Die Generation Z sucht einen Sinn im Job

Die Angehörigen der Generation Z, die zwischen 1997 und 2012 zur Welt gekommen sind, arbeitet nicht, um Geld zu verdienen. Sondern sie wollen in ihrem Job Sinn finden und stiften. Sie lehnen klassische Hierarchien und ihre Machtspielchen ab. Und damit ihre direkten Vorgesetzten, von denen sie verlangen, dass sie „besser“ sein müssen. Ingo Hamm erklärt: „Ein Chef erhält von dieser Generation nicht mehr Respekt aufgrund seiner Position, sondern nur noch Anerkennung für etwaige Sinnstiftung. Früher haben die Gläubigen das von Pfarrer, Kirche und Papst erwartet. Oder vom Kommen des Messias. Das ist kein Witz.“ Das hat bereits einen Paradigmenwechsel bei der Bewerbersuche von Unternehmen ausgelöst. Könnte die Sinnfrage, die sich viele Menschen heute stellen, nicht auf ein tiefes liegendes Problem hindeuten? Ingo Hamm ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt.

Der moderne Mensch ist häufig überfordert

Der britische Schauspieler Sir Peter Ustinov sagte einst: „Sinn des Lebens: etwas, das keiner genau weiß. Jedenfalls hat es wenig Sinn, der reichste Mann auf dem Friedhof zu sein.“ Warum brauchen Menschen eine mentale Gehhilfe? Eine Krücke braucht nur, wer mit unsicheren Schritten unterwegs ist. Verunsicherung ist das Stigma der Gegenwart. Das verschwiegene, verdrängte, verleugnete, tabuisierte Lebensgefühl der Moderne. Der moderne Mensch ist häufig überfordert.

Er fühlt sich viel zu oft und zu sehr hilflos, verunsichert, ohnmächtig, zweifelnd, furchtsam, geängstigt. Natürlich wird diese Verunsicherung verdrängt, verniedlicht, verleugnet und überspielt. Doch sie existiert. Ingo Hamm stellt fest: „Im Sturm dieser Verunsicherung sucht der Mensch nach einem Felsen in der Brandung, an dem er sich festhalten kann. Früher waren es Religion und Institutionen.“ Was bleibt den Menschen noch, seit beide ihre Verlässlichkeit verloren haben? Der Purpose, also Bestimmung, Zweck und Sinn des Daseins.

Die Menschheit lebt in einer Ära der Angst

Der Purpose scheint nicht nur für die Generation Z der Notanker zu sein, sondern für alle Altersgruppen. Denn nicht nur die jungen Generationen befinden sich oft in finanzieller Sicherheit, sondern große Teile der Republik, die sich mit gut dotierten Jobs auseinandersetzen. Bei denen geht es jedoch um Tätigkeiten oder Unternehmen, die wenig greifbar sind und deswegen nach Erklärung verlangen: dem Purpose. Der arbeitende Mensch ist überfordert.

Und zwar nicht nur mit dem schmerzhaft vermissten Sinn und Zweck seines Jobs, sondern mit Sinn und Zweck seiner Existenz. Ingo Hamm betont: „Eine neue Angst geht um, die lange totgeglaubte Existenzangst.“ Wie Wolfgang Schmidbauer es in seinem Buch „Lebensgefühl Angst“ (2013) formuliert: „Erst lebte der Mensch zehntausende Jahre in einem Zeitalter des Hungers – und seither in einer Ära der Angst.“ Denn der Steinzeitmensch hatte die meiste Zeit „nur“ Hunger, weil es schlichtweg zu wenig zu beißen gab. Quelle: „Sinnlos glücklich“ von Ingo Hamm

Von Hans Klumbies

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