Die Patchworkfamilie ist längst ein anerkanntes Beziehungsmodell

Das komplexe Geflecht einer Patchworkfamilie hat ihren Status des Außergewöhnlichen längst eingebüßt. Ganz im Gegenteil, diese Art des Zusammenlebens wird heute gern als bunt, angesagt und modern angesehen. Hohe Scheidungsraten und dazu eine hohe Sterblichkeit haben die Stieffamilie zu einem Modell gemacht, das als völlig normal galt und die soziale Landschaft der Antike entscheidend mitgeprägt haben muss. Nicht umsonst wurden stieffamiliäre Verbindungen in der Spätantike von circa 300 bis 600 nach Christus staatlich abgesichert.

Der Begriff der Stieffamilie ist noch immer negativ besetzt

Erst mit dem Erstarken des Christentums in der Spätantike und dem frühen Mittelalter wurde diese Konstellation zum Problem, als durch den Einfluss der Kirche auf einmal die Frage aufkam, ob man sich überhaupt scheiden lassen und neu verheiraten darf. Dadurch bekam die Stieffamilie ihren schlechten Ruf, den sie teilweise bis heute nicht wieder losgeworden ist. Vor allem die Person der Stiefmutter gilt nach wie vor als niederträchtig.

Kinder brauchen eine sichere Bindung an eine Bezugsperson

Ehescheidungen sind heute so normal geworden wie es in den 1950er-Jahren noch die frühe Heirat war. Die Bedeutung der Eltern-Kind-Beziehung ist auch heute unumstritten. Sie prägt die kognitive Entwicklung des Nachwuchses. Kinder, die ohne sichere Bindung an mindestens eine Bezugsperson aufwachsen, zeichnen sich durch eine verzögerte Entwicklung der Sprache und ein vermindertes Einfühlungsermögen aus. Sie fallen in der Schule durch schlechte Konzentrationsfähigkeit auf und entwickeln im späteren Leben nur sehr schwer emotionale Beziehungen zu anderen Menschen.

Gisa Aschersleben, Leiterin der Abteilung Entwicklungspsychologie der Universität des Saarlandes, erklärt: „Wichtig ist, dass eine individuelle Beziehung aufgebaut wird. Das müssen nicht zwangsläufig die leiblichen Eltern sein; jede Adoptionsfamilie wäre ja sonst zum Scheitern verurteilt.“ Ihrer Meinung nach kann sich ein Kind auch in einer Patchworkfamilie ganz normal entwickeln, wenn die Eltern gut mit einer Trennung umgehen und der Kontakt zu beiden Elternteilen trotz neuer Partner bestehen bleibt. Quelle: Süddeutsche Zeitung

Von Hans Klumbies

2 Comments - Write a Comment

  1. Ein toller Artikel, den Sie (!), Herr Klumbies, hier über das Thema Patchwork verfasst haben. Nur komisch, dass vor nur wenigen Wochen ein fast wortgleicher Artikel in der Sueddeutschen Zeitung erschein. Auch die von Ihnen eingeworfenen Zitate der befragten Patchworkexperten sind identisch. Der Artikel stammt im eigentlichen Sinne nicht von Ihnen, Herr Klumbies, sondern von Frau Esther Goebel (SZ). Es wäre nett, wenn Sie dies Ihren Lesern auch mitteilen, und sich nicht mit fremden Federn schmücken würden.
    B. Gigli

    Reply

Schreibe einen Kommentar zu B. Gigli Antworten abbrechen