Haustiere vermitteln seelische Ausgeglichenheit und Wohlbefinden

Reinhold Bergler zählt zu den renommiertesten Experten, wenn es um die Beziehung zwischen Menschen und Haustieren geht. Auf die Frage, warum Menschen sich ein Haustier anschaffen, antwortet Reinhold Bergler: „Die Gemeinschaft von Tieren und Menschen ist tief in unserer Kulturgeschichte verwurzelt, das geht zurück bis in die Urzeit. Der Wunsch nach einem Haustier ist universell verbreitet, bei Kindern taucht er sehr frühzeitig im Leben auf.“ Heutzutage gibt es allerdings in der Haltung von Haustieren teilweise bizarre Auswüchse, die durchaus psychologische Ursachen haben könnten. Haustiere werden von vielen Menschen als Statussymbole und zur Selbstverwirklichung gehalten, was es laut Reinhold Bergler schon öfter in der Geschichte gab. Reinhold Bergler, der inzwischen 84 Jahre alt ist, hat als Professor für Psychologie an der Universität Bonn gelehrt. Er gründete im Jahr 1980 die Forschungsgruppe „Psychologie der Mensch-Tier-Beziehung“.

Hunde können therapeutische Funktionen übernehmen

Als Beispiel nennt Reinhold Bergler das Zeitalter des Biedermeier, in dem es auch schon Haustiere als Mode-Accessoire gab. Inzwischen ist die Haustierhaltung demokratisiert worden, was zur Folge hat, dass sich heute jeder sein individuelles Glück mit einem Tier seiner Wahl suchen kann. Doch das kann auch zu Problemen führen. Reinhold Bergler weist auf die Untersuchungen seiner Kollegin Silke Wechsung hin, die herausgefunden hat, dass zum Beispiel mehr als die Hälfte aller Hundehalter diese in den Mittelpunkt ihres Lebens stellen und die Hunde dabei zum Teil auch vermenschlichen.

Ein weiteres Problem ist die Überernährung. Reinhold Bergler erläutert: „Die meisten Menschen geben ihren Tieren viel zu viel zu fressen und glauben auch noch, dass sie ihnen damit etwas gutes tun.“ Außerdem haben viele Hundebesitzer große Schwierigkeiten mit der Erziehung ihres Schützlings. Dennoch haben gerade Hunde viele Vorteile, wenn es um psychologische Probleme bei Kindern oder älteren Menschen geht, denn sie können beispielsweise pädagogische und therapeutische Funktionen für Kinder übernehmen, etwa wenn es um Schulprobleme, Scheidungskrisen oder andere Familienschwierigkeiten geht.

Haustiere heben die Lebensqualität

Wie verschiedene Studien beweisen, kann ein Hund ganz allgemein einen positiven Beitrag zur Lebensqualität des Hundehalters beitragen. Reinhold Bergler erklärt: „Er fördert Verantwortungsbewusstsein, Kommunikation und Problemlösungsfähigkeit, vermittelt seelische Ausgeglichenheit und Wohlbefinden.“ Sein Forscherteam konnte nachweisen, dass Haustiere für Rollstuhlfahrer, Senioren, Kranke und Blinde eine wichtige Rolle auch als soziale Katalysatoren spielen. Das gilt nicht nur für Hunde oder Katzen, sondern auch für Wellensittiche.

Von Hans Klumbies

Post Comment