Alles Sinnliche hat Auswirkungen

Wie jedes äußere Bild für den Empfänger psychogene Folgen hat, so hat auch jedes Bild, das Menschen aussenden, Auswirkungen. Emanuele Coccia erklärt: „Wenn wir Bilder aussenden, wenn wir uns zwingen, den Geist zu versinnlichen, Sinnfälliges aus ihm zu machen, rührt das daher, dass Bilder keine rein kognitiven Realien sind.“ Bilder wirken – vor allem anderen. Gerüche, Geschmäcker, Geräusche: Alles Sinnliche hat Auswirkungen und legt eine Wirksamkeit an den Tag, die schwer zu bestimmen ist, weil es weniger gewichtig ist als die Kausalität, die von der Wirklichkeit auf die Wirklichkeit ausgeübt wird. Diese Erfahrung machen Menschen unablässig mit der Sprache, dem Hauptkanal, auf dem sie Sinnliches erzeugen. Emanuele Coccia ist Professor für Philosophiegeschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris.

Weiterlesen …

Ein Leben ohne Probleme kann es nicht geben

Wie schön wäre es, wenn die Welt endlich zu einem Paradies für alle Menschen würde. Oder das Himmelreich auf Erden endlich anbräche. In dieser so sehnsüchtig erträumten Welt soll es kein Unglück, keine Probleme, keine Krankheiten und stattdessen alles, was das Herz begehrt, im Überfluss geben. Gerald Hüther weiß: „Aber auch wenn wir es uns noch so sehr wünschen: Ein Leben ohne Probleme, ohne immer wieder auftretende und unser Gehirn durcheinanderbringende Inkohärenzen kann und wird es nicht geben, solange wir noch am Leben sind.“ Nicht dass es so bleibt, wie es einmal geworden ist, sondern dass es ständig aufs Neue durcheinanderkommt, sich neu ordnen muss und daher herausfindet, wie es sich selbst verändern, sich an neue Gegebenheiten anpassen kann, zeichnet das Leben als Ganzes und jedes lebendige Wesen als einzigartigen Teil davon aus. Gerald Hüther ist Neurobiologe und Verfasser zahlreicher Sachbücher und Fachpublikationen.

Weiterlesen …

Altern kann ganz unterschiedlich aussehen

Ein positives Bild kann bei dem Gedanken ansetzen, dass Altern ein individueller Prozess ist, der ganz unterschiedlich aussehen kann. Barbara Schmitz rät: „Statt an dem Bild des leistungsstarken, unabhängigen Individuum krampfhaft festhalten zu wollen, kann das Alter als eine Zeit verstanden werden, in der zwar neue, innovative Potenziale entdeckt werden können, in der aber auch eine andere Einstellung, eine neue Haltung entwickelt werden kann.“ Alter kann ebenso bedeuten, dass man sich von Fähigkeiten, die im mittleren Lebensalter noch wichtig waren, abkehrt und sich unverwirklichten Träumen zuwendet. Vielleicht entdeckt man gerade im Alter Seiten und Fähigkeiten bei sich, die vorher in einem von Leistungsdruck geprägten Leben zu kurz kamen. Barbara Schmitz ist habilitierte Philosophin. Sie lehrte und forschte an den Universitäten in Basel, Oxford, Freiburg i. Br., Tromsø und Princeton. Sie lebt als Privatdozentin, Lehrbeauftragte und Gymnasiallehrerin in Basel.

