Nur der Mensch hat die Freiheit der Wahl

„Der Mensch ist in seinem Tun und Wollen frei. Er kann zwischen richtig und falsch, gut und schlecht, passend oder unpassend wählen und übernimmt dafür die Verantwortung“, sagt zumindest die Philosophie. „Moment mal“, sagt die Hirnforschung, „das stimmt so nicht!“ Forschungsergebnisse scheinen zu belegen, dass das menschliche Gehirn schon Entscheidungen trifft, bevor das Bewusstsein überhaupt davon Notiz nimmt. Andere Wissenschaftler wiederum behaupten, eine vermeintlich vorbestimmte Handlung könne noch willentlich und aktiv gestoppt werden. Anja Förster und Peter Kreuz versuchen herauszufinden, wie sich der freie Wille – falls er existiert – im Alltag äußert: „Wir versuchen es mit einer Annäherung, indem wir die Willensfreiheit in Zusammenhang mit den Begriffen Handeln und Verhalten setzen.“ Anja Förster und Peter Kreuz gehören zu einer neuen Generation von Vordenkern für Wirtschaft und Management.

Jede Handlung ist eine Entscheidung gegen Alternativen

Es ist ein himmelhoher Unterschied, ob ein Mensch handelt oder sich nur verhält. Wenn man bei der Sache ist, achtsam und selbstbestimmt tut, was man will, dann handelt man. Wer nur Schmerz vermeidet und Lust erhöht, der verhält sich nur. Dagegen ist jede Handlung eine Wahl, eine Entscheidung gegen Alternativen. Denn handeln ist niemals alternativlos, prinzipiell nicht, auch wenn das manche Politiker gerne behaupten. Das heißt, jedes Individuum wählt täglich. Viele Menschen haben das entweder nicht erkannt oder komplett vergessen.

Ihnen ist einfach nicht bewusst, dass sie über ihre Lebensumstände täglich neu entscheiden. Dass sie ihr alltägliches Leben auch abwählen könnten, wenn sie wollten. Dass sie kündigen, umziehen, Schluss machen, Nein sagen könnten. Und dass sie, wenn sie es nicht tun und einfach weiter mitspielen, das dann aus Gründen tun, für die sie selbst verantwortlich sind. Anja Förster und Peter Kreuz ergänzen: „Das Wie und das Was, mit dem Sie heute Ihre Zeit verbringen, ist also das Ergebnis der Summe Ihrer früheren Entscheidungen.“

Die knappste Ressource eines Menschen ist die Zeit

Anja Förster und Peter Kreuz fahren fort: „Erst die Fähigkeit und Möglichkeit, Ja oder Nein zu sagen, macht uns zu Menschen!“ Diese Freiheit der Wahl macht den Menschen also aus. Wer sich diesem Gedanken gegenüber öffnet, hat gute Chancen, sich aus dem Klammergriff des „Schicksals“ oder der „Umstände“ zu befreien. Allerdings ist die Zeit die knappste Ressource eines Menschen, denn die Uhr des Lebens tickt. Deshalb ist die wichtigste Entscheidung unter allen Entscheidungen, die man trifft, die darüber, wie man die verbleibende Lebenszeit verwendet.

Zum Beispiel ist Fernsehen so gut wie keine Handlung, sondern ein Verhalten. Warum? Weil die Fernsehenden meistens auf die Entscheidung über das Fernsehen verzichten. Das Perfide dabei ist: Die Gewohnheit wirkt wie eine Droge. Das Belohnungszentrum im Gehirn steuert über die Ausschüttung von Dopamin, dass man im Verhalten hängen bleibt. Es fühlt sich angenehm an. Es schläfert ein. Und mit der Zeit wird es immer schwieriger, Nein zu sagen. Viele Menschen sind sich ihrer Wahlfreiheit gar nicht mehr bewusst. Sie haben die Wahl, ober sie vor der Glotze sitzen wollen oder etwas anderes tun wollen. Quelle: „Nein“ von Anja Förster und Peter Kreuz

Von Hans Klumbies

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