Wenn ein Mensch einen sicheren Ort verliert, brechen bei ihm heftige Emotionen aus. Es mischen sich dabei Trauer und Angst, woraus oftmals auch das Bedürfnis entsteht, innezuhalten und abzuwarten. In manchen Fällen verleugnen die Betroffenen sogar den Verlust und geben sich der trügerischen Hoffnung hin, dieser werde wie durch magische Kräfte wieder aufgehoben und alles würde wieder so sein wie zuvor. Die Trauerreaktion ist laut Wolfgang Schmidbauer biologisch sinnvoll. Die Menschen werden motiviert, sich anzustrengen, Heimaten zu erhalten, wichtige Menschen an sich zu binden, nicht leichtfertig aufzugeben, was ihnen Geborgenheit vermittelt. Wolfgang Schmidbauer schreibt: „Trauer benötigt Zeit und Raum, um die Veränderungen zu klären, welche durch den Verlust entstehen: Sie bringen ja nicht nur Mangel, sondern auch Gewinn.“ Wolfgang Schmidbauer arbeitet neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch als Lehranalytiker und Paartherapeut in München.
Emotionen
Bei der Fremdbetreung von Kindern sollte Qualität die Norm sein
Die Debatte über die frühe Fremdbetreuung von Kindern polarisiert in Deutschland laut Jörg M. Fegert wie in kaum einem andern Land. Er macht darauf aufmerksam, dass man in der englischsprachigen Debatte von „early child care“ spricht. Der Begriff „care“ schließt jenes führsorgliche Beziehungselement ein, das für gelingende Betreuung und für eine gute Entwicklung eines Kindes eine grundlegende Voraussetzung ist. Jörg M. Fegert fügt hinzu: „Unstrittig ist in diesem Zusammenhang, dass die Entwicklungschancen und –risiken eines Säuglings oder Kleinkinds von der Qualität früher Bindungen bestimmt werden, allem voran von der Feinfühligkeit der zentralen Bezugsperson (caregiver).“ Professor Dr. Jörg M. Fegert ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm sowie Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.
Rolf Dobelli hält den Neid für die idiotischste aller Emotionen
Von allen Emotionen ist für Rolf Dobelli der Neid die idiotischste, weil sie eigentlich relativ einfach auszuschalten ist. Neid entzündet sich laut Rolf Dobelli an vielen Dingen wie beispielsweise Status, Besitz, Jugend, Gesundheit, Fähigkeiten, Schönheit oder Popularität. Neid wird oft mit Eifersucht verwechselt, weil die körperlichen Reaktionen fast gleich ausfallen. Es gibt allerdings einen Unterschied. Der Neid benötigt nur zwei Menschen, die Eifersucht mindestens drei. Er gibt aber auch eine komische Seite am Neid. Rolf Dobelli schreibt: „Das Lustige am Neid: Wir beneiden vor allem jene, die uns in puncto Alter, Beruf und Lebensart ähnlich sind.“
Die zehn Formen der positiven Lebenseinstellung
Eine positive Grundhaltung kann laut Barbara L. Fredrickson vielerlei Gestalt annehmen. Sie umfasst allerdings mehr als bloßes körperliches Wohlbefinden oder ein undeutliches Gefühl der Fröhlichkeit. Der Begriff „glücklich sein“ ist ihrer Meinung nach ebenso unscharf wie überstrapaziert. Je nachdem wie die genauen Umstände aussehen, lässt sich dieses Gefühl besser durch einen besseren, spezifischeren Ausdruck wie zum Beispiel „Freude“, „Dankbarkeit“ oder „Liebe“ beschreiben. „Glücklich sein“ ist für Barbara L. Fredrickson ein Allgemeinplatz, der viel zu vage ist, um Menschen von Nutzen zu sein.
David Schnarch erklärt die vier Aspekte der Balance
Die vier Aspekte der Balance beeinflussen nicht nur das sexuelle Verlangen eines Menschen, sondern entscheiden darüber, wie das Verlangen zum Ausdruck gelangt. Wie das stabile Selbstempfinden wirken sie sich zudem auf den Umgang mit Kindern, Freunden, Eltern und Arbeitskollegen aus. Als ersten Aspekt der Balance nennt David Schnarch das stabile und flexible Selbst, das dem Menschen Klarheit darüber vermittelt, was er will und welche Ziele er hat – insbesondere wenn der Partner ihn dazu drängt, sich seinen Vorstellungen anzupassen.
