Mehr als neunzig Prozent aller sexuellen Störungen sind laut Georg Pfau psychosomatischer Natur. Dabei spielt sicherlich die tief im Menschen verwurzelte Vorstellung eine Rolle, die Sexualität sei ein bloßes Mittel zum Zwecke der Fortpflanzung. In Wirklichkeit dient der Sex aber viel eher der Kommunikation. Männer und Frauen sollten sich der Sexualität hingeben können, ohne genaue Vorstellungen davon zu haben, was dabei herauskommen wird. Alles ist in Ordnung, alles ist gut. Und dadurch wird das Scheitern ein Ding der Unmöglichkeit. Georg Pfau erklärt: „Das Spiel mit ungewissem Ausgang schafft viel eher die Voraussetzung für prickelnde Erotik als starre Vorgaben.
Kommunikation
Machthaber schätzen die Passivität ihrer Untergebenen
Arno Gruen erklärt eine selbstschädigende Passivität wie folgt: „Um teilhaben zu können an der Macht, die das Kind unterwirft, ersetzten Gehorsam und Anpassung die Verantwortung für das eigene Handeln.“ Von Machthabern wird die Passivität allerdings geschätzt. Sie nennen sie Vernunft, Teamfähigkeit, Kooperations- und Anpassungsbereitschaft. Rotraud A. Perner erläutert: „Wem Gehorsam als die höchste Tugend erscheint, der wird alles tun, um Ungehorsam zu verteufeln – man könnte sonst ja verlockt werden, über eigene Protest- und Änderungsbedürfnisse nachzudenken.“ Rotraud A. Perner ist Juristin, Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin. Ihr aktuelles Buch heißt „Die reuelose Gesellschaft“ und ist im Residenz Verlag erschienen.
Wilhelm Schmid stellt die Goldene Regel der Erziehung vor
Erziehung ist für Wilhelm Schmid unter anderem auch die Ausübung von Macht. Macht tendiert zu Machtmissbrauch. Dies gilt nicht nur im politischen Bereich, sondern auch für persönliche Machtverhältnisse. Deshalb braucht die Ausübung der Macht Mäßigung. Der Machttheoretiker Montesquieu formulierte dies wie folgt: „Damit die Macht nicht missbraucht werden kann, muss die Anordnung der Dinge so sein, dass die Macht die Macht zügelt.“ Wilhelm Schmid lebt als freier Autor in Berlin und lehrt Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt.
Viele Beziehungen leiden an einem Mangel an Kommunikation
Männer und Frauen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Motivation gegenüber der Sexualität. Männer suchen Lust, Frauen Liebe. Sich ganz nahe zu sein heißt für Georg Pfau schon fast, sich zu lieben. Trotz der scheinbar unerschöpflichen Kommunikationsmittel der Moderne leiden viele Beziehungen an einem Mangel an Kommunikation. Wenn vorhanden, ist sie oftmals oberflächlich, technisch und ohne Emotionen, so wie die Medien, über die kommuniziert wird.
Haustiere vermitteln seelische Ausgeglichenheit und Wohlbefinden
Reinhold Bergler zählt zu den renommiertesten Experten, wenn es um die Beziehung zwischen Menschen und Haustieren geht. Auf die Frage, warum Menschen sich ein Haustier anschaffen, antwortet Reinhold Bergler: „Die Gemeinschaft von Tieren und Menschen ist tief in unserer Kulturgeschichte verwurzelt, das geht zurück bis in die Urzeit. Der Wunsch nach einem Haustier ist universell verbreitet, bei Kindern taucht er sehr frühzeitig im Leben auf.“ Heutzutage gibt es allerdings in der Haltung von Haustieren teilweise bizarre Auswüchse, die durchaus psychologische Ursachen haben könnten. Haustiere werden von vielen Menschen als Statussymbole und zur Selbstverwirklichung gehalten, was es laut Reinhold Bergler schon öfter in der Geschichte gab. Reinhold Bergler, der inzwischen 84 Jahre alt ist, hat als Professor für Psychologie an der Universität Bonn gelehrt. Er gründete im Jahr 1980 die Forschungsgruppe „Psychologie der Mensch-Tier-Beziehung“.
