Das Spielen und das Träumen sind wirkungsvolle Hilfsmittel, um die eigene Realität abzusichern. Ille C. Gebeshuber bedauert: „Leider hören das Spielen und Träumen mit dem Eintritt in das Erwachsenenaltersgrößtenteils auf. Die Realität umgibt die Menschen mit Sachzwängen und zwingt sie so, ihre kindliche Seite in die hintersten Winkel ihres Geistes zu verbannen.“ Dabei hören die meisten Menschen nicht auf, Kind zu sein, nur die Spielregeln ändern sich. Die eigene Weltsicht wird solide und der Platz in der Gesellschaft akzeptiert. Die Informationen, denen die Erwachsenen nun ausgesetzt sind, haben privaten, beruflichen oder gesellschaftlichen Charakter. Gesellschaftlich relevante Informationen begleiten die Menschen auf Schritt und Tritt. Von der Warntafel über die Zeitung bis hin zu den Lieblingssendungen. Ille C. Gebeshuber ist Professorin für Physik an der Technischen Universität Wien.
Medien
Der Mensch ist sensibel für das Böse
Das exklusive Interesse des Menschen für alarmierende Situationen und Katastrophen hat sich evolutiv durchgesetzt und seinen Vorfahren von Jägern und Sammlern das Überleben gesichert. Markus Hengstschläger erläutert: „Psychologen sprechen von „Negativity Bias“, wenn sie beschreiben, dass der Mensch sensibler für das Böse als für das Gute ist.“ „Availability Bias“ steht dafür, dass der Mensch glaubt, dass, wenn er ein Beispiel für etwas sieht oder nennen kann, das dann auch öfter auftritt, als es in Wirklichkeit der Fall ist. Und die Medien liefern die entsprechenden Bilder dazu, um ihre Klientel bei der Stange zu halten. In einem ganz besonderen Ausmaß bedient das Internet diese Angst des Menschen – ohne jegliche Unterbrechung, Tag und Nacht, mit noch die da gewesener Effizienz. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUniWien.
Soziale Onlinemedien machen einsam
„Verloren unter 100 Freunden“ lautete der Titel eines Buches der Soziologin Sherry Turkle. Sie machte darin schon vor Jahren auf eine Paradoxie aufmerksam. Ein Mehr an digitaler Konnektivität geht keineswegs mit einer Zunahme vermehrter erlebter sozialer Verbundenheit einher. Ganz im Gegenteil: Die Autorin kam zu dem Schluss, dass junge Menschen sich mittlerweile mehr in virtuellen Welten als in der Realität mit „echten“ Freunden aufhalten. Menschen sind in höchstem Maße soziale Wesen. Sie sind von Natur auf Gemeinschaft angelegt und sie reagieren mit Schmerzen auf Vereinsamung. Manfred Spitzer stellt fest: „Wenn Medien also tatsächlich zwischen den Menschen stehen und damit wirkliche Kontakte behindern – und damit wiederum Einsamkeit erzeugen –, dann sollte sich das langfristig auf das Befinden von Menschen auswirken.“ Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen.
Von den modernen Medien gehen Gefahren aus
Computer, Internet und Smartphones sind einerseits eine fantastische Bereicherung des modernen Lebens. Andererseits gehen aufgrund ihrer suchtartigen Anziehungskraft, die sie auf viele Menschen ausüben, von den modernen Medien aber auch ernstzunehmende Gefahren aus. Joachim Bauer erklärt: „Ungesteuerter Medienkonsum, Bewegungsmangel und der Konsum ungesunder Nahrungsmittel und Getränke sind miteinander eng verschränkt.“ Mehr als 70 Prozent der erwachsenen Berufstätigen in Deutschland im Alter zwischen 25 und 40 Jahren treiben so gut wie keinen Sport. Immer mehr Menschen unterliegen der magischen Anziehungskraft eines tranceartigen mentalen Dauerdämmerzustandes vor dem Bildschirm. Menschen, deren Selbstkontrolle sich gegenüber einem Bildschirm nicht behaupten kann, schaden nicht nur ihrer Gesundheit. Darüber hinaus verkürzen auch ihre Lebenszeit. Dennoch sind Bildschirme inzwischen ein Teil des menschlichen Lebens. Der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Joachim Bauer lehrt an der Universität Freiburg.