Weiterlesen …

Einem Menschen unterlaufen viele Irrtümer

Theaitetos und Sokrates brüteten über der Frage, wie es möglich ist, dass sich in der Kette der menschlichen Kognition überhaupt so etwas wie der Irrtum einschleicht. Jonathan Rauch stellt fest: „Im Lichte neuerer Forschungsergebnisse sollte die Frage allerdings eher lauten: Wie kann es sein, dass sich jemals keine Irrtümer einstellen? Die menschliche Kognition leidet unter allen möglichen Arten von Verzerrungen.“ Wiederholt hat sich die Existenz einer gleichbleibenden Gruppe von rund 100 Voreingenommenheiten nachweisen lassen, die das Leben eines Menschen kaputtmachen können. Dazu zählen unter anderem das Optimismus-Bias, das heißt, die Neigung der eigenen Erfolgsaussichten überzubewerten. Jonathan Rauch studierte an der Yale University. Als Journalist schrieb der Politologe unter anderem für das National Journal, für The Economist und für The Atlantic.

Weiterlesen …

Falsche Erwartungen sorgen für Konflikte

Was hat die Wirkungsweise des Verstandes mit den Erwartungen eines Menschen zu tun? Man kann es so zusammenfassen: Erwartungen sind Konstruktionen des Verstandes zum Zwecke des Rechthabens. Genauer: des Voraus-Rechthabens. Reinhard K. Sprenger erläutert: „Der Verstand wendet die Erfahrungen der Vergangenheit auf die Zukunft an. Er glaubt reflexhaft, dass das, was früher funktionierte, auch zukünftig das Überleben sichert. Alle Erfahrung sagt: Die Macht vergangener Erfolge ist der härteste Klebstoff der Welt.“ Einen Konflikt kann man als Erwartungsdifferenz modulieren. Diese Differenz wird von zwei Seiten genährt: von den eigenen Erwartungen und den Erwartungen anderer. Für die Entstehung von Konflikten kann man verschiedene Typen eigener Erwartungen unterscheiden. Dazu zählen unausgesprochene Erwartungen, die man selten mitteilt, weil man sie kaum als Erwartungen wahrnimmt. Reinhard K. Sprenger, promovierter Philosoph, ist einer der profiliertesten Führungsexperten Deutschlands.

Weiterlesen …

Stereotype können verlässlich sein oder nicht

Vorurteile können sich auf vielfältige Weise einschleichen. Miranda Fricker konzentriert sich dabei auf die Überlegung, dass sie in erster Linie auf Stereotype zurückgehen, die Menschen bei ihren Glaubwürdigkeitsurteilen als heuristische Entscheidungshilfen dienen. Miranda Fricker fügt hinzu: „Dabei verwende ich den Begriff des Stereotyps wie bisher in einem neutralen Sinne, das heißt Stereotype können verlässlich sein oder auch nicht.“ Zwar gehören verlässliche Stereotype zu jenen Mitteln des Verstandes, mithilfe derer ein Zuhörer Glaubwürdigkeit beurteilt, doch wird Miranda Fricker zeigen, dass Zuhörer dazu neigen, sich auf Stereotype zu berufen, die ein Vorurteil darstellen. In der sozialpsychologischen Forschung gibt es unterschiedliche Auffassungen, was genau mit „Stereotyp“ gemeint ist. Miranda Fricker ist Professorin für Philosophie an der New York University, Co-Direktorin des New York Institute für Philosophy und Honorarprofessorin an der University of Sheffield.

Weiterlesen …

Technologien verschlingen Eltern und Kinder

Wenn Jonathan Haidt mit den Eltern von Jugendlichen redet, kommt das Gespräch oft auf Smartphones, soziale Medien und Videospiele. Die Geschichten, die Eltern ihm erzählen, weisen in der Regel einige Muster auf. Eines davon ist die Geschichte vom „ständigen Konflikt“. Jonathan Haidt erläutert: „Eltern versuchen, Regeln festzulegen und Grenzen zu ziehen und durchzusetzen. Doch es gibt so viele elektronische Geräte, so viele Argumente dafür, dass die Regeln gelockert werden müssen, und so viele Möglichkeiten, die Regeln zu umgehen, dass das Familienleben mehr und mehr vom Streit um Technologien beherrscht wird.“ Familienrituale und grundlegende menschliche Beziehungen aufrechtzuerhalten, kann sich anfühlen, als müsste man einer ständig steigenden Flut widerstehen, einer Flut, die Eltern wie auch Kinder verschlingt. Jonathan Haidt ist Professor für Sozialpsychologie an der New York University. Seine Forschungsschwerpunkte sind die psychischen Grundlagen von Moral, moralische Emotionen und Moralvorstellungen in verschiedenen Kulturen.

