Im Jahre1905 veröffentlicht Sigmund Freud die „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“, mit denen er eine neue Tür zum Verständnis von sexuellen Perversionen öffnet und daneben eindringlich die These von der sexuellen Triebhaftigkeit des Kleinkindes vertritt. Zu den sexuellen Perversionen zählt er unter anderen den Sadismus, den Masochismus, den Voyeurismus, den Exhibitionismus sowie die Homosexualität. Der Psychoanalytiker zieht aus seinen Erfahrungen den Schluss, dass viele Homosexuelle in ihrer Kindheit keine männlichen Identifikationsmöglichkeiten hatten und daher das Gefühl haben, keine echten Männer zu sein.
Psychologie Guide
Frigidität und Impotenz zeugen von gestörter Liebesfähigkeit
Mit der Frigidität der Frau und der Impotenz des Mannes beschäftigte sich der Psychoanalytiker Wilhelm Stekel in den beiden Büchern „Die Geschlechtskälte der Frau“ (1921) und „Die Impotenz des Mannes“ (1920). Wilhelm Stekel erkannte in der sexuellen Unfähigkeit beider Geschlechter eine ausgeprägte Störung der Liebesfähigkeit. Denn der Psychoanalytiker war der Meinung, wer wahrhaft lieben könne, vermag auch in der sexuellen Vereinigung sein Glück zu finden. Wilhelm Stekel sieht wie Alfred Adler in dem Kampf der Geschlechter die zentrale Ursache der sexuellen Anomalien des modernen Menschen.
Abraham Maslow erforscht die Selbstverwirklichung
Kurt Goldstein prägte zwar den Begriff der Selbstverwirklichung, berühmt machte ihn aber der New Yorker Psychologe Abraham Maslow. Er beschreibt Menschen, die die höchste Stufe der Menschlichkeit erklommen haben, die sich aus einer Mischung aus psychischer Gesundheit und Hingabe an ihre Aufgabe auszeichnen, wodurch sie hochgradig leistungsfähig sind. Abraham Maslows Menschenbild betrachtet das Individuum als kreativ, mit freiem Willen ausgestattet und nach der Erfüllung seiner Möglichkeiten strebend. Darüber hinaus betrieb Abraham Maslow Studien über Gipfelerlebnisse, in denen alles einen Sinn ergibt und der Mensch sich eins mit sich selbst und seiner Arbeit fühlt.
Die Neurosenlehre Viktor Frankls
Viktor Frankls Neurosenlehre baut darauf auf, dass es zu seelischen Verstimmungen und Fehlentwicklungen kommt, wenn sich der Geist des Menschen auf der Suche nach einem Sinn verirrt. In der Folge kann es zu psychosomatischen oder somatischen Krankheiten kommen. Laut Viktor Frankl entsteht eine Neurose, wenn seelische Bereiche des Menschen verkümmert bleiben. Bei der Untersuchung der Angstneurose findet Viktor Frankl heraus, dass die Patienten nicht nur Angst, sondern auch Angst vor der Angst selbst haben.
Die Liebe gehört zu den Primärtrieben des Menschen
Der Primatenforscher Harry Harlow weigerte sich Begriffe wie „Nähe“ zu benutzen, wenn er „Liebe“ meinte. Er beschrieb die Liebe als wunderbaren Zustand, tief, zärtlich und lohnenswert. Er war der Meinung, dass die Psychologen darin versagt hätten, Liebe und Zuneigung wissenschaftlich zu analysieren. Der Behaviorismus behauptet, menschliche Wesen werden durch ihre primären Triebe wie Hunger, Durst, Auslöschung, Schmerz und Sex motiviert. Andere Motive wie Liebe und Zuneigung gelten als zweitrangig. Harry Harlows Buch „The Nature of Love“ katapultierte diese Theorie auf den Friedhof der Wissenschaften.
