Harry Stack Sullivan vertritt den Standpunkt, dass der Mensch ein durch und durch soziales Wesen ist. Jede Person wächst und gedeiht in der Atmosphäre vielfältiger Sozialkontakte. Wer oder was ein Mensch ist, lässt sich seiner Meinung nach nur umschreiben durch die verschiedenen Rollen, die ein Individuum innerhalb der zwischenmenschlichen Beziehungen spielt. Der ganze psychischer Bestand eines Menschen wird durch Sozialisation und Akkumulation innerhalb der Beziehungen erworben.
Neurose
C. G. Jung lehnt die Theorie vom Ödipuskomplex ab
C. G. Jung schloss sich 1907 mit großem Enthusiasmus der Psychoanalyse Sigmund Freuds an. C.G. Jung stand unter dem Einfluss romantischen und religiösen Schriften und versuchte diese geistigen Strömungen in seine psychoanalytische Theorie und Praxis einzuarbeiten. Eine erste Abgrenzung zur Psychoanalyse Sigmund Freuds vollzog er mit dem Buch „Versuch einer Darstellung der psychoanalytischen Theorie“, das 1912 erschien.
Psychosomatische Erkrankungen kommen aus der Seele
Erwin Ringel erklärt: „Das, was psychisch krankmachend wirkt, sind bestimmte Gefühle, nicht der rationale, sondern der emotionale Bereich ist hier entscheidend. Dies unterstreicht die Bedeutung eines gesunden Gefühlslebens auch für die körperliche Gesundheit.“ Die entscheidende Schaltstelle zwischen Seele und Körper ist für Erwin Ringel das vegetative oder autonome Nervensystem. Dieses beherrscht alle Funktionen, die sich der Willkür des Menschen entziehen.
Viktor Frankl empfiehlt das Buch als Therapeutikum
Die Möglichkeit, das Buch therapeutisch einzusetzen, geht gemäß Viktor Frankl weit über das Pathologische hinaus. Er schreibt: „So vermag das Buch etwa in existentiellen Krisen – von denen ja niemand verschont bleibt – einfach Wunder zu wirken. Das rechte Buch zur rechten Zeit hat viele Menschen vor dem Selbstmord bewahrt, und davon wissen wir Psychiater sehr wohl ein Lied zu singen.“ In diesem Sinne leistet ein Buch echte Lebenshilfe.
Wilhelm Reich erklärt die Funktion des Orgasmus
Wilhelm Reich ist davon überzeugt, dass es keine neurotischen Symptome ohne Erkrankung des Gesamtcharakters gibt. Für viele Psychoanalytiker stellte die neurotische Symptomatik eine Art Fremdkörper im sonst intakten Seelenleben dar. Wilhelm Reich korrigierte diesen Irrtum wie es vor ihm schon in ähnlicher Weise Alfred Adler getan hatte. Denn eine seelische Erkrankung betrifft immer die Persönlichkeit als Ganzes, weshalb auch die Behandlung beim Psychologen oder Psychoanalytiker dieser Totalität gewidmet sein muss. In seinen theoretischen Überlegungen über den Orgasmus knüpft Wilhelm Reich an Sigmund Freud an. Auch griff er die Gedanken des berühmten Wiener Frauenarztes Rudolf Chrobaks auf, der die Meinung vertrat, dass zur Heilung der Hysterie die wiederholte sexuelle Befriedigung das beste und wirksamste Mittel sei.
Christliche Ethik und Moral führen zum Infantilismus
Für Thomas Szasz gibt es zwei Regeln, die den Einstieg in eine neurotische Lebensführung erleichtern: Erstens das Familienmuster, zweitens die abendländische Religion und Ethik. Da der Mensch länger als alle anderen Lebewesen eine Betreuung durch die Eltern benötigt, erliegt er leicht dem Anreiz, über die eigentliche Kindheit hinaus ein Kind bleiben zu wollen. Schon Sigmund Freud hat darauf hingewiesen, dass die verlängerte Kindheit des Menschen mit seiner Disposition zur Neurose zusammenhängt. Tatsächlich kann eine verwöhnende Erziehung infantilisieren. Die Opfer einer solchen Pädagogik scheuen davor zurück, Erwachsen zu werden. Wenn sie dann eine Reihe von kindlichen Eigen- und Unarten entwickeln und ausbauen, hat sich die Neurose voll entwickelt.
Sigmund Freud: "Das Unbehagen in der Kultur"
Sigmund Freud setzte vor 80 Jahren mit seiner Schrift „Das Unbehangen in der Kultur“ seine jahrelangen Forschungen fort, das wechselseitige Zusammenspiel zwischen individueller und kultureller Neurose zu beweisen. Damit geriet zum ersten Mal die Pathogenese der kulturellen Gemeinschaften in den Blickpunkt der Forschung. Die Psychoanalyse entwickelte sich zu einer Disziplin der Kulturwissenschaft. Mit seinen Ausführungen veränderte Sigmund Freud die Wahrnehmung der Kultur auf eine radikale Art und Weise. Einer seiner Vorläufer war der englische Philosoph John Locke, der schon im 17. Jahrhundert den Begriff „uneasiness“ geprägt hatte und dieses Unbehagen für den Antrieb des menschlichen Handelns hielt.
Die Selbstfindung kann die kranke Seele heilen
C. G. Jung sah den tiefsten Sinn jeder seelischen Erkrankung darin, dass der Mensch ein von sich selbst entfremdetes Leben führt. Nach C. G. Jung stellt die Therapie eine dialektische Situation dar. Er vertritt die These, dass sowohl der Therapeut als auch der Patient in einer Sitzung gefördert und beeinflusst werden müssen. Am Ende einer Therapie ist der Therapeut ebenso verändert wie sein Patient.
Frigidität und Impotenz zeugen von gestörter Liebesfähigkeit
Mit der Frigidität der Frau und der Impotenz des Mannes beschäftigte sich der Psychoanalytiker Wilhelm Stekel in den beiden Büchern „Die Geschlechtskälte der Frau“ (1921) und „Die Impotenz des Mannes“ (1920). Wilhelm Stekel erkannte in der sexuellen Unfähigkeit beider Geschlechter eine ausgeprägte Störung der Liebesfähigkeit. Denn der Psychoanalytiker war der Meinung, wer wahrhaft lieben könne, vermag auch in der sexuellen Vereinigung sein Glück zu finden. Wilhelm Stekel sieht wie Alfred Adler in dem Kampf der Geschlechter die zentrale Ursache der sexuellen Anomalien des modernen Menschen.
Die Neurosenlehre Viktor Frankls
Viktor Frankls Neurosenlehre baut darauf auf, dass es zu seelischen Verstimmungen und Fehlentwicklungen kommt, wenn sich der Geist des Menschen auf der Suche nach einem Sinn verirrt. In der Folge kann es zu psychosomatischen oder somatischen Krankheiten kommen. Laut Viktor Frankl entsteht eine Neurose, wenn seelische Bereiche des Menschen verkümmert bleiben. Bei der Untersuchung der Angstneurose findet Viktor Frankl heraus, dass die Patienten nicht nur Angst, sondern auch Angst vor der Angst selbst haben.