Allgemein 

Falsche Erwartungen führen zu Erschöpfung

Erschöpfung hat viel mit falschen Erwartungen zu tun. Wenn durchschnittliche Menschen glauben, ständig ihr ganzes Leben wie Hollywood-Stars posten zu müssen, um mit zehn Likes belohnt zu werden, dann stresst das auf Dauer. Das führt letztlich automatisch zu Enttäuschungen, weil man doch kein Instagram-Star mit Hunderttausenden Followern ist. Andreas Salcher nennt ein anderes Beispiel: „Junge Mütter erwarten oft, dass alles besser wird, sobald die Kinder in die Schule eintreten. Diese Erwartung wird fast immer enttäuscht, da die meisten Kinder in der Schule wesentlich mehr Unterstützung als im Kindergarten brauchen. Arbeiten wird eher noch schwieriger.“ Dr. Andreas Salcher ist Mitgebegründer der „Sir Karl-Popper-Schule“ für besonders begabte Kinder. Mit mehr als 250.000 verkauften Büchern gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.

Jeder ist für seine Erschöpfung selbst verantwortlich

Das österreichische Schulsystem gleicht immer mehr einem Fernlerninstitut mit Anwesenheitspflicht für die Schüler am Vormittag und Nachlernpflicht für die Mütter am Nachmittag, und das schon ab der Volksschule. Deshalb plädiert Andreas Salcher schon lange dafür, dass Mütter, die keine Matura (Abitur) haben, aber zumindest ein Kind bis zur Matura bringen, diese ebenfalls mitverliehen bekommen sollen. Sie haben es sich redlich verdient. Werden Erwartungen an sich selbst oder andere unrealistisch überhöht, dann führt das erst zur Frustration und in der Folge zum Sinnverlust.

Die Psychologin Martina Rammer-Gmeiner meint dazu: „Erschöpfung ist die Folge von Entscheidungen, die Menschen treffen. Es gibt viele belastende Faktoren, aber die harte Wahrheit lautet: Du entscheidest, ob du erschöpft bist.“ Der Drang zur Perfektion wird vielen Frauen in die Wiege gelegt und dann durch die Eltern noch verstärkt. Perfektion ist an sich nichts Negatives. Das eingelernte Rollenverhalten verleitet Frauen oft dazu, jede Aufforderung an sich als Gelegenheit zu sehen, zu beweisen, wie perfekt sie sind.

Männer konzentrieren ihren Perfektionismus eher auf ihren Beruf

Sagt man ihnen: „Du brauchst es mir nur zu sagen, wenn du es nicht schaffst“, löst das bei ihnen den Reflex „Natürlich kann ich das“ aus. Ohne ein schlechtes Gewissen Nein zu sagen, wurde ihnen selten vorgelebt. Priorität haben immer die Bedürfnisse aller anderen. Andreas Salcher fügt hinzu: „Selbst, wenn sie die Kraft für ein Nein aufbringen, belastet sie danach das schlechte Gewissen.“ Ihre eigenen Bedürfnisse geraten in Konflikt mit ihrer Sehnsucht nach Harmonie in der Familie.

Sie müssen lernen, dass sie auch dann geliebt werden, wenn sie einmal Nein zu den Wünschen anderer sagen. Andreas Salcher weiß: „Bei Männern richte sich der Drang zum Perfektionismus eher auf ihre berufliche Laufbahn. Sie strengen sich ungemein an, um die nächste Sprosse auf der Karriereleiter zu erklimmen.“ Denn sie sind überzeugt davon, dass sie sonst von der Gesellschaft nicht anerkannt und von der Partnerin nicht geliebt werden. Manchmal kommen sie auf der Erfolgsleiter sogar weit hinauf, beim Hinunterblicken realisieren sie jedoch, dass die Leiter an der falschen Mauer lehnt. Quelle: „Die große Erschöpfung“ von Andreas Salcher

Von Hans Klumbies

Related posts

Leave a Comment