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Ärger mit dem Partner gehört zum Alltag in einer Beziehung

Wenn Paare, der Beziehung schon sehr lange gehalten hat, immer wieder streiten, ist das noch lange kein Grund, dass sich die Partnerschaft dem Ende zuneigt, im Gegenteil. Die regelmäßige Auseinandersetzung ist vielmehr ein gutes Zeichen. Solche Ehen halten lange. Immer wieder vom Partner genervt zu sein, beweist schließlich, dass sich beide noch längst nicht gleichgültig sind. Mann und Frau empfinden immerhin noch Gefühle füreinander, auch wenn es momentan gerade ziemlich negative Emotionen sind. Es erfordert ja einen ziemlichen Aufwand, sich über den Partner zu ärgern und sich dann auch noch mit ihm auseinanderzusetzen. Wäre einem der andere egal, würde man die Energie zum Streit ja gar nicht mehr aufbringen. Die roten Alarmleuchten für eine Partnerschaft sollten also erst dann angehen, wenn aus einer lautstarken Beziehung eine leise wird und sich keiner mehr über den anderen aufregt.

Die schlimmsten Waffen sind wüste Beleidigungen

Wer einander so gleichgültig ist, dass ihn die Macken und fremden Ansichten des Partners nicht mehr stören, hat sich emotional längst aus der Beziehung verabschiedet. Bei einem Streit ist allerdings darauf zu achten, dass die gegenseitige Zerfleischung nicht zum Dauerzustand wird. Auch ist es der Gesundheit zuträglicher, nicht bei jedem nichtigen Anlass bis aufs Blut zu streiten. Denn der dauernde Kampf zwischen Paaren schlägt sich schließlich im Körper nieder; jeder Konflikt hinterlässt seine hässlichen Spuren.

Bei einer Auseinandersetzung kommt es allerdings sehr darauf an, wie man streitet. Es geht dabei schlicht darum, den anderen im Konflikt zu entwerten und trotzdem andere Meinungen gelten zu lassen. Idealtypisch heißt das Sätze zu verwenden wie: „Liebling, ich sehe das zwar ausnahmsweise anders als du, aber ich liebe dich trotzdem.“ Die schlimmsten Waffen im Beziehungskampf sind neben wüsten Beleidigungen hingegen Generalisierungen, die mit „nie hörst du …“, „immer machst du …“ oder „ständig glaubst du …“ beginnen.

Verachtung und Abscheu führt zwangsläufig zur Scheidung

Die Psychologen John Gottmann und Robert Levenson von der Universität Berkeley haben herausgefunden, dass sich Paare dann früh trennen, wenn sie einander ständig kritisieren, sich bei  der kleinsten Kritik gleich in eine Abwehrhaltung begeben und weder die Ansichten noch die Gefühle des Partners an sich heranlassen. Der wichtigste Unterschied zu den Paaren, die lange zusammenblieben, war jedoch ihr Verhalten im Streit. Zwar lassen sich negative Gefühle, Wut und Ärger im Konflikt kaum vermeiden.

Bei den Streitenden, die sich in den nächsten Jahren scheiden ließen, waren jedoch nur noch Verachtung und Abscheu füreinander zu erkennen und keine milden, ausgleichenden Worte mehr im Sprachrepertoire. Die liebenswerte Seite an ihrem Partner konnten diese Menschen schon lange nicht mehr wahrnehmen. Der chronische Streit war eher der immer wieder genutzte Anlass, den anderen erneut herabzusetzen und fertigzumachen. Auf Dauer verbindender wirkt, anzusprechen, welches Verhalten am Partner stört, und darüber zu reden, was man vermisst und was verletzt. Quelle: Süddeutsche Zeitung

Von Hans Klumbies

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