Hans-Peter Nolting stellt Elemente einer guten Gesprächsführung vor

Zu einem konstruktiven Konfliktgespräch gehört, dass man einige Verhaltensweise beherzigt und einige andere vermeidet. Hans-Peter Nolting rät: „Zu vermeiden ist vor allem ein Hin und Her von gegenseitigen Schuldzuweisungen und eigenen Rechtfertigungen.“ Zwar ist es emotional verständlich, dass man nicht die eigenen Wünsche und Verhaltensweisen als Problem empfindet, sondern die des anderen, doch meist sieht der Kontrahent dies spiegelbildlich genauso. Daher verbessert sich die Ausgangsbasis für eine Verständigung erheblich, wenn man sich von der Sichtweise „Du bist das Problem“ löst und sie weitgehend durch die Ansicht „Wir haben ein Problem“ ersetzt. Was das konkrete Verhalten im Gespräch anbelangt so ist es hilfreich, vor allem zwei Leitlinien zu beherzigen. Dr. Hans-Peter Nolting beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Themenkreis Aggression und Gewalt, viele Jahre davon als Dozent für Psychologie an der Universität Göttingen.

Die Mimik und die Körperhaltung bestimmen das Gesprächsklima

Erstens Ich-Aussagen statt Du-Aussagen zu machen und zweitens viel zuzuhören, statt aufeinander einzureden. Hinzu kommt noch etwas, nämlich der nonverbale Ausdruck. Man kann dem Gesprächspartner mit aufmerksamem, interessiertem Blick zuhören oder aber zurückgelehnt mit süffisantem Lächeln. Hans-Peter Nolting betont: „Der Ton, die Mimik, die Körperhaltung bestimmen ganz entscheidend das Gesprächsklima.“ Eine übereinstimmende Empfehlung zahlreicher Konfliktexperten lautet: „Sprich nicht von deinem Gegenüber, sondern sprich vor allem über deine eigenen Empfindungen, Wünsche und Gedanken.

Zu diesem Muster gehört auch das offene Mitteilen von Gefühlen wie Ärger, Unmut und Enttäuschung. Mit Aussagen über die eigenen Empfindungen äußert man sich offen und deutlich, doch ohne anzugreifen und herabzusetzen. Man beschreibt einfach eine innere Realität und sagt nichts darüber, wer an diesen Empfindungen „schuld“ ist. Im Prinzip können auch die eigenen Vorlieben, Abneigungen und Empfindlichkeiten daran „schuld“ sein. Dennoch ist es denkbar, dass der Gesprächspartner unterschwellige Schuldzuweisungen heraushört.

Gutes Zuhören erfordert viel Selbstdisziplin

Aber gewöhnlich wird er bei der Beschreibung der eigenen Gefühle nicht so leicht mit Abwehr und Gegenangriffen reagieren. Ein häufiges Missverständnis besteht allerdings darin, dass allein schon der Gebrauch des Wortes „Ich“ eine Äußerung zu einer „Ich-Aussage“ mache. Häufig wird man sich nicht auf Ich-Aussagen beschränken können, sondern sich auch über den Gesprächspartner äußern wollen. Dann empfiehlt Hans-Peter Nolting, spezifische statt pauschale Aussagen zu machen. Konkrete Rückmeldungen zu konkretem Verhalten treffen das Selbstwertgefühl nicht so hart wie die Zuschreibung negativer Eigenschaften.

Hans-Peter Nolting betont: „Im direkten Gespräch trägt kaum etwas so sehr zum inhaltlichen Verstehen und zu einem positivem Klima bei wie gutes Zuhören.“ Dafür braucht man mehr als nur gesunde Ohren, denn Zuhören ist nicht ein passives Aufnehmen, sondern eine Aktivität, manchmal sogar eine anstrengende. Und weil in einem Konfliktgespräch jede Seite sehr damit beschäftigt ist, eigene Anliegen und Argumente vorzutragen, erfordert das Zuhören hier auch weit mehr Selbstdisziplin als in einem Plausch. Quelle: „Psychologie der Aggression“ von Hans-Peter Nolting

Von Hans Klumbies

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