Jeder Mensch hat die Veranlagung zur Empathie
Ein Individuum kann durchaus mit einem anderen mitfühlen und sich in seine Emotionen hineinversetzen. Da Frans de Waal die Menschen als Tiere betrachtet, darf man seiner Meinung nach auch die Erkenntnisse der Tierforschung auf den Menschen übertragen. Er sagt: „Sie mögen komplizierte Tiere sein, aber bei Veranlagungen, die wir mit vielen anderen Tieren teilen – Wettbewerbsstreben, Dominanz, Empathie, Altruismus, Territorialität – ist schwer vorstellbar, dass sie nichts mit unserer Evolution zu tun haben sollen. Das neueste Buch von Frans de Waal heißt „Das Prinzip Empathie. Was wir von der Natur für eine bessere Gesellschaft lernen können“ ist kürzlich im Hanser Verlag erschienen.
Daniel Goleman beschreibt den Untergang einer Ehe
Die quälenden Einstellungen einer Dauerkrise in einer Ehe, die häufig emotionale Entgleisungen auslösen, erschweren es den Ehepartnern, die dadurch hervorgerufene Kränkung und Wut wieder zu vergessen und führen im Endeffekt zur Ehescheidung. „Für eine Ehe fängt das Problem dort an, wo der eine oder andere sich fast ständig überflutet fühlt. Der eine Partner fühlt sich dann von dem anderen unterdrückt, ist ständig auf der Hut vor einem emotionalen Angriff oder einer Ungerechtigkeit, wird überwach für jedes Anzeichen eines Angriffs, einer Beleidigung oder eines Beschwerdegrundes und wird auf das geringste Anzeichen hin mit Sicherheit überreagieren“, erklärt Daniel Goleman.
Melanie Klein entwickelt die Psychoanalyse des Kindes
Laut Melanie Klein ist die erste Objektbeziehung des Kindes die Mutterbrust, die den Mittelpunkt sämtlicher Emotionen des Babys bildet. Die Säuglinge idealisieren die Brust als Quelle von Liebe und Nahrung und fühlen sich von ihr bestraft, wenn ihr Verlangen danach nicht direkt befriedigt wird. Diese zwiespältigen Gefühle lösen zum ersten Mal im Leben Angst aus. Diesen Zwiespalt bezeichnet Klein als paranoid-schizoide Position.
Psychosomatische Erkrankungen kommen aus der Seele
Erwin Ringel erklärt: „Das, was psychisch krankmachend wirkt, sind bestimmte Gefühle, nicht der rationale, sondern der emotionale Bereich ist hier entscheidend. Dies unterstreicht die Bedeutung eines gesunden Gefühlslebens auch für die körperliche Gesundheit.“ Die entscheidende Schaltstelle zwischen Seele und Körper ist für Erwin Ringel das vegetative oder autonome Nervensystem. Dieses beherrscht alle Funktionen, die sich der Willkür des Menschen entziehen.
Daniel Goleman rät zu Klugheit in der Lebensführung
Eine gewisse Selbstbeherrschung, das Vermögen, den Gefühlsirritationen, die durch Schicksalsschläge hervorgerufen werden, stand zu halten, statt ein Sklave der Leidenschaften zu sein, gilt seit den Zeiten Platons als Tugend. Die alten Griechen benutzen dafür das Wort „sophrosyne“, was frei übersetzt so viel bedeutet wie Sorgfalt und Klugheit in der Lebensführung, in der eine maßvolle Ausgeglichenheit und Weisheit regieren. Die Römer und die frühen Christen nannten diese Lebenseinstellung „temperantia“, die Mäßigung und Zügelung des Überschwangs der Gefühle. Daniel Goleman schreibt: „Das Ziel ist Ausgeglichenheit, nicht Unterdrückung der Gefühle: Jedes Gefühl hat seinen Wert und seine Bedeutung. Ein Leben ohne Leidenschaft wäre eine öde Wüste der Gleichgültigkeit, abgeschnitten vom Reichtum des Lebens selbst.“