vertrauen in seiner ganzen Komplexität zu verstehen. Menschen gewinnen ihre Vertrautheit mit dem Vertrauen in ihren Beziehungen. Aber es bleibt etwas am Vertrauen, das nicht geschlossen werden kann, so vertraut einem das Vertrauen zum anderen auch sein mag. Es bleibt die Freiheit des anderen und die Unbestimmtheit der Verletzungen, die im Vertrauen zugefügt werden können. Martin Hartmann ist Professor für Praktische Philosophie an der Universität Luzern.

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Gefühlsbeziehungen sind kompliziert

Während die Regeln für ein sexuelles Verhältnis klar und einfach zu sein scheinen, wirken die Regeln für eine Gefühlsbeziehung schwer definierbar und kompliziert. Es ist für Eva Illouz interessant zu beobachten, dass manche ansonsten sehr wortgewandte und attraktive Frauen teilweise ihre Erwartungen an eine Beziehung bereitwillig einer rein sexuellen Verbindung unterordnen. Denn reine Sexualität bedroht den Anspruch auf Autonomie der Männer nicht. Sie sind bereit, sich mit einer in ihren Augen gefühllosen Beziehung zu begnügen, solange diese ihre sexuellen Bedürfnisse regelmäßig befriedigt. Dies legt für Eva Illouz nahe, dass die Sexualität ein Interaktionsbereich ist, der sich leichter bewältigen lässt und der über eine stärkere ontologische Realität verfügt als der emotionale. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Außerdem ist sie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne.

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Niemand sollte auf der Strecke bleiben

Was sollte Politik leisten und was kann sie überhaupt leisten? Diese Fragen versucht Hans-Otto Thomashoff zu beantworten. Aus Sicht der Bürger sollte Politik effizient sein, sie sollte sich im Dienst der Allgemeinheit bestimmte Ziele setzen und diese konsequent verfolgen. Ihr Hauptziel sollte darin bestehen, mit Weitblick die Weichen zu stellen, die es den Bürgern ermöglicht, ihren eigenen Lebensentwurf zu entfalten. Dazu gehören essenzielle Grundfreiheiten und ein gegebenenfalls notwendiges Sicherheitsnetz. Die Politik sollte die Regeln für das Wirtschaftsgeschehen so vorgeben, dass sich einerseits die wirtschaftliche Dynamik des Marktes entfalten kann. Andererseits ist darauf zu achten, dass die daraus resultierende Wertschöpfung möglichst allen zugutekommt. Zumindest so weit, dass niemand auf der Strecke bleibt. Hans-Otto Thomashoff ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse in eigener Praxis in Wien.

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Die Lust auf Sex kann völlig erlöschen

Von wenigen Ausnahmen abgesehen nimmt das sexuelle Begehren in einer Partnerschaft spätestens nach drei Jahren rapide ab. Andreas Salcher fügt hinzu: „Kommen Kinder dazu, besteht die Gefahr, dass die Lust auf Sex mit dem Partner völlig erlischt. Obwohl man einander nach wie vor liebt, spielt Sex nur mehr eine untergeordnete Rolle in der Beziehung.“ Dabei geht es nicht darum, wie oft man im Monat Sex miteinander hat, sondern um das Begehren an sich. Sexualtherpeuten beschäftigen sich schon seit Langem mit der scheinbar unlösbaren Frage, wie sich lustvolle Sexualität mit einem harmonischen Zusammenleben vereinbaren lässt. Wie kommt es, dass der Übergang zur Elternschaft so häufig mit einem erotischen Desaster einhergeht? Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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