Die Jagd nach immer mehr Geld soll die Angst besiegen

Für den Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer ist Geld das zentrale Mittel, um Ängste in den Griff zu bekommen. Die meisten Menschen stehen voller Furcht einer Welt gegenüber, die dem Einzelnen zwar unendliche Möglichkeiten eröffnet, aber auch total unübersichtlich geworden ist. Wolfgang Schmidbauer ist der bekannteste Paartherapeut Deutschlands. Er hat 30 Bestseller über Liebe, Ängste und das Helfersyndrom geschrieben.
Viel Geld macht nicht glücklich

Laut Wolfgang Schmidbauer suchen die Menschen beim Geld ihren Halt, weil es weniger kompliziert als die Religion oder die Familie ist. Er erklärt: „Es hat keine Facetten, sondern verleiht allem einen Wert oder Nichtwert. Jedes Kind versteht das. Eben das macht Geld so überzeugend.“ Das Geld ersetzt auf der einen Seite emotionale Bindungen und ermöglicht auf der anderen Seite Herzlosigkeit. Geld erleichtert gemäß Wolfgang Schmidbauer die Trennung einer Ehe oder Partnerschaft, die Psyche leidet aber dennoch.

Das Glück ist für Wolfgang Schmidbauer nicht an den Besitz von viel Geld gekoppelt. Er erläutert: „Wir leben in einer Luxuswelt. Unsere Autos haben zu viele PS, unser Essen ist zu üppig, die Leute haben Übergewicht, in einem modernen Haushalt wird zuviel Energie verbraucht.“ In Japan zeigt sich seiner Meinung nach, mit wie viel Risiko unser System beladen ist. Die Menschen sollten ihren Verbrauch von Ressourcen generell einschränken.

Geldgier geht mit dem Verlust der Gefühle einher

Werner Schmidbauer behauptet, dass ein Brasilianer, der 200 Dinge besitzt, glücklicher ist als ein Mitteleuropäer mit 10.000 Besitztümern. Er nennt den Grund dafür: „Je mehr einer hat, desto mehr kann er verlieren, desto mehr Ängste plagen ihn.“ Die heutige Generation sehnt sich nach einem ständigen Zustand des Glücks. Da dieser unmöglich zu erlangen ist, sind die Menschen dauerhaft unglücklich.

Werner Schmidbauer ist davon überzeugt, dass Leute, die nur dem Geld nachjagen, mit der Zeit den Zugang zu den eigenen Gefühlen verlieren. Die Herzen in der Gesellschaft verhärten sich. Er sagt: „Geld ist wichtiger als Gefühle. Depressionen sind die Folge.“ Fatal wird es, wenn sich die Gefühle und das Geld vermischen. Wolfgang Schmidbauer erklärt: „Jemand, der vom Partner keine Liebe mehr haben kann, will dafür oft umso mehr Geld.“

Von Hans Klumbies

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