Wünsche drücken eine positive Wertung aus

Wünsche mögen sich im Einzelnen ganz unterschiedlich anfühlen und ganz verschiedene Inhalte haben. Ihnen ist aber gemeinsam, dass sie in der Regel eine allgemeine positive Wertung ausdrücken. Wenn man etwas begehrt, schätzt, mag, ersehnt oder erstrebt, dann drückt man damit aus, dass man es gut findet. Philipp Hübl erklärt: „An den vielen Spielarten der Wünsche erkennt man einen wichtigen Unterschied. Viele drücken ein subjektives, phänomenales Erleben aus wie etwa Verlangen, Sehnen, Lust, Appetit, Drang, Gier oder Begehren.“ Andere sind in dem Punkt eher neutral wie Bedürfnis, Neigung, Hang, Interesse und Wollen. Auch die Inhalte scheinen sich zu unterscheiden. Einige sind ganz grundlegend wie „Schokolade essen“, andere setzen viel Wissen und komplexe Handlungsschritte voraus wie „Karriere machen“. Philipp Hübl ist Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart.

Ein Wunsch setzt sich aus Modus und Inhalt zusammen

Man kann diese Unterschiede ganz gut anhand zweier Komponenten eines Wunsches verdeutlichen, nämlich am Modus und am Inhalt. Der Modus ist der des Wünschens, der den Inhalt als etwas Positives bewertet. Alle mentalen Zustände, die sich auf Objekte oder Situationen beziehen, heißen traditionell intentionale Zustände. Benannt hat sie so der deutsche Philosoph Franz Brentano. Intentionalität halten viele Philosophen neben Bewusstsein für das zweite definierende Merkmal des Geistes. Welches der beiden primär ist und welches nur abgeleitet, ist bis heute umstritten.

Philipp Hübl erläutert: „Man kann Intentionalität als das Phänomen charakterisieren, dass mentale Zustände sich auf Objekte oder Situationen beziehen, sie darstellen, abbilden oder Informationen über sie liefern. So ist ein Wahrnehmungseindruck intentional, weil er die Welt abbildet, also in Form einer Abbildung repräsentiert.“ Das der Geist die Welt repräsentiert ist im Universum ein seltenes Phänomen. Denn die meisten Dinge wie Planeten, Wolken, Flüsse oder Atome sind nur für sich da und bilden nichts außerhalb ihrer selbst ab.

Viele Wünsche liegen in einer Mischform vor

Seinen Handlungswunsch, beispielsweise zu singen, kann ein Mensch mit Handlungen befriedigen. Viele Wünsche sind allerdings weiter gefasst. Man hegt sie unabhängig von seinen Handlungen, weil man sie gar nicht durch eigenes Zutun erfüllen kann. Dazu zählt zum Beispiel den Wunsch, dass morgen die Sonne scheint. Einen einfachen Wunsch „Ich will das da“ könnten schon Kinder oder vielleicht sogar einige Tiere haben. Denn in diesem Fall ist das Objekt des Wunsches vielleicht ein Stück Melone, dass der Wünschende gar nicht als „Melone“ kategorisieren muss, um es zu wollen.

Viele Wünsche liegen sicherlich in dieser bildhaften, nichtsprachlichen, genauer nicht propositionalen Form vor oder in einer Mischform aus Begriffen und Vorstellungen, zum Beispiel, wenn man von einer Reise zu den Pyramiden träumt. Nicht nur der Inhalt, auch die Art und Weise, wie man die Wünsche spürt, enthält Informationen, leiste also einen Beitrag zum intentionalen Charakter. Ein Interesse an klassischer Musik scheint den Inhalt nur schwach positiv zu bewerten. Eine Leidenschaft für klassische Musik bildet dagegen eine stärkere Bewertung ab. Quelle: „Der Untergrund des Denkens“ von Philipp Hübl

Von Hans Klumbies

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