Julia Shaw ist Expertin für moralische Blindheit

Geld verändert die Beziehung eines Menschen zur Moral. Julia Shaw erläutert: „Die bloße Existenz von Geld fungiert zusammen mit komplexen Geschäfts- und Vertriebswegen als Puffer zwischen uns und dem Ursprung unserer Produkte. Das kann dazu führen, dass wir uns zutiefst auf unethische Weise verhalten.“ Julia Shaw kann es beweisen. Sie nennt drei Dinge und der Leser muss entscheiden, ob er sie für böse hält. 1. Prostitution. 2. Kinderarbeit. 3. Tierquälerei. Und wie sieht es mit folgendem aus? 1. Pornografie. 2. Ramschware. 3. Massentierhaltung. In vielen Ländern, in denen die Prostitution illegal ist, ist die Pornografie es nicht. Julia Shaw vertritt die Meinung, dass dies ausgesprochen heuchlerisch ist. Julia Shaw forscht am University College London im Bereich der Rechtspsychologie, Erinnerung und Künstlicher Intelligenz.

Die meisten Menschen unterstützen indirekt Kinderarbeit

Soweit Julia Shaw es beurteilen kann, ist Pornografie häufig der Prostitution ähnlich, nur mit einer Kamera dabei. Wenn man jemanden dafür bezahlt, Sex mit einem selbst oder jemand anderen zu haben, handelt es sich um Prostitution, und die ist in den meisten Ländern illegal. Doch wenn man jemanden dafür bezahlt, Sex zu haben, und man filmt das Ganze, dann ist es Pornografie, und die ist in vielen Ländern legal. Wenn überhaupt, ist für Julia Shaw die Pornografie problematischer.

Darüber hinaus lassen die meisten Menschen oft eine entsetzliche Behandlung von Arbeitnehmern zu, um Dinge ein bisschen billiger und komfortabler für sie zu machen, und unterstützen indirekte sogar Kinderarbeit. Julia Shaw klagt an: „Wir erleben einige der verheerenden Folgen unserer Konsumkultur, wenn Fabriken, in denen Telefone hergestellt werden, Fangnetze gegen Selbstmord installieren müssen oder Textilfabriken einstürzen und Hunderte von Menschen töten, weil keine ordnungsgemäßen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden.“

Die Tierhaltung ist eine der größten Quellen des Leids auf der Welt

Doch indem man diesen Vorgängen einen anderen Anstrich gibt und alles mit einem Preisschild versieht, sorgt man dafür, dass sie weit weniger anrüchig erscheinen. Man bekommt diese skandalösen Arbeitsbedingungen nicht direkt mit, sodass es sich anfühlt, als hätten sie nichts mit einem selbst zu tun. Alles was man sehen kann, ist der Preis. Der Verzehr von Fleisch ist ein weiteres umstrittenes Thema in den reichen Gesellschaften des Westens. Doch obwohl viele Menschen Vegetarier und Veganer verächtlich machen, weil sie freiwillig auf Fleisch verzichten, halten sie gleichzeitig Tierquälerei für unmoralisch.

Nicht nur für Julia Shaw ist die Tierhaltung eine der größten Quellen des Leids auf der Welt. Jedes Jahr werden schätzungsweise 70 Milliarden Tiere zur Nahrungsmittelproduktion aufgezogen, die Mehrzahl in Massentierhaltungsbetrieben. Unter schrecklichen Bedingung gehalten, leiden Hühner, Kühe, Schweine und viele andere Tiere, die der Mensch ist, große Schmerzen. Und auch wenn Fische scheinbar keinen Schmerz empfinden können, zumindest nicht auf die Weise, wie wir Menschen es uns vorstellen, können sie depressiv werden. Quelle: „Böse“ von Julia Shaw

Von Hans Klumbies

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