Reinhard Haller stellt narzisstische Partnerschaften vor

Im Wesentlichen gibt es drei Formen von narzisstischen Partnerschaften. Zunächst findet man da laut Reinhard Haller die Verbindung eines Narzissten – in der Regel ist dies der Mann – mit einem sich unterordnenden, gefügigen, die eigenen Bedürfnisse verleugnende, den Narzissten anhaltend bewundernden Partner. Dies ist die Konstellation, die am häufigsten vorkommt. Reinhard Haller ergänzt: „Der Narzisst hat sich mit der ihm eigenen Sicherheit eine Frau gesucht, die ihn liebt, verehrt und vor allem bewundert, die sich an seiner Originalität entzückt und von seiner Einzigartigkeit tagtäglich aufs Neue begeistert ist.“ Sie betrachtet es, zumindest am Anfang der Beziehung, als außergewöhnliches Glück, dass dieser imponierende Mann gerade sie auserwählt hat. Der Arzt, Psychotherapeut und Bestsellerautor Reinhard Haller arbeitet als Chefarzt in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik mit dem Schwerpunkt Abhängigkeitserkrankungen.

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Die Selbstachtung sorgt für Stimmigkeit im menschlichen Leben

Menschen verfügen über die Fähigkeit, ihr Tun für sich und andere verständlich machen zu können, indem sie Geschichten über ihre Motive erzählen. Das macht ihre Identität aus. Die Menschen sind diejenigen, die Motivgeschichten darüber erzählen, wo sie herkommen, wie sie wurden, was sie sind und was sie vorhaben. In solchen Geschichten entsteht laut Peter Bieri ein Selbstbild, das heißt, ein Bild davon, wie man sich selbst sieht. Peter Bieri fügt hinzu: „Es ist nicht nur ein Bild davon, wie wir sind, sondern auch eine Vorstellung davon, wie wir sein möchten und sein sollten.“ Die Menschen können sich bewertend gegenübertreten und sich fragen, ob sie mit ihrem Tun und Erleben zufrieden sind. Peter Bieri, geboren 1944 in Bern, studierte Philosophie und Klassische Philologie und lehrte als Professor für Philosophie in Bielefeld, Marburg und an der Freien Universität Berlin.

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Die Einsicht in die Unwissenheit ist der Anfang von Weisheit

Die Intuition und die Logik sind wechselseitig aufeinander bezogen und ergänzen sich als Partner. Die Herausforderung des Menschen besteht laut David Brooks darin, diese Partnerschaft zu gestalten, zu wissen, wann ein Mensch dem Unbewussten vertraut, wann er auf das Bewusstsein setzen und wie er den Austausch zwischen den beiden harmonisch bewerkstelligt. Der größte Teil der mentalen Prozesse entzieht sich dem Zugriff des menschlichen Bewusstseins. David Brooks schreibt: „Wir sind uns selbst unser größtes Geheimnis.“ Kein Ereignis lässt sich losgelöst von einem Ort im Fluss der Zeit verstehen. Eine unendliche Zahl vorhergehender Ereignisse, kleinster Ursachen und Dinge wirken sich in unsichtbarer und sichtbarer Weise auf ein bestimmtes Ereignis aus.“

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Michel de Montaigne analysiert das widersprüchliche Selbst

Für den Philosophen Michel de Montaigne sind die Menschen wandelnde Gegensätze: „Schamhaft und unverschämt, keusch und geil, schwatzhaft und schweigsam.“ Denn wer immer sich selbst aufmerksam prüft, entdeckt in seinem Inneren dieselbe Wandelbarkeit und Widersprüchlichkeit. Das philosophische Projekt von Michel de Montaigne lässt sich wie folgt zusammenfassen: Wandlungen beobachten, Widersprüche freilegen und die Selbsterkenntnis vorantreiben. Eine seiner Diagnosen über die Menschen lautet: „Wir gehen nicht, wir werden geschoben wie Treibholz, bald sanft, bald heftig, je nachdem, ob das Wasser aufgewühlt oder ruhig dahinfließt.“ Nichts glaubt Michel de Montaigne den Menschen schwerer als Beständigkeit, nichts leichter als Unbeständigkeit. Im ganzen Altertum findet man seiner Meinung nach kaum ein Dutzend Menschen, die in ihrem Leben stets einer bestimmten Richtschnur gefolgt wären, was doch das Hauptziel der Weisheit ist.

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Selbsthilfetechniken können Panikattacken effektiv überwinden

Gleich am Anfang ihres Buches „Panikattacken meistern und das Leben zurückgewinnen“ stellt Denise F. Beckfield sechzehn Sofortmaßnahmen zur Überwindung einer Panikattacke vor. Das Buch ist in zwölf „Sitzungen“ gegliedert, die den Therapiesitzungen im Rahmen einer persönlichen Behandlung nachempfunden sind. Jede Sitzung baut auf der vorausgegangenen auf und die Übungen am Ende einer jeden Sitzung können den an Panikattacken leidenden helfen, die jeweiligen Inhalte seinen persönlichen Umständen anzupassen. Außerdem gibt es Abschnitte mit „Problemlösungen“, die nützlich sind, um eventuell auftretende Schwierigkeiten zu beheben. Denise F. Beckfield weist darauf hin, dass es immer mehr solide Belege dafür gibt, dass Selbsthilfetechniken, wie in ihrem Buch beschrieben, eine sehr effektive Methode sein können, um Panikattacken zu überwinden. Die Autorin Denise F. Beckfield ist Klinische Psychologin, die sich auf die Behandlung von Angst- und Panikattacken spezialisiert hat.