Im Konsumismus werden Depressionen zur Volkskrankheit
Wenn ein Mensch einen sicheren Ort verliert, brechen bei ihm heftige Emotionen aus. Es mischen sich dabei Trauer und Angst, woraus oftmals auch das Bedürfnis entsteht, innezuhalten und abzuwarten. In manchen Fällen verleugnen die Betroffenen sogar den Verlust und geben sich der trügerischen Hoffnung hin, dieser werde wie durch magische Kräfte wieder aufgehoben und alles würde wieder so sein wie zuvor. Die Trauerreaktion ist laut Wolfgang Schmidbauer biologisch sinnvoll. Die Menschen werden motiviert, sich anzustrengen, Heimaten zu erhalten, wichtige Menschen an sich zu binden, nicht leichtfertig aufzugeben, was ihnen Geborgenheit vermittelt. Wolfgang Schmidbauer schreibt: „Trauer benötigt Zeit und Raum, um die Veränderungen zu klären, welche durch den Verlust entstehen: Sie bringen ja nicht nur Mangel, sondern auch Gewinn.“ Wolfgang Schmidbauer arbeitet neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch als Lehranalytiker und Paartherapeut in München.
Robert Bolton beschreibt die Fallen der Kommunikation
Robert Boltons berühmtestes Buch heißt „People Skills. How to assert Yourself, Listen to Others, and Resolve Conflicts“. Laut Robert Bolton gibt es faktisch keinen Beruf, in dem soziale Kompetenz nicht den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmacht. Mangelnde Kommunikation hat ihren Ursprung darin, dass die Menschen einen Großteil ihrer Kommunikationsfähigkeiten in der Familie erwerben. Und hier stehen die Chancen leider sehr gut, dass die Eltern keine Kommunikationsexperten sind und deren Eltern ebenso wenig waren. Wenn sich Menschen unterhalten, fällt es ihnen schwer zuzuhören, ohne dem anderen ins Wort zu fallen.
Erwin E. Straus erhellt das Wesen des Menschen
Mit Wilhelm Dilthey und Edmund Husserl will sich Erwin W. Straus vom Einfluss René Descartes emanzipieren. Der französische Philosoph konzipierte das Ich als denkendes Ding, im Grunde ein Widerspruch an sich. Sodann wählte er das intellektuelle Erkennen und Urteilen zur eigentlichen Beziehung zur Welt. Die Empfindung hielt er dagegen für eine minderwertige Erfahrung. Erwin W. Straus begründete ein neues Ideal der Wissenschaft, eine neue Erhellung des menschlichen Wesens.
Die emotionale Intelligenz sorgt für den Berufserfolg
Akademische oder technische Fertigkeiten sind laut Daniel Goleman nur noch Voraussetzungen für den Einstieg in bestimmte Jobs. Was erfolgreiche Menschen in ihren speziellen Fachgebieten besonders auszeichnet sind Eigenschaften wie Durchhaltevermögen, Tatkraft, Optimismus, Anpassungsfähigkeit und Empathie. In einem umkämpften Wirtschaftsumfeld sind es vor allem die emotional intelligenten Fähigkeiten, die ein Unternehmen erfolgreich machen.
Ton Lemaire erforscht die Leidenschaft
Nicht nur die Zärtlichkeit beherrscht laut Ton Lemaire die liebevolle Beziehung zwischen zwei Menschen, es ist genauso die Leidenschaft. Leidenschaft ist für ihn durch ein gewisses Ungestüm, eine starke Dynamik und sogar durch eine Art Aggressivität gekennzeichnet. Die Leidenschaft strebt nach der totalen Berührung, einem Aufgehen in dem anderen, einem sich verlieren in dem Geliebten. Der holländische Anthropologe und Philosoph Ton Lemaire beschreibt die leidenschaftliche Liebkosung als keineswegs sanft und vorsichtig, sondern als fast hart und schmerzlich.