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Die Psychoanalyse passt zum Kapitalismus

Die freudsche Psychoanalyse war für manche Vertreter der Kritischen Theorie, wenn auch nicht für Erich Fromm, die Theorie der menschlichen Psyche, die jenem Kapitalismus angemessen war, der sich im ausgehenden 19. und im 20. Jahrhundert entwickelte. Stuart Jeffries weiß: „Vor allem erklärten die Vertreter der Psychoanalyse das autonome Individuum zur Chimäre. Weder sind wir frei von unseren biologischen Trieben, noch können wir der Festlegung und Beherrschung durch die Gesellschaftsordnung entkommen.“ Theodor W. Adorno und Max Horkheimer schreiben: „Für den Menschen als Erwerbstätigen wird durch die Hierarchie der Verbände bis hinauf zur nationalen Verwaltung entschieden.“ In der Privatsphäre geschieht dies durch das Schema der Massenkultur, das noch die letzten inwendigen Regungen in Beschlag nimmt. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“.

Die Freundschaft zwischen Erich Fromm und Herbert Marcuse zerbrach

Theodor W. Adorno schreibt: „Während sie [die Revisionisten] unablässig über den Einfluss der Gesellschaft aufs Individuum reden, vergessen sie, dass nicht nur das Individuum, sondern auch die Kategorie der Individualität ein Produkt der Gesellschaft ist.“ Die Dissent-Debatte, die Erich Fromms Verbannung aus der Sphäre der Kritischen Theorie markierte, wurde so erbittert geführt, dass sie der Freundschaft zwischen Herbert Marcuse und Erich Fromm ein Ende setzte.

Jahre später sah Erich Fromm Herbert Marcuse im Zug und ignorierte ihn geflissentlich. Stuart Jeffries stellt fest: „Kränkend für Fromm war außerdem der Umstand, dass der Streit in einer Zeitschrift ausgetragen wurde, für deren Reaktionsleitung er selbst tätig gewesen war.“ Der Dissent-Streit wurde von Fromm wurde von Fromm als hinterhältiger doppelter Dolchstoß empfunden. Sein Biograph wies darauf hin, dass der Meinungsaustausch Fromms Bemühungen um akademische Respektabilität untergraben und ihn in eine marginale Rolle gedrängt habe.

Erich Fromm schrieb bemerkenswert erfolgreiche Bücher

Nach dem Dissent-Debakel machte Erich Fromm einfach weiter und schrieb Bücher, in denen er sich für jene Art von sozialistischem Humanismus einsetzte, den seine Kollegen für unmöglich hielten. Stuart Jeffries betont: „Mit vielen dieser Bücher errang er bemerkenswerte Erfolge.“ Erich Fromm verbrachte den Großteil seines Lebens nach der Auswanderung im Jahr 1933 bis zu seinem Tod 1980 in den Vereinigten Staaten. Doch 1950 nahm er eine Stelle an der Autonomen Universität in Mexico City an.

Es fällt schwer, Erich Fromms erfolgreichstes Buch „Die Kunst des Liebens“ nicht vor dem Hintergrund seiner Jahre in Mexiko zu lesen, dem Tod seiner Ehefrau und seinem Leiden daran. Stuart Jeffries erläutert: „Er schrieb das Buch zum Teil, um der zunehmend sich ausbreitenden Vorstellung entgegenzutreten, dass der Aufbau einer Beziehung keine Arbeit verlange. Liebe wurde wie alles andere auch vom Konsumkapitalismus vergiftet, verdinglicht und ihrer potentiell verstörenden Gewalt beraubt.“ Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries

Von Hans Klumbies

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