Gerhard Roth: "Der Mensch hat keinen freien Willen"

Für den Verhaltensphysiologen Gerhard Roth ist das Ich eine Täuschung, da es das eine Ich nicht gibt, sondern viele Ichs. Das Ich kann beispielsweise als Gefühl auftreten, wonach das Individuum der Verursacher seiner Handlungen ist. Es hängt laut Gerhard Roth ganz davon ab, welche Gehirnregion aktiv ist, ob sich Menschen als Verursacher ihrer Handlungen fühlen oder nicht. Die Gedanken sind dabei untrennbar mit elektrischen Impulsen verbunden. Gerhard Roth sagt: „Das gilt nicht nur für Gedanken, sondern für jede Aktivität im Gehirn.“ Jeder Gedanke und jedes Gefühl hat eine neuronale Basis.

Drei Faktoren bestimmen das Verhalten der Menschen

Gerhard Roth ist fest davon überzeugt, dass es keine menschliche Willensfreiheit gibt. Wenn der Mensch glaubt, eine Entscheidung zu treffen, ist sie im Gehirn längst gefallen. Dies gelte allerdings nur für einfache Bewegungen. Er stimmt dem Philosophen Arthur Schopenhauer zu, der einst sagte: „Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber nicht wollen, was er will.“ Dennoch sind die Menschen nicht von ihrem Gehirn ferngesteuert, da das Ich ja auch ein Teil des Gehirns ist.

Bei komplexen Situationen oder Aufgaben muss der Mensch überlegen. Gerhard Roth vertritt die These, dass das Verhalten der Menschen durch drei Faktoren bestimmt wird: die Gene, die prägenden Erfahrungen in der frühen Kindheit sowie spätere Erlebnisse und Erziehung. Er gibt zu, dass die frühkindliche Prägung noch bis in die Gegenwart sehr unterschätzt wurde. Traumatische Erfahrungen in der frühen Kindheit können gemäß Gerhard Roth das Gehirn des Kindes nachhaltig verändern und sind später nur noch schwer zu reparieren. Er erläutert: „Grundsätzlich bewirkt aber jede psychische Veränderung auch eine neuronale Veränderung im Gehirn.“

Von Hans Klumbies

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