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Die schamlose Zeit der Kindheit erscheint wie ein Paradies

Der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, hat sich laut Ulrich Greiner zum Thema Scham relativ selten geäußert. Eine Ausnahme macht er in seiner „Traumdeutung“, in der er die Lust von Kindern schildert, sich nackt zu zeigen: „Nur in unserer Kindheit gab es die Zeit, dass wir in mangelhafter Bekleidung von unseren Angehörigen, wie von fremden Pflegepersonen, Dienstmädchen, Besuchern gesehen wurden, und wir haben und damals unserer Nacktheit nicht geschämt. An vielen Kindern kann man noch in späteren Jahren beobachten, dass ihre Entkleidung wie berauschend auf sie wirkt, anstatt sie zur Scham zu leiten.“ Ulrich Greiner war zehn Jahre lang der Feuilletonchef der ZEIT. Als Gastprofessor lehrte er in Hamburg, Essen, Göttingen und St. Louis. Außerdem ist er Präsident der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

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Erwin Ringel erörtert die Rolle der kindlichen Sexualität

Dass die Sexualität zu den am häufigsten und intensivst verdrängten Trieben des Menschen gehört, war für Erwin Ringel eine der wichtigsten Endeckungen von Sigmund Freud. Heute dagegen herrscht in weiten Kreisen die Vorstellung, dass die Kinder engelgleiche Wesen seien, die mit schmutzigen Trieben, insbesondere mit der Sexualität, in Verbindung zu bringen, wird schon fast als Verbrechen bezeichnet.“ Diese Auffassung ist eine Rückkehr in längst überwunden geglaubte Zeiten, in denen eventuelle Spuren von kindlichem Sexualinteresse als ein Symptom schwerer Abnormalität aufgefasst wurden.

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Ein Sinn im Leben sorgt für Sicherheit im Denken und Tun

Sinn ist vor allem ein Gefühl. Er ist kein Index an der Börse des Lebens – er selbst ist die Börse. Der Charakter des Sinns ist zurückhaltend, scheu, niemals aufdringlich oder gar fordernd, kann aber jederzeit zu Heldentaten auflaufen. Das Fehlen eines Sinn-Gefühls lähmt das persönliche Universum, es sorgt dafür, dass Menschen nicht mehr arbeiten können und wollen, es ist Krankheitserreger und Energieräuber und raubt schließlich alle Lebensgeister. Das Nichtvorhandensein von Sinn empfindet Alexander Goebel sogar als lebensbedrohlich. Wenn das Handeln dagegen ein sinnerfülltes Gefühl erzeugt, fühlt sich das angenehm, leicht und tragfähig an. Ein unerschütterliches gutes Gefühl sorgt für Sicherheit im Denken und Tun. Natürlich ist den meisten Menschen klar, dass weder Glück noch Unglück ein durchgehender Zustand sein kann. Alexander Goebel ist seit 40 Jahren erfolgreich im Emotionsgeschäft unterwegs.

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Ärger mit dem Partner gehört zum Alltag in einer Beziehung

Wenn Paare, der Beziehung schon sehr lange gehalten hat, immer wieder streiten, ist das noch lange kein Grund, dass sich die Partnerschaft dem Ende zuneigt, im Gegenteil. Die regelmäßige Auseinandersetzung ist vielmehr ein gutes Zeichen. Solche Ehen halten lange. Immer wieder vom Partner genervt zu sein, beweist schließlich, dass sich beide noch längst nicht gleichgültig sind. Mann und Frau empfinden immerhin noch Gefühle füreinander, auch wenn es momentan gerade ziemlich negative Emotionen sind. Es erfordert ja einen ziemlichen Aufwand, sich über den Partner zu ärgern und sich dann auch noch mit ihm auseinanderzusetzen. Wäre einem der andere egal, würde man die Energie zum Streit ja gar nicht mehr aufbringen. Die roten Alarmleuchten für eine Partnerschaft sollten also erst dann angehen, wenn aus einer lautstarken Beziehung eine leise wird und sich keiner mehr über den anderen aufregt.

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Rotraud A. Perner lotet die Grenzen des Schmerzes aus

Wenn Aggressionen, aus welchen Gründen auch immer, nicht kommuniziert werden kann oder darf, dann bleiben die Komponenten des Aggressionsapparats, insbesondere die Angstzentren, neurobiologisch geladen, mahnt Joachim Bauer, Psychiater, Psychotherapeut und Internist, der an der Universität Freiburg Neurobiologie lehrt. Die Genese, des von ihm als „Gesetz der Schmerzgrenze“ bezeichneten Verhaltensprogramms der Aggression wurzle daher in der Notwendigkeit, Schmerz abzuwehren, körperliche Unversehrtheit zu erhalten und lebenswichtige Ressourcen zu erhalten. Joachim Bauer erklärt: „Wenn die Schmerzgrenze eines Lebewesens tangiert wird, kommt es zur Aktivierung des Aggressionsapparats und zu aggressiven Verhalten. Bei sozial lebenden Lebewesen wie dem Menschen zählen Zugehörigkeit und Akzeptanz zu den lebenswichtigen Ressourcen. Demütigung und Ausgrenzung werden vom menschlichen Gehirn wie körperlicher Schmerz erlebt, sie tangieren die Schmerzgrenze.“ Eigentlich müsste dann der solcherart zu aggressivem Verhalten angestachelte Mensch seine Peiniger attackieren, um seinen seelische und damit neuronale Harmonie wiederherzustellen.

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