C. G. Jung stellt seine psychologische Typenlehre vor

Die Loslösung von Sigmund Freud gelingt C. G. Jung mit seinem Buch „Psychologische Typen“ aus dem Jahr 1921. In dem Werk beweist er seine eigene Originalität und seine geistige Selbstständigkeit. Laut C. G. Jung kann die seelische Energie des Menschen in die Außen- oder Innenwelt strömen. Fließt sie nach außen, nennt C. G. Jung das Extraversion, wendet sie sich nach innen, gibt er ihr den Namen Introversion. Im normalen Seelenleben des Menschen wechseln sich beide Prozesse ab. Die Aufmerksamkeit des Menschen richtet sich sowohl auf seine Umwelt als auch auf das eigene Ich, das sich selbst wahrnehmen und beurteilen kann.

C. G. Jung unterscheidet zwischen Extravertiertheit und Introvertiertheit

C. G. Jung ist der Meinung, die Menschen danach einteilen zu können, je nach dem, welche psychische Grundbewegung bei ihnen vorherrscht. Bei Individuen, die sich stark nach außen gerichtet präsentieren, spricht er vom extravertierten Einstellungstypus. Bei Menschen, die überwiegend nach innen gekehrt sind, wendet er den Begriff des introvertierten Einstellungstyps an. C. G. Jung ist der Ansicht, dass diese beiden Grundhaltungen in den Genen ihre Grundlage haben.

Das Leben und Erleben von extravertierten und introvertierten Menschen unterscheidet sich von Natur aus sehr stark. C. G. Jung untermauert seine Theorie mit vielen Beispielen aus der europäischen Geistesgeschichte und beschreibt Philosophen wie Platon oder Aristoteles und Dichter wie Friedrich Schiller oder Johann Wolfgang von Goethe als Musterbeispiele der Introversion und der Extraversion.

C. G. Jung benennt vier psychischen Grundfunktionen

Zu den zwei grundlegenden Einstellungstypen fügt C. G. Jung noch vier psychische Grundfunktionen hinzu, die er als Denken, Fühlen, Empfinden und Intuieren bezeichnet. Zum Einstellungstyp kommt also ein Funktionstyp hinzu, wodurch unter anderem Seelenverfassungen wie folgende entstehen können: der extravertierte Denktyp, der introvertierte Empfindungstyp und so weiter.

Dadurch entwickelt sich ein reichhaltiges Schema, das viele Auslegungen offen lässt. Denn wenn sich ein Individuum mit einer der beiden Grundfunktionen im Leben zu orientieren versucht, verdrängt es die gegensätzliche Funktion ins Unbewusste, wo es sich kaum entfalten kann.

Eine Typenlehre kann ein Idividuum niemals ganz erfassen

C. G. Jung schwebt als Gesundheitskriterium ein Menschenbild vor, bei dem alle Einstellungen und Funktionen möglichst gut ausgebildet sind. Dadurch wäre der Mensch in der Lage, rational und irrational seine Mitmenschen und seine Umwelt zu verstehen. Dennoch war sich auch C. G. Jung darüber klar, dass eine noch so ausgefeilte Typenlehre den einzelnen Menschen in seiner Individualität niemals ganz erfassen kann.

Denn jeder Mensch hat seine Einseitigkeiten und Eigenheiten, über die er sich allerdings bewusst sein muss, um nicht gegenüber anderen Individualitäten ungerecht zu sein. In seinem Buch „Praxis der Psychoanalyse“ von 1958 schrieb C. G. Jung dazu folgendes: „Ich muss daher wohl oder übel, insofern ich überhaupt einen individuellen Menschen behandeln will, auf alles Besserwissen und auf alle Autorität und alles Einwirkenwollen verzichten.“

Von Hans Klumbies

Post Comment