Die Zufriedenheit ist das eigentliche Glück des Menschen

Da fast alle Menschen nach dem Glück streben, sollte man sich die Frage stellen, ob dieses überhaupt erstrebenswert ist. „Nein“, sagt der Psychiater Hans-Otto Thomashoff, da das Glück nur einen Moment währt, während die Zufriedenheit ein dauerhafter Zustand sein kann. Er plädiert dafür das Glück als Lebensziel Nummer 1 zu ersetzten: „Alle Menschen wollen glücklich sein. Und sitzen dabei einem Irrglauben auf: Glück ist flüchtig. Anders die Zufriedenheit. Zufriedenheit ist das eigentliche Glück. Sie kann von Dauer sein.“ Die Zufriedenheit hat allerdings ein Image-Problem: Sie ist nicht sehr sexy. Das Wort allein vermittelt keine ekstatischen Glücksgefühle, keinen Kick. Das neue Buch von Hans-Otto Thomashoff, der in Wien eine Praxis betreibt, heißt: „Ich suchte das Glück und fand die Zufriedenheit. Ein spannende Reise in die Welt von Gehirn und Psyche.“

Das Glück wird von dem Botenstoff Dopamin gesteuert

„Zufrieden sein“ klingt unspektakulär – ein wenig nach Stillstand. Dabei hat die Hirnforschung längst bestätigt, dass Glück im Gegensatz zu Zufriedenheit kein dauerhafter Zustand sein kann. Hans-Otto Thomashoff liefert die biochemische Begründung: „Glück wird von dem Transmitter (Botenstoff) Dopamin gesteuert, der dann ausgeschüttet wird, wenn ein positives Ereignis erwartet wird. Zuerst gibt´s ein kurzes Feuerwerk, dann verebbt das Ganze. Wenn ich diesem Glück dauernd nachhetze, bin ich irgendwann gestresst und keineswegs zufrieden.“

Wenn ein Mensch zufrieden ist, tritt ein Belohnungseffekt ein, wenn die Bedürfrzmittel) ausgelöst und dauerhaft hergestellt. Hans-Otto Thomashoff erklärt: „Zufriedenheit bedeutet, etwas erreicht zu haben, in guten Beziehungen zu leben, und das dauerhaft.“ Für ein zufriedenes Leben müssen also bestimmte seelische Bedürfnisse gedeckt sein. Die zwei essentiellen Bausteine lauten: gute, stabile Beziehungen pflegen und aus eigenem Antrieb etwas bewirken.

Die Killer der Zufriedenheit sind Konflikte und unverarbeitete Traumata

Hans-Otto Thomashoff erläutert: „Das führt im Gehirn eher zu einem Belohnungseffekt als der reine Genuss.“ Der dritte Baustein ist ein ausgeglichener Stresshaushalt. Der Psychiater betont: „Wenn ich diese drei Bereiche abdecke, ergibt sich ein gutes Leben von selbst. Die oft gepriesene Suche nach dem Sinn des Lebens erübrigt sich. Ich habe festgestellt, dass bei den Leuten, die nach Sinn suchen, einer dieser drei Bereiche r das Fehlen verlässlicher Bindung in ihrer frühen Kindheit. Quelle: Kurier

Von Hans Klumbies

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