Weiterlesen …

Solidarität ist immer individuell und freiwillig

Wer Menschen ihrer Leidensfähigkeit beraubt, beraubt sie zugleich ihrer Selbstwirksamkeit. Menschen müssen das Leiden als Kraftquelle und Lernimpuls neu entdecken. Johann Wolfgang von Goethe sagte: „Alle Veränderung erfolgt aus Leid.“ Das Leid, von dem Reinhard K. Sprenger hier spricht, ist zunächst ein selbstdefiniertes Phänomen: „Und wir wissen aus der Anthropologie, dass sich alle unsere Talente und Kräfte den Problemen verdanken, die uns herausgefordert haben und an denen wir wachsen konnten.“ Zudem behauptet Reinhard K. Sprenger, dass Politiker ein Interesse an Menschen im Zustand der Unmündigkeit haben. Seiner Meinung nach hat die Politik viel von dem zerstört, was früher die Familien an Strukturen, Rahmen und Hilfe leisteten. Betrachtet man die „Solidarität“ – sie ist immer individuell und freiwillig, niemals kollektiv und erzwungen. Reinhard K. Sprenger, promovierter Philosoph, ist einer der profiliertesten Führungsexperten Deutschlands.

Weiterlesen …

Mattias Desmet kennt die Bedeutung der Stimme

Die Stimme ist im wahrsten Wortsinn von vitaler Bedeutung, besonders in früherster Jugend. Fehlt sie, ist dies zweifellos tödlich für das junge Kind. Mattias Desmet weiß: „Der österreichische Psychiater René Spitz untersuchte zwei Gruppen von Kindern, deren biologische Bedürfnisse – Essen, Trinken, Kleidung, Unterkunft usw. – auf dieselbe Weise befriedigt wurden, von denen die eine Gruppe jedoch eine stabile psychische Bindung zu einer Mutterfigur hatte und die andere nicht. Er fand heraus, dass die Sterblichkeitsrate in letzterer Gruppe signifikant höher war.“ Diese subtil-physische Dimension sprachlichen Austauschs bleibt auch im späteren Leben wichtig. Während des Sprechens spiegeln Erwachsene, genau wie junge Kinder, ohne sich dessen bewusst zu sein, ständig den Gesichtsausdruck und die Körperhaltung des Gesprächspartners. Mattias Desmet ist Professor für Klinische Psychologie an der Abteilung für Psychoanalyse und klinische Beratung der Universität Gent.

Weiterlesen …

Andreas Salcher stellt das PERMA-Konzept vor

Es gibt fünf Faktoren des „PERMA-Konzepts“ das der US-amerikanische Psychologe Martin E. P. Seligman entwickelt hat. Der erste Faktor ist die positive Emotion. Andreas Salcher erläutert: „Das regelmäßige Erleben positiver Emotionen ist durchaus ein essenzieller Faktor für das Wohlbefinden von uns Menschen, aber eben nicht der wichtigste und schon gar nicht der einzige.“ Positive Emotionen wie Lust, Behaglichkeit oder Entspannung werden im Augenblick ihres Auftretens subjektiv genossen, sind allerdings wenig nachhaltig. Daher ist die Erwartung, dass Arbeit ständig Spaß machen soll, unrealistisch. Der zweite Faktor ist das Engagement. Menschen können aufblühen, wenn sie ganz in einer sie erfüllenden Tätigkeit aufgehen oder sich für einen höheren Zweck engagieren. Dr. Andreas Salcher ist Mitgebegründer der „Sir Karl-Popper-Schule“ für besonders begabte Kinder. Mit mehr als 250.000 verkauften Büchern gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.

Weiterlesen …