Der neurotische Mensch besteht für Karen Horney aus einer Fülle von Charakterdeformationen, aus dem sich die ganze Vielfalt der neurotischen Symptome entwickeln. Es gibt allerdings auch symptomarme und symptomlose Neurosen, die ebenso gravierend für den Betroffenen sein können, wie jene Krankheiten, die sich durch auffällige Zwangshandlungen, hysterische Anfälle oder Angstzustände auszeichnen. Die Übergänge vom normalen Menschen zum Neurotiker können laut Karen Horney fließend sein. Ähnliche Einstellungen finden sich sowohl beim gesunden als auch beim kranken Menschen. Beim Neurotiker tritt allerdings eine eigenartige Starrheit auf, die ihn ernstlich bei seiner menschlichen Entwicklung behindert.
Erziehung
Bei der Fremdbetreung von Kindern sollte Qualität die Norm sein
Die Debatte über die frühe Fremdbetreuung von Kindern polarisiert in Deutschland laut Jörg M. Fegert wie in kaum einem andern Land. Er macht darauf aufmerksam, dass man in der englischsprachigen Debatte von „early child care“ spricht. Der Begriff „care“ schließt jenes führsorgliche Beziehungselement ein, das für gelingende Betreuung und für eine gute Entwicklung eines Kindes eine grundlegende Voraussetzung ist. Jörg M. Fegert fügt hinzu: „Unstrittig ist in diesem Zusammenhang, dass die Entwicklungschancen und –risiken eines Säuglings oder Kleinkinds von der Qualität früher Bindungen bestimmt werden, allem voran von der Feinfühligkeit der zentralen Bezugsperson (caregiver).“ Professor Dr. Jörg M. Fegert ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm sowie Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
Christa Schirl weist auf die wichtige Rolle der Väter hin
Christa Schirl ist fest davon überzeugt, dass sowohl Mütter als auch Väter für eine gesunde Entwicklung der Kinder wichtig sind. Die Psychologin erklärt: „Vaterlos aufwachsende Kinder können Einschränkungen in ihrer Identitäts- und Selbstwertentwicklung, in ihrer Bindungs- und Beziehungsfähigkeit aufweisen.“ Für Christa Schirl gibt es keinen wichtigen oder unwichtigen Elternteil. Zudem bedauert sie sehr, dass viele Väter gar nicht wissen, wie wichtig sie bei der Erziehung ihres Nachwuchses sind. Die Väter sind deshalb für die Identitätsentwicklung so bedeutsam, da eine der biologischen Grundaufgaben des Vater-Seins im Schützen und Anerkennen der Kinder liegt. Christa Schirl ist Klinische und Gesundheits-Psychologin sowie Psychotherapeutin des Kinderhilfswerks. Außerdem hat sie eine eigene Praxis.
Uwe Böschemeyer hilft beim Erkennen des eigenen Ichs
Der Mensch soll sich laut Uwe Böschemeyer auf das besinnen, was er ist. Er ist seiner Meinung nach kein nur von den Genen, der Erziehung, der Mitwelt oder der Zeit gesteuertes bestimmtes, fixiertes, abhängiges Wesen. Sondern jeder Mensch trägt die Fähigkeit in sich, dem Besten im Leben zu folgen: der Freiheit, der Liebe und dem Glauben an eine sinnvolle Welt. Im Jahr 1975 erwarb Uwe Böschemeyer bei Prof. Viktor Frankl sein Zertifikat in Logotherapie und Existenzanalyse. 1982 gründete er das Institut für Logotherapie in Hamburg. Die Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Wertimagination und die Wertorientierte Persönlichkeitsbildung.
Karl Abraham studiert die Impotenz und die Frigidität
Karl Abraham beschäftigt sich in vielen seiner Schriften mit der Sexualität des Kindes und des Erwachsenen. Er diagnostiziert zum Beispiel bei Männern, die von Ejakulatio praecox betroffen sind, Furcht und Feindseligkeit gegenüber der Frau. Diese Männer haben laut Karl Abraham meistens Angst, die Partnerin durch aktive oder aggressive Handlungen zu schädigen, weshalb sie sich den Frauen gehemmt, zögernd und schüchtern nähern. Für Karl Abraham spiegelt sich die Deformation des sexuellen Aktes in der Deformation der Beziehung wider.
Anna Freuds kritische Psychoanalyse für Pädagogen
Anna Freud ist ein entschiedener Gegner des Vererbungswahns, der alle Eigenschaften des Kindes auf biologische Dispositionen zurückführen will. Die Gesellschaft erntet dann in der Psychopathologie und im späteren Leben der Kinder als Erwachsene, was die Eltern in der Kinderstube gesät haben. Die Kindheit ist laut Anna Freud entscheidend für das spätere Leben des Menschen, wobei die Erziehung unmittelbar nach der Geburt beginnt.
Idealtypen bilden die Charakerlehre des Fritz Künkel
Fritz Künkel sieht in der Erziehung die charakterbildende Macht par excellence, da jeder Mensch lebenslänglich die Spuren seiner frühen Sozialisation mit sich herumträgt. Man kann einen Charakter nur dann in seinem Innersten verstehen, wenn man die Kindheitsbedingungen kennt, die ihn geprägt haben. Psychologisch gesunde Menschen können seiner Ansicht nach allerdings kaum typologisch fixiert oder erfasst werden.
Ein Kind kann nur in der Gemeinschaft existieren
Die Gemeinschaft setzt laut Alfred Adler eine Anzahl von Forderungen und beeinflusst dadurch alle Normen und Formen des Lebens eines Menschen, somit auch die Entwicklung seines Gehirns. Bei der langsamen Entwicklung des Kindes lässt sich feststellen, dass an die Entfaltung menschlichen Lebens nur gedacht werden kann, wenn eine schützende Gemeinschaft vorhanden ist. Das Kind, das so sehr der Hilfe der Gemeinschaft bedarf, findet sich einer Umgebung gegenüber, die nimmt und gibt, fordert und erfüllt. Es sieht sich mit seinen Trieben vor gewissen Schwierigkeiten, deren Überwindung ihm Pein verursacht.
Gute Mütter sollen liebevoll und konsequent erziehen
In ihrem Buch „Wie viel Mutter braucht ein Kind“ geht Lieselotte Ahnert der Frage nach, ob es die perfekte Mutter überhaupt gibt. Die Entwicklungspsychologin erklärt, dass sich viele Mütter damit abmühen, das eigene Leben nach der Geburt eines Kindes so neu zu organisieren, um es an die Bedürfnisse des Nachwuchses anzupassen. Doch das ist für Lieselotte Ahnert der falsche Weg.
C. G. Jung lehnt die Theorie vom Ödipuskomplex ab
C. G. Jung schloss sich 1907 mit großem Enthusiasmus der Psychoanalyse Sigmund Freuds an. C.G. Jung stand unter dem Einfluss romantischen und religiösen Schriften und versuchte diese geistigen Strömungen in seine psychoanalytische Theorie und Praxis einzuarbeiten. Eine erste Abgrenzung zur Psychoanalyse Sigmund Freuds vollzog er mit dem Buch „Versuch einer Darstellung der psychoanalytischen Theorie“, das 1912 erschien.