Jungen sind aggressiver als Mädchen, aber auch ängstlicher als sie. Darüber sind sich Ärzte, Psychologen und Biologen einig. In Förderschulen sind die Jungen in der Überzahl, in den Abiturklassen dagegen dominieren die Mädchen. Selbst biologisch sind die jungen Herren der Schöpfung empfindlicher, ihrer Säuglingssterblichkeit ist höher als bei Mädchen. Außerdem sind die Jungs in ihrer frühkindlichen Zeit stärker auf emotionale Nähe angewiesen als ihr weiblicher Widerpart. Frank Dammasch, in Frankfurt Professor für psychosoziale Störungen von Kindern und Jugendlichen erklärt, dass Kinder ihre frühen Ängste durch aggressives Verhalten abwehren und so ihre Ängste bekämpfen.
Mutter
Gute Mütter sollen liebevoll und konsequent erziehen
In ihrem Buch „Wie viel Mutter braucht ein Kind“ geht Lieselotte Ahnert der Frage nach, ob es die perfekte Mutter überhaupt gibt. Die Entwicklungspsychologin erklärt, dass sich viele Mütter damit abmühen, das eigene Leben nach der Geburt eines Kindes so neu zu organisieren, um es an die Bedürfnisse des Nachwuchses anzupassen. Doch das ist für Lieselotte Ahnert der falsche Weg.
Melanie Klein entwickelt die Psychoanalyse des Kindes
Laut Melanie Klein ist die erste Objektbeziehung des Kindes die Mutterbrust, die den Mittelpunkt sämtlicher Emotionen des Babys bildet. Die Säuglinge idealisieren die Brust als Quelle von Liebe und Nahrung und fühlen sich von ihr bestraft, wenn ihr Verlangen danach nicht direkt befriedigt wird. Diese zwiespältigen Gefühle lösen zum ersten Mal im Leben Angst aus. Diesen Zwiespalt bezeichnet Klein als paranoid-schizoide Position.
Falsche Erziehung kann Kinder zu Tyrannen machen
Wenn die Eltern bei der Zuneigung zu ihren Kindern gewisse Fehler begehen, werden sie laut Osvaldo Poli kleine Tyrannen heranziehen. Seiner Meinung nach tun Eltern, die nie nein sagen können und ihren Kindern alles erlauben, nichts Gutes. Oswaldo Poli erläutert: „Die Kinder wachsen ihnen bald über den Kopf oder zu unsicheren Jugendlichen heran, die ihren Weg im Leben nur schwer finden. Eine Mutter, die zu sehr liebt, ist kurz vor dem Zusammenbruch stehend. Sie tut alles für ihre Kinder, selbst wenn sie sich dabei selbst verleugnen muss.
Jesper Juul fordert von den Eltern weniger Nettigkeit
Eine strenge oder weniger strenge Erziehung ist für Jesper Juul weder besser noch schlechter. Familien können ihr Leben ohne die alten Tabus gestalten, aber dann werden neue entstehen. Jede Generation muss seine eigene Identität finden. Für Jesper Juul ist die deutsche Idee, dass Kindheit romantisch, nett oder süß sei, völliger Unsinn. So sind Kinder nicht und das Leben sieht auch total anders aus.
Offene Kommunkation sorgt für seelische Gesundheit
In der Vorgeschichte einer jeden Psychose diagnostiziert Ronald D. Laing ein gewaltiges Defizit an Angenommensein und Bestätigtwerden. Das kann schon in der frühesten Kindheit beginnen, in der Mutter-Kind-Beziehung. Auch im Erwachsenalter kann man schizoide oder hypersensible in psychotische Wesen verwandeln, wenn man ihren fundamentalen Wunsch nach Anerkennung missachtet und sie mit ihrer Frustration alleine lässt.
Das Geheimnis der menschlichen Widerstandskraft
Forscher, die sich der Positiven Psychologie verschrieben haben, erkunden was Menschen stark macht, sprich die Fundamente der psychischen Widerstandskraft. Sie wollen herausfinden, wie Lebenstüchtige persönliche Krisen bewältigen und die Kräfte finden, die sie dafür einsetzen. Diese Menschen haben das Vermögen, Licht am Ende eines dunklen Tunnels zu erkennen, das für die Hoffnungslosen unsichtbar ist. Diese Fähigkeit nennen die Psychologen Resilienz, es ist die Kraft aus einer scheinbar hoffnungslosen Lage wieder den vollen Lebensmut zurückzugewinnen.
Die reife Liebe ist für Peter Lauster reine Selbstfindung
Peter Lauster behauptet zuerst einmal, dass in der Kontemplation und Meditation die Liebe entsteht. Diese Liebe fragt nicht nach Gegenliebe, sondern strömt aus einer Person heraus und umschließt die Umwelt. In diesem Zustand der Liebesfähigkeit ist der Mensch bereit zu lieben, ohne dabei irgendwelche Berechnungen anzustellen. Bei der Liebe zur Natur ist dieser Zustand ganz selbstverständlich. Bei der Liebe zu einem Menschen ist die Sachlage schon etwas schwieriger. Meistens erwarten die Liebenden, dass ihre Liebe erwidert wird. Das Modell für diese Liebe entsteht in der Kindheit, in der Liebesbeziehung zwischen Mutter und Kind.
Eltern sollen vor ihren Kindern nur konstruktiv streiten
Kinder müssen häufig zusehen, wenn die Eltern ihre Konflikte austragen, weshalb viele Eltern nach einer Auseinandersetzung ein schlechtes Gewissen mit sich herumtragen. Wissenschaftliche Studien belegen nämlich, dass ein ständiger Streit zwischen Vater und Mutter für die Nachkommenschaft noch negativere Folgen haben kann, als eine Scheidung der Eltern. Allerdings schadet nicht jeder Streit dem eigenen Nachwuchs. Sabine Franiek von der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg nennt den Grund: „Wenn es in der Familie eine konstruktive Streitkultur gibt, können Kinder davon profitieren und am Modell der Eltern lernen, wie man Konflikte löst.“
Die Liebe gehört zu den Primärtrieben des Menschen
Der Primatenforscher Harry Harlow weigerte sich Begriffe wie „Nähe“ zu benutzen, wenn er „Liebe“ meinte. Er beschrieb die Liebe als wunderbaren Zustand, tief, zärtlich und lohnenswert. Er war der Meinung, dass die Psychologen darin versagt hätten, Liebe und Zuneigung wissenschaftlich zu analysieren. Der Behaviorismus behauptet, menschliche Wesen werden durch ihre primären Triebe wie Hunger, Durst, Auslöschung, Schmerz und Sex motiviert. Andere Motive wie Liebe und Zuneigung gelten als zweitrangig. Harry Harlows Buch „The Nature of Love“ katapultierte diese Theorie auf den Friedhof der Wissenschaften.