Der Schlaf ist eine große Auszeit

Die wichtigsten Ziele eines Menschen schlafen nie. Sie arbeiten auf unbewusster Ebene im Hintergrund, ohne dass ein Mensch sie lenken oder auch nur zur Kenntnis nehmen müsste. Sie überwachen die Umgebung aufmerksam und halten Ausschau nach allem, was helfen könnte, das Notwendige zu tun. Die Lösungen seiner Probleme fallen einem Menschen dann scheinbar aus heiterem Himmel ein. John Bargh erläutert: „Schlaf ist ein großer Batzen Auszeit, in dem bewusste Aktivitäten auf ein Minimum reduziert sind, und Ihr Geist nutzt diese Zeit, um auf unbewusster Ebene weiter an Problemen zu arbeiten.“ Das Gute ist, dass er dabei manchmal Erfolg hat und eine wegweisende Lösung für ein Problem liefert. Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University, wo er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory leitet.

Das Unterbewusstsein macht auf wichtige Informationen aufmerksam

Das Schlechte ist, dass der Geist einem Menschen zusetzen und Sorgen sowie Ängste auslösen wird, falls er nicht genug Fortschritte mache oder die Zeit knapp ist. Aber er will kein Quälgeist sein, auch wenn es vielleicht manchmal den Anschein hat. Vielmehr hat er einen toten Punkt erreicht, der sich nur durch ein wenig bewusste Arbeit überwinden lässt. Gemeint ist bewusste Arbeit in Gestalt der Aufstellung eines konkreten Plans, wie das betreffende Problem in naher Zukunft gelöst werden kann.

Bewusste und unbewusste Prozesse interagieren miteinander und helfen einander, weil sie gemeinsam etwas erreichen wollen. Das Unbewusste übernimmt dabei auf vielfältige Art und Weise den Staffelstab vom Bewusstsein. Es arbeitet dann weiterhin an einem Problem, nachdem das Bewusstsein daran bezweifelt oder zu anderen Aufgaben übergegangen ist. Zugleich lenken unbewusste Prozesse die bewusste Aufmerksamkeit auf wichtige Informationen. Sie teilen dem Bewusstsein ehrlich mit, ob sie Erfolg haben oder nicht.

Das bewusste Nachdenken hat Grenzen

Manchmal erscheint einem Menschen die Lösung für sehr schwierige Probleme sogar im Traum. Das geschieht aber in der Regel erst, wenn man sich auf bewusster Ebene schon ausführlich mit ihnen herumgeschlagen hat. Selbst die Kreativität ist oftmals abhängig von diesen unbewussten Aktivitäten. Es ist durchaus in Ordnung, „eine Nacht darüber zu schlafen“ oder sich mit etwas anderen zu beschäftigen, nachdem man viel über ein Problem nachgedacht hat.

Es könnte sogar sehr vorteilhaft sein. Das angestrengte bewusste Nachdenken hat nämlich seine Grenzen und ist ermüdend. Darum ist es eine gute Idee, ihm etwas Ruhe zu gönnen, indem man eine Weile etwas anderes macht. Viele Schriftsteller und Denker laden mit Spaziergängen oder anderen Formen körperlicher Bewegung ihre geistigen Batterien auf. Während man mit solchen körperlichen Aktivitäten beschäftigt ist, können Ziele und unbewusste Problemlöser die Auszeit nutzen. Dabei bringen sie oftmals Ergebnisse hervor, zu denen man auf bewusster Ebene nicht oder nur mit Mühe gelangt. Quelle: „Vor dem Denken“ von John Bargh

Von Hans Klumbies

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