Die Liebe und das Gewissen sind biologisch determiniert
In seinem Buch „Das unbeschriebene Blatt. Die moderne Leugnung der menschlichen Natur“ wollte Steven Pinker beweisen, dass das gesamte Verhalten des Menschen keineswegs nur auf seine Sozialisation zurückzuführen ist. Der kognschlichen Natur von angeborenen Mustern geprägt ist und wie viel vom kulturellen Umfeld geformt wird. Pinker wendet sich gegen die Theorie des „unbeschriebenen Blattes“ der Behavioristen. Einer der Vertreter des Behaviorismus, John. B. Watson, hatte damit geprahlt, man könne ihm ein Dutzend gesunder Säuglinge geben und er würde sie zu den Erwachsenen heranziehen, die er will, ganz gleich ob Ärzte, Künstler oder Diebe.
Karen Horney: "Eine Neurose verbirgt das wahre Ich"
Die Psychoanalytikerin Karen Horney stellte sich in einigen wesentlichen Punkten gegen die Lehre Sigmund Freuds. So lehnte sie die Theorie des „Penisneids“ strikt ab und sprach der Bedeutung der sexuellen Motivation generell weniger Bedeutung als Sigmund Freud zu. Außerdem wies sie nach, dass Frauen vor allem dann für Neurosen anfällig werden, wenn sie unrealistische gesellschaftliche Forderungen nicht erfüllen. Karen Horney verfolgte einen sehr demokratischen Ansatz, indem sie den Analyseprozess auch für Laien so verständlich machen wollte, dass eine Selbstanalyse der Menschen möglich werden sollte.
In der Liebe wird der Augenblick zur Ewigkeit
Bei wahrhaft Liebenden findet der Psychiater und Psychotherapeut Ludwig Binswanger keinerlei Konkurrenzverhalten. Ganz im Gegenteil sind die Liebenden froh, an einem gemeinsamen Ort zu sein, den sie stets auch als Heimat empfinden. Auch die Zeitlichkeit ist in der Liebe außer Kraft gesetzt, da wer liebt, im Augenblick die Ewigkeit empfindet. Aus der Liebe lassen sich für Ludwig Binswanger alle anderen Existenzweisen ableiten. Je nachdem, ob ein Mensch lieben kann oder nicht, strukturiert sich seine Erfahrung der Welt. Die Welt der Liebe und die Welt der Lieblosigkeit sind die beiden Pole, zwischen denen das Leben hin und her pendelt.
Ton Lemaire erforscht die Leidenschaft
Nicht nur die Zärtlichkeit beherrscht laut Ton Lemaire die liebevolle Beziehung zwischen zwei Menschen, es ist genauso die Leidenschaft. Leidenschaft ist für ihn durch ein gewisses Ungestüm, eine starke Dynamik und sogar durch eine Art Aggressivität gekennzeichnet. Die Leidenschaft strebt nach der totalen Berührung, einem Aufgehen in dem anderen, einem sich verlieren in dem Geliebten. Der holländische Anthropologe und Philosoph Ton Lemaire beschreibt die leidenschaftliche Liebkosung als keineswegs sanft und vorsichtig, sondern als fast hart und schmerzlich.
Der blinde Gehorsam gegenüber Autoritäten
Stanley Milgram war der Schöpfer eines der bekanntesten Experimente der Psychologiegeschichte, das unter dem Namen „Das Milgram-Experiment“ berühmt wurde. Ein Experimentleiter im weißen Kittel betreut zwei Freiwillige, von denen der eine die Rolle des Lehrers, der andere die des Schülers übernahm. Der Schüler wurde auf einem Stuhl festgebunden und sollte sich Wortpaare merken. Wenn der Schüler falsch antwortete, konnte ihm der Lehrer einen leichten elektrischen Schlag versetzen. Mit jedem Fehler erhöhte sich die Voltzahl und der Lehrer musste zusehen, wie der Schüler am Schluss vor Schmerzen aufschrie.