Eine Begegnung kann zu Projekten führen

Eine Begegnung kann auch der Ausgangspunkt für ein Projekt sein. Nicht so sehr die Welt des Anderen interessiert einen, dafür aber all das umso mehr, was man gemeinsam aufbauen kann. Charles Pépin erläutert: „Das Zeichen der Begegnung ist hier die Erregung, die dieses Projekt in uns hervorruft. Die Lust loszulegen, sich augenblicklich einzubringen, die Gewissheit, dass wir ein gutes Team bilden und gemeinsam Großes zustande bringen werden.“ Die Begegnung mit dem Anderen verleiht dem eigenen Selbst Flügel. Das lässt sich nicht erklären, sondern man erlebt es, nimmt es wahr, fühlt es. Die Begegnung weckt einen Wunsch, eröffnet ein Feld von Möglichkeiten, das man beackern muss. Charles Pépin ist Schriftsteller und unterrichtet Philosophie. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

Die Liebe beginnt oft mit einer Verwirrung

Für die Beziehungswesen, welche die Menschen sind, ist der Einsatz in einem Projekt oder für eine Sache sehr oft durch Begegnungen bedingt. Stärke besitzen, bedeutet, den anderen Stärke zu geben, und nicht, sie ihnen zu nehmen. Viele Menschen sehnen sich nach einem kollektiven Abenteuer, das sie stärker macht. Dank dieses Abenteuers wächst man über sich hinaus. Man wird etwas erschaffen, das größer ist als man selbst. Liebesbegegnungen dagegen beginnen oft mit einer Verwirrung, mit dem Gefühl von Evidenz oder mit einer wunderbaren Neugier auf den Anderen.

Später können sie sich vertiefen, neuen Schwung bekommen und sogar eine andere Wahrheit finden. Wenn beide die Lust verspüren, sich gemeinsam in ein Abenteuer zu stürzen. Nämlich ein Kind haben, eine Familie gründen oder erst einmal zusammenzuziehen. Also das eigene Zuhause verlassen, um ein gemeinsames Zuhause zu schaffen. Charles Pépin ergänzt: „Manchmal möchten wir unsere komfortablen Gewohnheiten nicht aufgeben und ziehen ein Leben vor, das um unsere Individualität, unsere Sorgen und Wünsche herum zentriert ist.“

Der Andere öffnet das Tor zur Zukunft

Die Aussicht auf ein Leben zu zweit oder darauf, eine Familie zu gründen, macht diesem Individualisten mehr Angst als alles andere. Es kann sogar abstoßend wirken. Man sieht darin nur einen Haufen Zwänge und Verantwortung, die man nicht willens oder bereit ist, auf sich zu nehmen. Aber wen man die Richtige oder den Richtigen trifft, schwinden alle Bedenken und Hemmungen, lösen sich alle Befürchtungen in Luft auf, verflüchtigen sich die Ängste. Das Zeichen der Begegnung ist hier das Gefühl einer neuen Freiheit.

Jetzt möchte man das Abenteuer wagen. Weil man nicht mehr allein ist. Weil man den richtigen Menschen gefunden hat, ist das Wagnis nicht mehr so beängstigend, sondern aufregend. Charles Pépin erläutert: „Nach der Begegnung ist das Wesentliche nicht mehr, was ich verwirklichen kann oder nicht, sondern vielmehr, was wir zusammen erreichen können.“ Dem Anderen zu begegnen, öffnet das Tor zur Zukunft. Durch Die Begegnung mit dem Anderen entdeckt man jene Kraft der Freiheit, von der man nicht wusste, dass sie so stark sein kann. Quelle: „Kleine Philosophie der Begegnung“ von Charles Pépin

Von Hans Klumbies

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